Zu Gast bei den Europameisterinnen
Es ist jedes Mal ein absolutes Highlight im Turnierkalender: Die Woche der Mannschafts-Europameisterschaften ist angebrochen. Für die Mädchen des Junior Team Germany bedeutet dies ein Wiedersehen mit den Finalgegnern - und Siegerinnen - des vergangenen Jahres. Wobei man es mit dem Wiedersehen tatsächlich nicht ganz wörtlich nehmen darf, denn für vier der sechs deutschen Spielerinnen ist dieses Turnier eine Premiere. Lediglich Antonia Steiner (GC Hubbelrath) und Sofia Maier-Borst (GC St. Leon-Rot) waren im Vorjahr bereits dabei. Als Trainerstab sind Bundestrainer Sebastian Rühl, Physiotherapeutin Susanne Junge und Mental Coach Justin Walsh nach England gereist und begleiten die Junior-Bundesadler. Auf dem Platz werden die deutschen Farben vertreten von:
- Sophie Bingel (G&LC Berlin-Wannsee)
- Maya Burmann (GC St.Leon-Rot)
- Laetitia Leisinger (GC St.Leon-Rot)
- Sofia Maier-Borst (GC St.Leon-Rot)
- Sophie Renner (Stuttgarter GC Solitude)
- Antonia Steiner (GC Hubbelrath)
Deutsches Team mit Edel-Ersatztrainer
Eigentlich sollte Coach Sebastian Rühl gar nicht hier sein. Denkbar kurzfristig ist er für Esther Poburski eingesprungen. Und obwohl er quasi kalt von der Ersatzbank kommt, ist er genau hier in seinem alten Element. Das Turnier selbst erstreckt sich über volle fünf Tage, dennoch sind gleich die beiden ersten Tage von entscheidender Bedeutung. Warum das so ist, erfahren Sie weiter unter im Abschnitt Turniermodus und Ablauf. Das deutsche Team kann zum Auftakt jedenfalls auf ein erfülltes Soll zurückblicken, denn mit 374 Schlägen (+4) Platz sechs im Gesamtranking und 15 Schlägen Abstand zu Rang neun haben sie ihr Glück ganz und gar selbst in der Hand.
Das Maß aller Dinge gibt das starke französische Team vor. Es steht mit 360 Schlägen und sagenhaften 10 Zählern unter Par an der Spitze. Gleich vier der sechs Spielerinnen bleiben unter dem Platzstandard. Dieselben vier sorgen dafür, dass die Top Ten der Einzel-Wertung eine äußerst starke französische Prägung haben. Sie werden gefolgt von den Gastgeberinnen aus England mit 367 Schlägen (-3), bei denen Laura Crump sogar ein Hole in One gelungen ist. Die Tschechische Republik steht mit 370 Zählern und Even Par auf Rang drei. Die jungen Schwedinnen liegen schlaggleich - aber mit höherem Streichergebnis - auf Platz vier.
Im deutschen Team konnte Sophie Renner (Stuttgarter GC Solitude) mit 73 Schlägen (-1) den stärksten Score abgeben. Maya Burmann (GC St.Leon-Rot) und Clubkollegin Sofia Maier-Borst (GC St.Leon-Rot) sicherten ihrem Team jeweils Parrunden (74 Schläge). Die dritte Jungwölfin, Laetitia Leisinger (GC St.Leon-Rot), brachte dank ihrer disziplinierten Back Nine eine 76 (+2) in das Mannschaftsergebnis ein.
So viel Glück hatte Sophie Bingel (G&LC Berlin-Wannsee) nicht. Auf den ersten Neun blieb die deutsche Schluss-Spielerin zwar sogar unter Par, musste dann jedoch ganze fünf Schlagverluste auf den zweiten Neun verbuchen und konnte dem lediglich ein Birdie entgegensetzen. 77 Schläge (+3) heißt es für sie. Unglücklich kam die wettkampfstarke Antonia Steiner (GC Hubbelrath) zurück ins Clubhaus. Bis zur 13. Bahn war sie Even Par unterwegs, musste dann jedoch an den Bahnen 13 und 15 jeweils Triple Bogeys notieren. Da ist selbst das Birdie zum Abschluss nur ein schwacher Trost für die ambitionierte Hubbelratherin. Ihr Score bleibt an diesem Tag das Streichergebnis der Deutschen.
