Harm mit Befreiungsschlag
Am Ende hat es nicht ganz gereicht. Leonie Harm, die in geteilter Führung in das Finale der Hills Open gestartet war, hat ihre Titelpremiere auf der Ladies European Tour knapp verpasst. Die Stuttgarterin hatte nach einer abwechslungsreichen Finalrunde nach 72 Schlägen (+1) knapp das Nachsehen. Der British-Amateur-Siegerin von 2018 fehlten zwei Schläge auf die Amateurin Meja Örtengren. Harm teilt sich den zweiten Rang mit Lisa Pettersen.
Die 27-Jährige war nach ihrer sensationellen, bogeyfreien 66 am Samstag mit viel Selbstvertrauen in den Finaltag gestartet. Zwei frühe Birdies deuteten erneut auf eine starke Runde hin. Doch auf den Bahnen sechs und acht leistete sich die ehemalige College-Golferin zwei Bogeys, ehe sie auf der schwierigen Back Nine mit zwei Birdies, einem Bogey sowie einem doppelten Schlagverlust kämpfen musste. Am Ende stand ein Gesamtscore von -4.
Das Karriereende war so gut wie besiegelt
Trotz des verpassten Sieges ist das Resultat ein großer Erfolg. Nach einer langen Durststrecke und dem beinahe endgültigen Karriereende im Vorjahr, ist diese Top-Platzierung (Preisgeld: 36.000 Euro) ein sportlicher und vor allem emotionaler Befreiungsschlag. „Ich bin einfach froh, dass ich wieder so konstant spielen und mich über meine Leistung freuen kann“, hatte sie nach der starken zweiten Runde gesagt.
Ein Treffen mit einem befreundeten Coach bei der Aramco Team Series in Sauid-Arabien hatte ihr Ende 2024 neuen Schwung verliehen – nicht nur technisch, sondern auch mental. „Plötzlich fühlte sich mein Schwung wieder wie meiner an“, sagte Harm. Die Kontrolle kehrte zurück, der Kopf wurde freier – und damit auch die Freude. „Wenn du nicht mehr all deine Energie dafür aufwenden musst, den Ball überhaupt auf der Erde zu halten, kannst du dich um all die anderen Teile des Spiels kümmern.“
Harm wollte es noch einmal wissen. Es folgten intensive Arbeitseinheiten – zuletzt auch am Putten –, neue Routinen, mehr Balance. Und die Erkenntnis: Es geht ihr nicht mehr nur ums Gewinnen, sondern ums Spielen. „Ich liebe es, an Dingen zu arbeiten und Fortschritte zu sehen. Das ist es, was ich am Profisport wirklich mag.“
In der Order of Merit verbesserte sich Harm, die ihre Saison auf der LET Access Series begonnen hatte, auf den 34. Rang.
Die dritte Amateurin mit Titel
Den Sieg schnappte sich jedoch die 20-jährige Örtengren – als Amateurin und vor heimischem Publikum. Die Studentin der Stanford University bewies trotz aufkommender Nervosität auf den letzten Löchern Nervenstärke. Nachdem sie zwischenzeitlich einen komfortablen Vier-Schläge-Vorsprung fast verspielt hatte, rettete sie sich mit einem Birdie auf der 18 über die Ziellinie. Sie ist damit erst die dritte Amateurin überhaupt, die auf der LET ein Turnier gewinnt.
Örtengrens Freude war entsprechend groß: „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich bin einfach glücklich – und jetzt gibt’s erst mal ein Eis mit der Familie“, sagte die sympathische Schwedin, die ihren Bruder als Caddie dabei hatte.
Celina Sattelkau aus dem National Team Germany beendete das Turnier im malerischen Hills Golf & Sports Club auf dem geteilten 14. Rang. Für die 24-Jährige vom GC St. Leon-Rot ist es die bisher beste Platzierung überhaupt in ihrer noch jungen Laufbahn.








