Renner beendet EAOM-Premierensaison auf Platz drei
Mit der European Amateur Order of Merit hat die European Golf Association gemeinsam mit ihren Mitgliedsverbänden 2026 erstmals eine Rangliste geschaffen, die ausgewählte europäische Spitzenturniere über eine komplette Saison miteinander verbindet. 15 Veranstaltungen bei Männern und Frauen bildeten von Jahresbeginn bis in den Herbst die Grundlage der Wertung. Die Saison war in Front-Nine, Back-Nine und den abschließenden Final Sprint gegliedert. Für die Gesamtwertung zählten jeweils die sechs besten Ergebnisse eines Athleten.
Neben Punkten gab es bei den einzelnen Stationen und über die Jahreswertung vor allem zusätzliche Spielmöglichkeiten zu gewinnen. Einladungen zu Amateur- und Profiturnieren sollen den besten europäischen Spielern und Spielerinnen weitere Türen öffnen.
Renner auf dem Podium
Aus deutscher Sicht setzte vor allem Sophie Renner ein Ausrufezeichen. Die Spielerin des Stuttgarter GC Solitude arbeitete sich mit guten Ergebnissen in der zweiten Saisonhälfte nach vorne und beendet das Jahr auf Rang drei. Nur Charlotte Naughton aus England und Carlota Locatelli aus der Schweiz sammelten mehr Punkte.
Für Renner spielte die neue Serie bereits bei der Zusammenstellung ihres Turnierkalenders eine Rolle. Die EAOM-Turniere dienten ihr als Orientierung für die wichtigsten internationalen Aufgaben in Europa, ohne die individuelle Saisonplanung komplett vorzugeben.
„Grundsätzlich finde ich die EAOM eine sehr schöne Idee. Sie stellt eine klar strukturierte und definierte Rangliste dar, die erstmal die Ergebnisse einer Saison abbildet. Das ist eine gelungene Alternative zu anderen, bereits bestehenden Ranglistensystemen“, ist die Stuttgarterin überzeugt.
Dass sie selbst die erste Saison auf dem Podium beendet, kam für Renner durchaus überraschend. Der Start ins Jahr verlief nicht wie gewünscht und führte mitten in der Saison zu einem Trainerwechsel. Die anschließenden technischen Veränderungen konnte sie schnell ins Turnierspiel übertragen und sich damit in der EAOM kontinuierlich nach vorne arbeiten.
Der dritte Platz bringt der Deutschen nun auch die nächste internationale Chance. Renner erhält eine Einladung für ihr zweites Turnier auf der LET Access Series und startet vom 14. bis 16. Oktober bei den Calatayud Ladies Open in Spanien.
Weitere deutsche Spielerinnen sind ebenfalls weit vorne in der ersten EAOM-Abschlusstabelle vertreten. Susanna Brenske vom Hamburger GC Falkenstein beendet die Saison auf Rang 13, Yoo Jin Bae vom GC St. Leon-Rot steht auf Platz 24.
Naughton ist erste EAOM-Siegerin
Ganz oben steht Charlotte Naughton. Die 18-jährige Engländerin sammelte über ihre sechs besten Resultate 1.436 Punkte und sichert sich damit neben der EGA-Goldmedaille auch eine Einladung für die Ladies European Tour.
Naughton war bereits mit einem Top-Vier-Ergebnis bei der Portuguese International Ladies’ Amateur Championship ins Jahr gestartet und platzierte sich anschließend auch bei der Copa Sotogrande, der German International Women’s Amateur und der St Rule Trophy jeweils unter den besten Fünf.
Die entscheidende Bewegung im Klassement gelang ihr bei der European Ladies’ Amateur Championship in Schweden. Mit ihrem Sieg übernahm Naughton die Spitze der EAOM und verteidigte ihren Vorsprung bis zum Saisonende.
Hinter der Engländerin komplettieren Locatelli und Renner das Podium. Anna Ludvova fehlen als Vierte lediglich sieben Punkte auf Renner. Die Tschechin hatte früh in der Saison im G&CC Seddiner See die German International Ladies Amateur Championship gewonnen und dafür neben Ranglistenpunkten auch einen Startplatz beim Amundi German Masters auf der LET bekommen.
