Lytham und Fairhaven: Klassiker mit Charakter
Lytham St. Annes/England – Wenn der Wind von der Irischen See über die Fairways zieht, bekommt Golf in Lytham seinen ganz eigenen Reiz. Dann zählt Kontrolle mehr als pure Länge, Geduld wird zur Pflicht und jeder Schlag verlangt eine strategische Planung. Genau dies zeichnet die Lytham Trophy aus und macht es für alle Talente so wertvoll, um Erfahrungen zu sammeln.
Für das Junior Team Germany und die weiteren deutschen Starter ist der Auftritt im Royal Lytham & St Annes GC weit mehr als nur ein Termin im internationalen Kalender. Der traditionsreiche Links-Klassiker ist eine Bühne, auf der sich früh in der Saison zeigt, wie belastbar Form, Spielstrategie und mentale Stabilität bereits sind. Das gilt in ähnlicher Weise für die jüngeren Spieler, die zeitgleich im benachbarten Fairhaven GC bei den Fairhaven Trophies antreten.
Ein Turnier mit großer Vergangenheit
Die Lytham Trophy wurde 1965 erstmals gespielt. Der Gedanke dahinter war klar: Auch der Norden Englands sollte ein Amateurturnier von besonderem sportlichem Rang bekommen. Bereits die Premiere unterstrich diesen Anspruch. Mit Clive Clark und Michael Bonallack, der später geadelt wurde, teilten sich zwei prominente Namen des britischen Golfsports den ersten Titel.
Seitdem hat sich das Turnier zu einem festen Frühjahrstermin für Nationalkader, College-Spieler und starke internationale Amateure entwickelt. Die Mischung aus frühem Saisonzeitpunkt, anspruchsvollem Format und einem Platz mit einer besonderen Aura macht die Lytham Trophy zu einem echte Prüfstein.
Gespielt werden 72 Löcher im Zählspiel. Am Freitag und Samstag steht jeweils eine Runde auf dem Programm, ehe am Finaltag die nur besten 40 Spieler und Schlaggleiche noch einmal über 36 Löcher gefordert sind. Wer hier bis zum Ende um den Titel mitspielen will, braucht also auch Ausdauer und die Fähigkeit, unter Druck lange konzentriert zu bleiben.
Die Siegerliste und die Namen früherer Teilnehmer machen deutlich, welchen Stellenwert dieses Turnier im Amateurbereich hat.
Royal Lytham & St Annes fordert jeden Schlag
Der Royal Lytham & St Annes GC gehört zu den renommiertesten Links-Plätzen der Welt. Gegründet wurde der Club 1886. Bereits 1926 war der Platz erstmals Schauplatz der Open Championship. Seitdem zählt Lytham zum Kreis jener Plätze, die regelmäßig dem älteste Major der Welt eine Heimat bieten.
Der Kurs hat seinen Ruf nicht zufällig. 174 tief eingelassene Topfbunker, schmale Fairways, clever verteidigte Grüns und der stetige Einfluss des Windes machen die 18 Bahnen zu einer Aufgabe, bei der ungenaue Schläge sofort Konsequenzen haben können. Dazu kommt die besondere Kulisse: Eisenbahnschienen, viktorianische Vorstadtarchitektur und klassisches Links-Golf verbinden sich zu einem Bild, das unverwechselbar ist.
Der Platz kann streng sein, manchmal auch unerbittlich. Gleichzeitig gilt er aber auch als fair. Gute Entscheidungen werden belohnt, unüberlegte Angriffe bestraft. Gerade deshalb hat Royal Lytham & St Annes über Jahrzehnte hinweg seinen besonderen Ruf behalten. Für junge Top-Amateure ist diese Prüfung ein wertvoller Spiegel: Wer hier besteht, zeigt Qualitäten, die auch auf größeren Bühnen gefragt sind.
Langers großer Triumph an gleicher Stelle
Auch aus deutscher Sicht ist Lytham mit einem besonderen Moment verbunden. Bernhard Langer, inzwischen Ehrenmitglied des Deutschen Golf Verbands, feierte 2019 auf diesem Platz einen seiner großen Siege bei den PGA Tour Champions. Bei der Senior Open Championship des R&A ging der deutsche Ausnahmegolfer, der seit vielen Jahren in den USA lebt, mit drei Schlägen Rückstand in die Schlussrunde. In Führung lag damals Paul Broadhurst, selbst früherer Sieger der Lytham Trophy. Langer aber spielte eine formidable Finalrunde. Schon auf den ersten neun Löchern notierte der damals 61-Jährige vier Birdies und setzte die Konkurrenz damit früh unter Druck. Mit einer 66 sicherte sich der zweifache Masters-Champion schließlich den Titel.
