Die knappste aller Niederlagen
Der letzte Tag einer langen und unglaublich fesselnden Mannschafts-Europameisterschaft kommt zu einem dramatischen Ende – einem Ende ohne Glück, ohne Sieg, ohne Medaille. Dennoch gibt es die starke Erkenntnis: Dieses junge deutsche Team zeigte sich stark, konzentriert und bis zum Schluss positiv. Und die Bronzemedaille war bis ganz zum Schluss zum Greifen nah.
Zunächst startete die Mannschaft um Bundestrainer Sebastian Rühl erfolgreich. Aus beiden Vierern zog das Team Siege – und zwar ungeachtet der neuen Zusammensetzung. Zunächst spielten Antonia Steiner (GC Hubbelrath) und Laetitia Leisinger (GC St. Leon-Rot) gegen Olivia Costello und Roisin Scanlon ein 3&1. Und einige Zeit später gingen Sofia Maier-Borst (GC St. Leon-Rot) und Sophie Renner (Stuttgarter GC Solitude) gegen Hannah Lee-McNamara und Kayleigh Mulholland in Führung liegend auf die 18 und entschieden auch dieses letzte Loch noch für sich – zum Endstand von 2 auf.

Gegenwind in den Einzeln
Doch am Nachmittag sortierten sich die Irinnen und die Einzel-Duelle wurden härter. Zunächst zeigte Zoe McLean Tattan (IRE) Zähne. Die Irin startete ihr Match gegen Laetitia Leisinger (GC St. Leon-Rot) stark und holte gleich die ersten fünf Bahnen. Am Ende stand ein sehr deutliches 7&6 für Irland auf dem Tableau. Doch Maya Burmann (GC St. Leon-Rot) konnte in ihrem Duell gegen Kate Dillon (IRE) kontern und erhöhte die deutsche Führung mit ihrem 4&3 erneut auf zwei Punkte. Die deutsche Mannschaft hatte nun – zumindest in der Theorie – drei Chancen, die Partie abzuschließen. Doch es sollte anders kommen.
Im dritten Einzel spürte die deutsche Lochspielmeisterin Sofia Maier-Borst (GC St. Leon-Rot) schon früh den Druck von Olivia Costello (IRE). Auch Costello drehte früh auf und lag nach den ersten fünf Bahnen 4 down. Doch die Süddeutsche kämpfte sich zurück – lag nach 14 gespielten Bahnen nur noch 1 down. Am Ende behielt die Irin jedoch die Oberhand und holte den Anschlusspunkt per 2&1. Wenig später unterlag Sophie Renner am selben Grün gegen Roisin Scanlon; auch hier lautete das Endergebnis 2&1.
Was sich über den Nachmittag hinweg abzeichnete, war nun Gewissheit: Die Partie zwischen den beiden Nationen war vollständig ausgeglichen – es stand 3:3. Das letzte noch laufende Match musste die Entscheidung bringen. Und dieses Match war nicht nur das letzte noch laufende Match im Spiel zwischen Deutschland und Irland, sondern auch das letzte noch laufende Match der gesamten Team-EM hier in Slaley Hall, England.
Ausgetragen wurde es zwischen Sophie Bingel (G&LC Berlin-Wannsee) und Hannah Lee-McNamara. Auch hier spielten die beiden Kontrahentinnen absolut auf Augenhöhe – mal lag Bingel 1 auf, mal war es ihre irische Gegenspielerin, die knapp in Führung ging. Viele Löcher wurden mit Birdie geteilt - besser kann man Golf kaum spielen. Bingel konnte spät auf der Runde von einem 1 down zu einem All Square ausgleichen. Beide spielten dann ein starkes Par an Bahn 17, um das Loch zu teilen. Es folgte ein unfassbares Birdie von Bingel an Bahn 18, um das Loch erneut zu teilen.