Riegger bester Deutscher
Bei den Männern steht kein Deutscher in der Spitzengruppe der Jahreswertung. Emil Riegger ist auf Rang 24 der beste Deutsche. Sein Clubkamerad vom GC Hubbelrath, Wolfgang Glawe, folgt auf Platz 35.
Den ersten Titel bei den Männern sichert sich ebenfalls ein Engländer. Eliot Baker beendet die Saison mit 1.390,3 Punkten an der Spitze und erhält neben der EGA-Goldmedaille Spielmöglichkeiten auf der DP World Tour und der HotelPlanner Tour im Jahr 2027.
Baker hatte sich früh in der Spitzengruppe etabliert. Nach einem Top-20-Ergebnis bei der Portuguese International Amateur Championship wurde der 23-Jährige Zweiter bei der Spanish International Amateur Championship. Bei der European Nations Championship folgte einer seiner größten Erfolge der Saison. Mit 15 unter Par und fünf Birdies auf den letzten fünf Löchern gewann Baker die Einzelwertung mit Turnierrekord.
Weitere Punkte sammelte der Engländer unter anderem mit Platz zwei bei der Brabazon Trophy und einem Top-Ten-Ergebnis bei der European Amateur Championship.
Entscheidung erst zum Schluss
Anders als bei den Frauen blieb die Entscheidung um den Gesamtsieg bei den Männern bis zum letzten Wertungsturnier offen. Mads Heller aus Dänemark hatte bei der Swedish International Men’s Amateur Championship noch die Möglichkeit, Baker von der Spitze zu verdrängen.
Heller beendete das Turnier in Schweden auf Rang sechs und kam damit auf 1.372,5 Punkte. Weniger als 18 Zähler trennten die beiden nach einer kompletten Saison.
Platz drei ging mit 1.149,2 Punkten an Max Hopkins. Der Engländer machte insbesondere im Final Sprint Boden gut. Dabei spielte auch das deutsche EAOM-Turnier eine entscheidende Rolle: Hopkins gewann die Bernhard Langer International Amateur Championship und ließ zum Abschluss in Schweden einen siebten Platz folgen.
Fazit
Marcus Neumann, Vorstand Sport im DGV, zieht ein insgesamt positives Fazit nach der Premierensaison, wirbt aber auch für Geduld mit der Entwicklung: „Ich gratuliere Sophie Renner ganz herzlich zu diesem Erfolg, in der neuen Jahreswertung auf das Podium zu kommen und dadurch weitere Erfahrungen beieinem Profi-Turnier sammeln zu können. Das ist sehr wertvoll für die Entwicklung. Ich bewerte das erste Jahr der European Amateur Order of Merit grundsätzlich positiv. Allerdings ist mein Eindruck, dass die Initiative und insbesondere ihre Bedeutung für das europäische Golf noch nicht bei allen Beteiligten vollständig angekommen sind. Dafür braucht es etwas Geduld.
Die Chance liegt darin, unsere bedeutenden Amateurturniere stärker miteinander zu verbinden, ihre Attraktivität zu erhöhen und zusätzliche Perspektiven bis hinein ins Profigolf zu eröffnen. Ich hoffe und erwarte, dass dadurch die Leistungsdichte in den Feldern in den kommenden Jahren weiter wächst und die besten Spielerinnen und Spieler häufiger aufeinandertreffen. Dieser regelmäßige Wettbewerb auf hohem Niveau fördert die individuelle Entwicklung und stärkt das europäische Golf insgesamt.Das amerikanische College-Golf mit seinen gewachsenen Strukturen werden wir auf absehbare Zeit kaum einholen. Dennoch brauchen wir in Europa sportlich überzeugende Alternativen. Junge Talente müssen darauf vertrauen können, dass ihnen auch hier ein Weg in die internationale Spitze offensteht und eine Entscheidung für Europa ihre Karrierechancen stärkt. Dazu kann die Order of Merit einen wichtigen Beitrag leisten.
Eine solche Entwicklung lässt sich allerdings nicht nach einer Saison abschließend bewerten. Sie braucht mehrere Jahre und bis sie ihre volle Wirkung entfaltet, möglicherweise eine ganze Spielergeneration.“