Harmonie als Erfolgsrezept
Zu diesem Zeitpunkt im Turnier ist für die deutsche Mannschaft in erster Linie die gesunde Distanz zu Rang neun wichtig. Denn nur die besten acht Mannschaften spielen ab dem dritten Turniertag noch um die eigentliche Meisterschaft. Da sieht der Bundestrainer sein Team voll auf Kurs. Und Rühl beschreibt seine Truppe für England: „Die Stärke unseres Teams liegt im Teamgeist. Jeder Charakter kann mit jedem sehr gut umgehen. Du kannst die Zimmeraufteilung oder auch die Flighteinteilung beliebig vornehmen – es wird immer harmonisch funktionieren.
Das allein ist eine außergewöhnliche Stärke, denn gerade in dieser Woche kommt es noch mehr auf das Miteinander an als sonst. Es ist einfach unglaublich wertvoll, wenn man eine Gruppe hat, die so eng zusammenarbeitet, offen kommuniziert und eine positive Körpersprache zeigt. Das konnten wir bereits in den Vorbereitungstagen unter Beweis stellen.“
Nach der Fokussierung gefragt, antwortet Rühl: „Wir befinden uns natürlich noch im Aufbau. Und es ist klar: Wenn wir uns auf die Dinge konzentrieren, die letztlich zum Erfolg führen sollen – und wenn man auf dem Weg dorthin prozessorientiert arbeitet –, dann wird der Erfolg genau daraus entstehen. Würdest du nur auf das Ergebnis schauen und dich nicht um die Schritte kümmern, die dorthin führen, wirst du wenig Erfolg haben. Bei uns steht der Prozess im Mittelpunkt.
Für die Mädels ist dieses Turnier ein wichtiger Meilenstein in ihrer golferischen Karriere – nicht unbedingt, weil es über etwas Weiteres entscheidet, sondern weil es ein großer Baustein ist, um sich auf dieser großen Bühne mit all den starken Gegenspielerinnen zu messen, neue Erfahrungen zu sammeln und sich weiterzuentwickeln. Deshalb freue ich mich über jede unserer Spielerinnen, die die EM-Qualifikation geschafft hat und die Chance bekommt, sich hier präsentieren zu können.“
Slaley Hall - Augusta des Nordens
Dabei findet das Turnier auf einer ganz besonderen Anlage statt: Der „The Hunting“ Course in Slaley Hall, Northumberland, gilt als einer der renommiertesten Meisterschaftsplätze Englands und wird nicht selten als das „Augusta des Nordens“ bezeichnet. Der von Dave Thomas entworfene Platz spielt sich für die Mädchen als Par-74-Anlage und beeindruckt durch eine abwechslungsreiche Mischung aus dichten Kiefernwäldern, offenen Moorlandschaften und klassischem Parkland. Im Sommer sorgen blühende Rhododendren und Kirschbäume für farbenfrohe Akzente, während das hügelige Gelände, zahlreiche Wasserhindernisse und strategisch platzierte Bunker für sportliche Herausforderungen sorgen.
Die Fairways sind großzügig angelegt, verlangen aber durch ihre Topografie und die vielen natürlichen Hindernisse ein präzises und taktisch kluges Spiel. Die Grüns sind groß, stark onduliert und sehr schnell – hier ist ein feines Händchen beim Putten gefragt. Präzise Abschläge, taktische Annäherungen und ein sicheres Kurzspiel sind auf diesem Platz unerlässlich, um einen guten Score zu erzielen. Der „The Hunting“ Course war bereits mehrfach Austragungsort bedeutender internationaler Turniere, darunter Events der European Tour und European Seniors Tour, und hat zahlreiche bekannte Sieger hervorgebracht.
