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Tim Wiedemeyer geht mit zwei Schlägen Vorsprung in die Finalrunde der Europameisterschaft | © DGV

Wiedemeyer greift nach dem EM-Titel

Hämeenlinna/Finnland –  Tim Wiedemeyer war vor dem Turnier zu den Top-Favoriten gezählt worden. Nach verhaltenem Auftakt hat der Bayer, der für den GC St. Leon-Rot spielt, die Ruhe bewahrt und mit zweimal Tagesbestleistung den Sprung an die Spitze des Feldes geschafft. Nachdem er am zweiten Wettkampftag schon eine 65 ins Recording gebracht hatte, gelang ihm dies am dritten Tag direkt ein zweites Mal. Dieses Mal blieb Wiedemeyer sogar bogeyfrei.
 

Jeweils drei Birdies auf der Front Nine und auf der Back Nine reichten aus, um die ersten Verfolger vor der anstehenden Finalrunde mit gesamt zehn unter Par um zwei Schläge hinter sich zu lassen. Der Niederländer Nevill Ruiter und der US-Amerikaner Aaron Pounds lauern mit jeweils acht unter Par auf dem geteilten zweiten Platz.
 

Zwei Schläge sind noch kein Polster, auf dem man sich ausruhen könnte. Tim Wiedemeyer ist aber so erfahren, dass er diese an sich komfortable Situation richtig einschätzt und sich entsprechend konzentriert auf den Finaltag vorbereitet: „Heute war ein guter Tag! Ich habe echt gute Approach Schläge gehauen und meinen Game Plan solide durchgezogen. Ziel war, mir so viele Chancen wie möglich zu geben und Bogeys zu vermeiden. Morgen heißt es, geduldig zu bleiben und mein Spiel zu spielen.“
 

Pascal Proske war vom Auftritt des 21-Jährigen, der im GC Rottbach mit dem Golfspiel begonnen hatte, beeindruckt: „Tim hat sich mit Back-to-Back -6 natürlich extrem stark präsentiert. Er führt jetzt das Feld an und wir sind auf morgen gespannt. Als Routinier wird er sicher souverän in die letzte Runde reingehen.“

Gute Putts

Emil Albers spielt in Finnland weiter eine ganz starke EM. Nach Runden mit 68, 70 und 70 steht der Falkensteiner vor dem Finaltag auf Rang sieben. Sein Rückstand auf die Podiumsplätze beträgt drei Schläge.
 

In der dritten Runde war der Start nicht optimal. Ein Doppelbogey auf Loch 1 und noch ein Bogey auf Loch 7 sahen zunächst auf dem Leaderboard nicht gut aus. Ganz stark aber, wie sich Albers danach fing, keine weiteren Schlagverluste hinnehmen musste und stattdessen noch vier saubere Birdies unterbrachte, um seinen Score zum dritten Mal in Folge unter Par zu drücken.
 

Der Verlauf der Runde macht dem Nordlicht Mut für den Finaltag: „Mal gucken, was morgen noch geht. Heute hab ich sehr viele gute Putts und Up-and-downs gemacht. Nach einem sehr schwierigen Start in die Runde habe ich zum Schluss die möglichen Birdiechancen genutzt, um mich im Spiel zu halten.“
 

Für seine Leistung bekam Emil Albers vom Bundestrainer viel Anerkennung: „Er hat heute wirklich gut gekämpft, musste einige längere Putts zum Par lochen, hat das aber sehr gut gemacht. Emil hat gut durchgehalten, hinten raus noch mal Birdies gespielt und sich damit jetzt dann wirklich in eine gute Position für den Finaltag gespielt.“

Loch 7

Loch 7 auf Linna Golf wird bei Emil Riegger keine positiven Gedanken hinterlassen. Zumindest bisher hat der Hubbelrather alleine auf dieser Bahn fünf Schläge verloren. Nach Bogey am ersten Tag kamen am zweiten und dritten Wettkampftag jeweils ein Doppelbogey auf die Karte.
 

Dabei hatte der Bundesadler am dritten Tag zu diesem Zeitpunkt gerade zur Aufholjagd geblasen. Nach drei Birdies auf den ersten vier Löchern lag Riegger deutlich im roten Bereich und hatte sich auf dem Leaderboard wieder in die richtige Richtung bewegt. Wie stark Riegger mental ist, zeigte das Birdie, das er direkt dem „Double“ folgen ließ. Dass der Score nicht weiter gedrückt werden konnte, lag an vier Bogeys, die innerhalb von fünf Bahnen folgten. Und wieder zeigte Riegger eine starke Reaktion, indem er anschließend noch zwei Birdies notieren durfte. Diese Runde im Auf und Ab endete mit einer 71, also Even Par. Damit spielte sich Riegger auf Rang 37 sicher in den zweiten Cut.
 