In dem nun anstehenden Stechen hatten beide Spielerinnen sehr gute Abschläge. Bingels Schlag ins Grün war allerdings etwa drei Meter zu lang und trifft die vielleicht härteste Stelle: der Ball geht ins kniehohe Rough. Dass Sophie Bingel den Ball überhaupt aus dem Rough bekommt, ist beinahe ein Wunder. Dieser Ball hat beinahe - aber eben auch nur beinahe - den richtigen Speed, um an der Fahne liegen zu bleiben, letztendlich bleibt er aber doch im Semirough hängen. Das war der entscheidende Punkt, denn den Spanierinnen blieben zwei saubere Putts zur Bronzemedaille.
Die Mädchen von der grünen Insel holen den Sieg im Spiel um Platz drei. 4 : 3 lautet das Endergebnis. Ein knappes Spiel in den einzelnen Duellen und auf den einzelnen Bahnen. Doch siegen kann am Ende eben nur ein Team - und dieses Glück war dem Junior Team Germany hier und heute leider nicht vergönnt.

Die Rekordmeister holen ihren zehnten Titel
Das Spiel um die Europameisterschaft wurde zwischen Spanien und Italien ausgetragen. Jedes einzelne Match wurde vorzeitig entschieden – teilweise mit deutlichen Siegen. Am Ende war jenes Team siegreich, das schon im Halbfinale das Junior Team Germany aus dem Titelrennen genommen hatte: Rekordmeister Spanien siegte gegen Italien mit 4,5 : 2,5 und holt die Meisterschaft zum nunmehr zehnten Mal!
Für das deutsche Team ist es zum Ende einer langen Woche der vierte Rang. Die Medaillenplätze hat das Junior Team Germany damit denkbar knapp verfehlt – und doch gehört diese Auswahl zu den vier besten U18-Mädchenmannschaften Europas.
Klar ist auch: Dieses deutsche Team mit seinen sechs aktiven Spielerinnen, Coach Sebastian Rühl, Physiotherapeutin Susanne Junge und Mental Coach Justin Walsh hat sich nicht nur wacker geschlagen, sondern ist mit breiter Brust und einer enormen Positivität durch dieses hochkarätige Turnier gegangen und hat unfassbar spannende Situationen erlebt und gemeistert. Allein diese Leistung ist für dieses noch junge Team aller Ehren wert.
Sophie Renner fasst den Tag in Worten zusammen: „Der Tag heute war auf alle Fälle sehr aufregend und wir haben lange gekämpft. Wir haben alle alles gegeben, und vor allem Sophie hat am Ende im Stechen wirklich noch einmal alles bis zum letzten Putt für unser Team herausgeholt. Am Ende mussten wir uns leider geschlagen geben und beenden das Turnier somit auf dem vierten Platz. Ich denke, dass wir aus der Woche sehr viel mitnehmen können. Es sind viele gute Dinge passiert und wir haben vieles gut gemacht, auch wenn es sicherlich noch etwas dauert, bis wir das realisieren können und die Enttäuschung etwas nachgelassen hat.“
Und Bundestrainer Sebastian Rühl resümiert sichtlich mitgenommen: „Letztendlich hatten wir das gleiche Schicksal wie im letzten Jahr gegen Schweden. Da haben wir um Gold gespielt, hatten auch morgens die Vierer gewonnen und am Nachmittag bekamen wir den Fuß nicht in die Tür. Heute gegen Spanien passiert uns das Gleiche. Wir können uns allerdings nicht allzu viel vorwerfen - wir haben uns top präsentiert. Unsere Putter waren die ganze Woche über ziemlich kalt und in den wirklich wichtigen Momenten haben die entscheidenden Dinge nicht gefallen.
Und dann wird es einfach schwer, gegen die Top-Mannschaften zu bestehen. Trotzdem: wir haben so einige wirklich große Mannschaften hinter uns gelassen. Da bin ich stolz drauf. Das alles mit einem Team, in dem wir viele EM-Neulinge dabei hatten. Deswegen gibt es so einige Lernchancen, die uns in der Zukunft noch stärker zurückkommen lassen. Ich bin wirklich stolz auf dieses Team und ich hätte den Mädels auch mehr gewünscht als Platz vier.“












