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Strahlende Siegerin: Johanna Kirch vom Frankfurter GC feiert ihren bislang größten Titel | © DGV

Kirch feiert in England ihren bislang größten Sieg

Macclesfield/England – Bundestrainerin Esther Poburski, die aktuell bei der Europameisterschaft der Frauen in Schweden ist, freute sich aus der Ferne sehr mit ihren Schützlingen. Besonders wichtig ist ihr, dass die Athletinnen in der passenden Altersklasse Turniere spielen, um auch zu lernen, wie es sich anfühlt, ein namhaftes Turnier zu gewinnen.
 

Vor Ort betreuten Helen Kreuzer und Cedric Otten die deutschen Talente. Für Kreuzer war es als Co-Trainerin der Bundestrainerin der erste Einsatz, bei dem sie die volle Verantwortung für das Team trug. Entsprechend froh war Kreuzer, dass dieses Turnier für die deutschen Talente überaus erfolgreich verlaufen war: „Ich bin super stolz auf die Mädels. Es war ja auch das erste Mal, dass ich alleine mit denen weg war. Alle haben es wirklich gut gemacht. Die Stimmung war in der ganzen Woche sehr gut. Wir haben sicherlich davon profitiert, dass sich die Spielerinnen super verstehen und einen guten Spirit haben.“

Starke Front Nine

Johanna Kirch war in der Auftaktrunde mit drei Birdies auf einer bogeyfreien Front Nine ganz stark ins Turnier gestartet. Auf Loch 10 hatte sie dann sehr viel Pech, als ihr Ball im Bunker als Steckschuss unter der Bunkerkante hing und sie an diesem Par 3 ein Triplebogey hinnehmen musste.
 

Danach kämpfte sich Kirch aber ganz stark zurück und kam mit Even Par ins Clubhaus. Am zweiten Tag ging es mit einer 72 (-1) in der Gesamtwertung noch ein Stück nach oben, auch wenn vor dem Finaltag, an dem zwei Runden auf dem Spielplan standen, der Rückstand auf die Führende beträchtlich war. Die Engländerin Lauren Crump hatte mit 68 und 66 Schlägen überragend vorgelegt und sah mit elf Schlägen Vorsprung auf Johanna Kirch und Lena Geier schon wie die sichere Siegerin aus.

Finaltag

Der Finaltag veränderte das Bild jedoch mächtig. Johanna Kirch ging schlaggleich mit Lena Geier vom geteilten dritten Platz in die erste von zwei Runden. Die beiden hatten eine tolle Atmosphäre im Flight, und so war der Eagle, mit dem die Frankfurterin startete, mehr als eine Randnotiz. Mit diesem Eagle zündete die 18-Jährige, die im GC Friedberg mit dem Golf begonnen hatte, den Turbo.
 

Der Platz liegt auf sandigem Untergrund und war wegen der großen Dürre in England sehr trocken. Dadurch waren die Par 5 sehr gut zu erreichen. Im Gegenzug wurden Schläge, die ein Grün verfehlten, vom Platz hart bestraft. Bei diesen Bodenverhältnissen ließen sich kleinere Rückschläge nicht ausschließen, aber die beiden Bogeys der Runde fielen angesichts von fünf weiteren Birdies kaum ins Gewicht. Kirch brachte am Vormittag eine starke 68 (-5) ins Recording und hatte damit bereits neun Schläge ihres Rückstands auf Crump wettgemacht.

Gut weggesteckt

Am Nachmittag stand die Finalrunde an, und auch hier war Johanna Kirch sehr gut unterwegs. Nach der Front Nine lag sie unter Par, musste auf den beiden ersten Löchern der Back Nine aber jeweils ein Bogey notieren. In diesem Moment erwies es sich als ungemein wertvoll, dass Lena Geier mit im Flight war und die beiden sich immer wieder gegenseitig aufrichteten. Das Momentum war jedenfalls nicht verloren, und so brachte die Hessin weitere Birdies unter.
 

Gleichzeitig zeigte die Engländerin nach ihrer schwächeren Vormittagsrunde auch am Nachmittag Nerven und büßte Schlag um Schlag ein, sodass Johanna Kirch auf der Finalrunde mit den Birdies auf den Löchern 16 und 17 sogar noch einen kleinen Vorsprung herausspielen konnte. Am Ende lag Kirch nach Runden mit 73, 72, 68 und 71 Schlägen drei Zähler vor Lauren Crump und wurde für ihre starke Vorstellung vom Team, aber auch von den sehr fairen englischen Zuschauern als verdiente Siegerin gefeiert.