„Emil hat heute ein paar Schläge liegen lassen. Die kann er morgen aber sicher wieder aufholen“, hat der Bundestrainer großes Zutrauen in die Stärke von Riegger.

Knapp daneben

Zwei weitere Hubbelrather verpassten den Sprung in die Top 60, die für den Finaltag zugelassen sind. Wolfgang Glawe und Tom Haberer fehlten am Ende mit einem Gesamtscore von fünf über Par zwei Schläge, um bei der Finalrunde dabei zu sein.
 

Bundestrainer Pascal Proske erklärte das Zustandekommen: „Wir haben leider zwei Spieler, die sich auf den letzten zwei Löchern noch knapp aus dem Cut gespielt haben. Tom und Wolfgang waren eigentlich gut unterwegs, haben hinten raus dann leider noch Bogeys kassiert und sind dadurch aus dem Cut rausgerutscht. Das sieht noch mehr aus, als es am Ende auf dem Platz eigentlich war, denn bei beiden war es eher so, dass der Versuch, nochmal das Birdie zu kriegen, ein Bogey gekostet hat. Statt +3 steht dann eben die +5.“

Top Bedingungen

In Finnland haben die Talente aus aller Welt nahezu optimale Bedingungen. Während Deutschland unter einer heftigen Hitzewelle leidet, wird im hohen Norden die EM bei 15 bis 22 Grad mit ein wenig Wind gespielt.

„Wir können uns hier wirklich über die Bedingungen nicht beschweren. Es ist ein tolles Event“, bestätigt der Bundestrainer, dass der Sommer rund 100 Kilometer nördlich von Helsinki bestens für Golfturniere geeignet ist.

Geschichte

Seit 1986 wird die Europameisterschaft der Männer ausgespielt. Längst ist dieses Turnier weit mehr als nur ein kontinentaler Titelkampf. Die Stärke des Feldes sorgt Jahr für Jahr dafür, dass diese EM zu den weltweit bedeutendsten Amateurturnieren zählt.
 

Ein Blick in die Sieger- und Teilnehmerlisten zeigt eindrucksvoll, welche Qualität hier traditionell am Start ist. Nahezu alle europäischen Ryder-Cup-Stars und Major-Champions der vergangenen Jahrzehnte haben in ihrer Amateurzeit bei der European Amateur Championship aufgeteet. Rory McIlroy gewann das Turnier 2006, Sergio Garcia hatte sich schon 1995 den Titel gesichert. Andere spätere Weltstars standen zumindest auf dem Podium: Lee Westwood holte 1993 eine Medaille, Paul Casey 1999, Danny Willett 2007 und Tommy Fleetwood 2010.
 

Auch in der jüngeren Vergangenheit war die EM Bühne für Spieler, die wenig später auf der ganz großen Golfbühne für Schlagzeilen sorgten. Ludvig Åberg verpasste den Titel 2021 nur knapp und wurde Zweiter. Viktor Hovland war 2018 ebenfalls ganz dicht dran und musste sich am Ende mit Silber begnügen. Viele weitere große Namen tauchten in den Startlisten auf, ohne es damals auf das Podest zu schaffen, darunter Jon Rahm, Matt Fitzpatrick und Francesco Molinari.
 

Auch aus deutscher Sicht hat diese Meisterschaft besondere Kapitel geschrieben. 2008 feierte Stephan Gross in Esbjerg einen deutschen Titelgewinn, als die EM in Dänemark ausgetragen wurde. Hinter ihm blieben damals unter anderem Shane Lowry, Tommy Fleetwood, Eddie Pepperell und Matteo Manassero. Alles Namen, die später im Profigolf große Bedeutung bekommen sollten.
 

Unvergessen bleiben auch die beiden Titel von Matti Schmid. 2019 gewann der Deutsche zunächst in Österreich. Ein Jahr später legte er direkt nach und verteidigte seinen EM-Titel in einem denkwürdigen Duell gegen Nick Bachem. Kurz zuvor hatten beide gemeinsam beim deutschen Sieg in der Team-EM geglänzt und haben seitdem den Beinamen „Helden von Hilversum“. Max Röhrig gewann 2014 in Schottland die Silbermedaille.
 


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