Bundestrainer Sebastian Rühl ist von dem Meisterschaftsplatz begeistert: „Die Anlage hier ist sensationell – ein großes Kompliment an England Golf, die diesen Parkland-Kurs ausgewählt haben, der auch zu European-Tour-Zeiten mehrfach Austragungsort war. Präzision vom Tee ist hier der Schlüssel und deutlich wichtiger als Länge. Aber auch die Schlaglänge ins Grün und das Treffen der richtigen Plateaus sind entscheidend. Die Grüns sind verhältnismäßig hart und schnell – trotz des Regens gestern.
Und sie können eben auch noch schneller gemacht werden. Deshalb versuchen wir, uns möglichst oft Uphill-Putts mit wenig Break zu erarbeiten. Das ist eine wichtige strategische Herausforderung, und wenn uns das gelingt, werden die Putts ein wenig einfacher und die Lochquoten besser. Unser Gameplan steht – wir sind gut vorbereitet, alle sind gesund und munter, und genau in dieser Situation freuen wir uns auf das Turnier und die kommenden Tage.“

Turniermodus und Ablauf
Im Rahmen der Mannschafts-Europameisterschaften der U18-Mädchen treten in diesem Jahr 18 Nachwuchs-Nationalmannschaften gegeneinander an. Das Turnier findet vom 8. bis 12. Juli (Dienstag bis Samstag) statt. Parallel dazu werden die Team-EMs der Männer, Damen und Jungen ausgetragen. Zusätzlich gibt es Wettbewerbe der Division 2, die den Männer- und Jungenmannschaften die Möglichkeit bieten, in die erste Division aufzusteigen.
Jede Mädchen-Mannschaft besteht aus sechs Spielerinnen. Die fünf Turniertage sind klar strukturiert: An den ersten beiden Tagen stehen zwei Runden Zählspiel-Qualifikation auf dem Programm. Für das Mannschaftsergebnis werden jeweils die fünf besten Einzelergebnisse gewertet, das jeweils schlechteste Resultat wird gestrichen. Nach der Zählspiel-Phase qualifizieren sich die besten acht Teams für den sogenannten „Flight A“, in dem der Europameistertitel und die Top-Platzierungen ausgespielt werden. Die folgenden acht Teams treten im „Flight B“ an, die übrigen Teams bilden „Flight C“.
An den drei darauffolgenden Tagen wird im Matchplay-Format gespielt. Vormittags stehen jeweils zwei Vierer-Partien, nachmittags fünf Einzel auf dem Programm. Im Viertelfinale trifft das bestplatzierte Team der Zählspiel-Qualifikation auf das achtplatzierte, das zweitbeste auf das siebtplatzierte usw. Die Siegerinnen rücken in ihrer Gruppe vor und spielen weiter um den Titel.
Teams, die im Viertelfinale oder Halbfinale unterliegen oder keine Chance mehr auf Medaillen haben, spielen das Turnier in einem vereinfachten Modus zu Ende: Hier werden nur noch ein Vierer und vier Einzel ausgetragen, um die endgültigen Platzierungen zu bestimmen. Wer Europameister werden möchte, muss sich zunächst für Flight A qualifizieren und anschließend alle drei Matchplay-Runden für sich entscheiden. Bei den Herren- und Jungenturnieren gilt zudem: Die letzten drei Teams steigen ab und starten in der nächsten Saison in Division 2.
Historie und Rekorde
Die Mannschafts-Europameisterschaft der Mädchen wird seit 1991 jährlich ausgetragen - stets kämpfen zirka 20 Teams um den Titel. Das Format ist dabei stets gleich geblieben: Zwei Tage Zählspiel, gefolgt von drei Tagen Matchplay. Spanien ist mit neun Titeln die erfolgreichste Nation, gefolgt von Schweden (acht Siege) und Frankreich (vier Siege). Zu den bekanntesten ehemaligen Teilnehmerinnen zählen Suzann Pettersen, Anna Nordqvist, Caroline Masson, Carlota Ciganda, Charley Hull, Pernilla Lindberg, Georgia Hall, Céline Boutier, Madalene Sagström, Sophia Popov, Mel Reid, Matilda Castren, Leona Maguire, Nanna Koerstz Madsen, Maja Stark, Linn Grant und Jessica Korda.