Dankbar

Johanna Kirch war nach diesem triumphalen Abschluss sehr dankbar: „Das ist auf jeden Fall mein bisher größter Sieg. Der bedeutet mir sehr viel. Es war eine super coole Woche hier mit Helen Kreuzer, Cedric Otten und den Mädels. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe heute wirklich unglaublich gut geputtet. Das hatte ich noch nie. Ich hatte bei jedem Putt unter zehn Metern das Gefühl, der geht eh rein. Das war heute einfach ein totaler Flow, besonders heute Morgen in der tiefen Runde. Ich habe lange gar nicht gewusst, dass ich noch im Rennen um den Sieg bin. Ich dachte, dass Lauren Crump viel tiefer liegt. Als ich zwei Bogeys hintereinander gemacht hatte, dachte ich, es ginge für mich eher um eine Medaille.“
 

Auf den Löchern 16 und 17 legte Kirch mit zwei Birdies ganz cool nach. Erst da wurde der Hessin beim ersten Blick auf das Leaderboard klar, dass sie tatsächlich in Führung lag: „Das war sehr überraschend und irgendwie konnte ich es noch nicht so recht glauben, weil ich damit wirklich nicht gerechnet hatte.“

Bronze

Lena Geier, die mit Johanna Kirch den Finaltag verbrachte, war mit ihrem Ergebnis ebenfalls rundum zufrieden: „Insgesamt war es eine richtig coole Woche und ich bin mit dem dritten Platz sehr zufrieden. Besonders gut waren meine Drives. Auf die konnte ich mich die ganze Woche wirklich verlassen. Außerdem habe ich ein paar richtig starke Up-and-Downs geschafft, auf die ich echt stolz bin. Der Platz war extrem trocken, wodurch die Bälle manchmal echt unglückliche Kicks bekommen haben. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass man für gute Schläge bestraft und für schlechtere Schläge eher belohnt wurde. Davon bin ich persönlich nicht so ein Fan, denn ich mag Plätze, auf denen gute Schläge belohnt und schlechte entsprechend bestraft werden. Ein echtes Highlight war heute die Runde mit Johanna. Es hat richtig Spaß gemacht, mit ihr zu spielen, und dass sie am Ende das Turnier noch gewonnen hat, hat mich natürlich auch total gefreut. In besonders guter Erinnerung werden mit die Volunteers und alle Helfer bleiben. Die waren unglaublich nett und hilfsbereit, so etwas erlebt man wirklich nicht oft. Das hat die Woche nochmal besonders gemacht.“
 

Die Spielerin des GR Bad Griesbach durfte sich nach Runden mit 73, 72, 73 und 74 Schlägen über Platz drei und die Bronzemedaille freuen.

 

 

Platz fünf für Bae

Yoo Na Bae vom GC St. Leon-Rot war mit einer 78 etwas holprig ins Turnier gestartet, spielte danach aber sehr solide und schob sich mit 73 und zweimal 72 Schlägen noch bis auf Rang fünf vor.
 

Das starke Gesamtbild rundete Luisa Hartmann vom GC Aldruper Heide ab, die mit 76, 71, 81 und 71 Schlägen den siebten Platz erreichte.
 

„Damit waren die vier Spielerinnen, mit denen wir hier waren, in der Top Ten, drei sogar in der Top Five. Das ist schon richtig stark und wir sind super happy und super stolz, dass die Mädels Deutschland so gut vertreten haben. Dies wurde auch von den anderen Spielerinnen hier auf jeden Fall anerkannt“, war Helen Kreuzer als Coachin sehr glücklich mit dem Ergebnis, aber auch mit dem Auftritt ihrer Schützlinge.

Platz und Geschichte

Bei der English Girls’ Open Amateur Stroke Play Championship spielten 144 Mädchen bis 18 Jahre zunächst zwei Runden, ehe der Cut gezogen wurde. Nur die besten 40 durften am Finaltag zwei weitere Runden absolvieren.
 

Seit 1964 wird der Titel ausgespielt. Vor Johanna Kirch hatte es lediglich zwei deutsche Siege gegeben. Celina Sattelkau gewann das Turnier 2018 im East Devon GC, ein Jahr später triumphierte ihre SLR-Teamkameradin Marie Bechtold auf dem Platz von The Gog Magog. Auch einige spätere Tour-Siegerinnen haben sich in die Siegerliste eingetragen, darunter Mel Reid.
 

Der Prestbury GC liegt südlich von Manchester. Er wurde 1920 gegründet und verfügt über einen von Harry S. Colt entworfenen Platz, der von „Golf World“ und „National Club Golfer“ zu den Top 100 in England gezählt wird. Der Platz nutzt die Höhenunterschiede des hügeligen Geländes optimal aus.


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