Dieser Erfolg war auch deshalb besonders, weil das Turnier zugleich das letzte Major war, an dem Tom Watson teilnahm. So verbindet sich an diesem Ort deutsche Golfgeschichte mit dem Abschied einer internationalen Legende.
Open-Momente, Ryder Cup und große Namen
Royal Lytham & St Annes ist über Jahrzehnte Schauplatz großer Golfmomente gewesen. Die Liste der Open-Champions, die hier triumphierten, liest sich wie ein Chronologie der Geschichte des Sports: Bobby Jones gewann 1926, Bobby Locke 1952, Peter Thomson 1958, Bob Charles 1963, Tony Jacklin 1969. Später folgten Seve Ballesteros 1979 und 1988, Tom Lehman 1996, David Duval 2001 und Ernie Els 2012.
Einige dieser Siege sind bleibende Erinnerungen des Golfsports. Ballesteros’ Weg zum Titel 1979 bleibt unvergessen, weil sein Drive am 16. Loch auf einem Parkplatz landete und er dennoch ein Birdie spielte. Der Beiname „Car Park Champion“ begleitet diese Szene seither. Auch Tom Lehmans 64er Runde im Jahr 1996 gehört zu den markanten Leistungen, die diesen Platz prägen.
Neben der Open Championship fanden in Lytham auch zwei Ryder Cups, mehrere Walker Cups, Women’s Open Championships und Senior Opens statt. Diese Historie gibt jedem Turnier auf diesem Platz einen besonderen Rahmen. Auch die Lytham Trophy lebt von dieser Aura. Jeder Grashalm und jeder Ziegelstein atmet die Tradition des Ortes.
Tino Schuster bleibt deutscher Maßstab
Einen deutschen Sieger hat die Lytham Trophy bislang hervorgebracht. Tino Schuster setzte sich 1999 in einem starken internationalen Feld durch. Der damalige Nationalspieler und spätere European-Tour-Profi schrieb damit ein besonderes Kapitel für den deutschen Golfsport. Für die aktuellen deutschen Teilnehmer bleibt dieser Erfolg Ermutigung, was auf dieser Bühne auch für Bundesadler möglich ist.
Deutsche Starter vor anspruchsvoller Aufgabe
Mit Nils-Levi Bock vom GC St. Leon-Rot und Wolfgang Glawe vom GC Hubbelrath ist das Junior Team Germany bei der 60. Lytham Trophy vertreten. Dazu kommen Julius Wunsch, Leon Herb und Leopold Heß als weitere deutsche Spieler in einem international stark besetzten Feld.
Für alle gilt: Der Royal Lytham & St Annes GC verlangt eine vollständige Leistung. Hier sind alls Skills gefordet, die auf den Touren der Welt wichtig sind. Besonders bei wechselnden Windbedingungen kann der Platz innerhalb weniger Minuten einen anderen Charakter bekommen.
Fairhaven Trophies als Bühne für die U18
Parallel zur Lytham Trophy finden im benachbarten Fairhaven GC die Fairhaven Trophies statt. Der Club wurde 1895 gegründet und bietet den U18-Spielern ebenfalls eine anspruchsvolle Bühne. 144 Teilnehmer, darunter 20 Mädchen, treten an. Nach zwei Runden wird der Cut gezogen.
Aus deutscher Sicht ist bei den Mädchen Nina Schumacher vom Stuttgarter GC Solitude am Start. Bei den Jungen schickt das Junior Team Germany Bjarne Murr, Colin Bärmann, Konrad Feth, David Süntzenich, Max Franck und David Fuchs ins Rennen. Dazu kommen sieben weitere deutsche Spieler.
Auch in Fairhaven geht es um mehr als ein gutes Ergebnis. Internationale Felder in dieser Altersklasse bieten eine wertvolle Gelegenheit, sich mit starken Gleichaltrigen zu messen, Erfahrungen zu sammeln und die eigene Entwicklung einzuordnen.








