Neue Lockerheit und neue Pfanne
So ein Tour-Sieg befreit. Zumindest war es bei Laura Fünfstück so, als sie über ihren ersten großen Triumph in London jubeln durfte. Drei Wochen lang hatte sie danach frei. Eine davon verbrachte sie zu Hause in Deutschland, traf Freunde und Familie und lud die Akkus wieder auf nach nerven- und kraftraubenden Wochen. „Das gab mir ein bisschen Zeit zu reflektieren und zu spüren, wie sich so ein Sieg anfühlt“, erzählte die Spielerin aus dem National Team Germany im LET-Interview.
Acht Jahre lang hatte sie auf diesen Moment gewartet. Und dann war er plötzlich da. Mit diesem Erfolg im Rücken spiele es sich jetzt etwas freier, erklärte Laura Fünfstück. Der Sieg in London habe Last von ihren Schultern genommen. Und er sorgte dafür, dass sie neben Landsfrau Leonie Harm zu den vier Akteurinnen zählt, die als Spielerinnen des Monats nominiert sind. Zudem gab es eine Menge Preisgeld für den Coup in ihrer Wahlheimat London. Aber wer glaubt, Fünfstück habe sich davon etwas Großes, Schickes, Teures geleistet, der irrt.
„Als Deutsche bin so erzogen, Geld für schwierige Zeiten auf die Seite zu legen und nicht viel auszugeben. Aber ich wollte schon immer eine Edelstahlpfanne, die man für den Rest seines Lebens hat.“ Und genau die hat sie sich nun gegönnt, weil jetzt einfach der richtige Zeitpunkt dafür war. Laura Fünfstück ist jetzt ein Tour-Champion. „Und es fühlt sich gut an, als solcher in ein Turnier zu gehen.“ Sie habe immer den Anspruch gehabt, nicht nur Cuts zu schaffen, sondern vorne mitzuspielen und die Top Ten der Order of Merit zu erreichen. Nun ist sie so nah dran wie noch nie.
Laura Fünfstück wurde am 21. Dezember 1994 im hessischen Langen geboren. Ihr Heimatclub ist der GC Neuhof, ihr aktueller Wohnort London, wo sie mit ihrer Ehefrau Rosie Davies, ebenfalls Tourspielerin, lebt. Nach einer sehr erfolgreichen Amateur- und College-Zeit wechselte sie 2018 ins Profilager und holte nach 115 Starts ihren ersten Sieg auf der Ladies European Tour – ausgerechnet vor ihrer Haustüre in London. Eine Verletzung zwang sie von August 2021 bis August 2022 rund ein Jahr zum Zuschauen. Der Neustart fiel schwer. „Es war wirklich hart. Ich habe nicht gut gespielt, hatte keinen Spaß.“
Sie hatte eine schwierige Phase - physisch wie emotional. Aber sie habe einfach weitergemacht, daran geglaubt, dass irgendwann das Licht am Ende des Tunnels kommt. Jetzt ist es da. Mit dem Sieg im Rücken kann sie lockerer und befreiter spielen. Und vielleicht war es ja nur der Anfang weiterer Erfolge. Golf-Deutschland ist gespannt, was Laura Fünfstück noch so auf der Pfanne hat.








