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Die Podestplatzierten bei den Jungen: Aaron Moody, Johann Mons und Christian Photin | © DGV/ Tiess

Dänischer Sturm und deutscher Sieg

Der Weg zum Titel

Die Finalrunde beginnt aus Sicht des Führenden Youp Orsel (NED, Real Guadalhorce) denkbar schwierig: Der Niederländer, der mit vier Schlägen Vorsprung in den Schlusstag startete, notiert früh ein Doppelbogey und bringt sich damit selbst aus dem Rhythmus. Während Orsel um Stabilität kämpft, setzen andere erste Ausrufezeichen: Cole Self (ENG) startet mit Birdie‑Birdie, Noah Westh‑Buske (DEN) sogar mit drei Birdies in Serie, und Christian Photin (DEN) legt mit einem Eagle‑Start und späterem Birdie‑Feuerwerk eine spektakuläre Runde hin. Schon früh bildet sich an der Spitze ein regelrechter Pulk: zeitweise lagen acht Spieler innerhalb von nur zwei Schlägen Abstand zur Führung.

 

Mons bleibt in diesem Getümmel auffallend ruhig. Der Hamburger agiert vom Tee erneut sehr stabil, nutzt seine Chancen auf dem Grün besser als an den Vortagen und setzt an Bahn 6 mit einem Eagle ein erstes Ausrufezeichen. Während einige Konkurrenten zu kämpfen haben, spielt Mons sein Programm konsequent zu Ende. Mit seiner zweiten 68 in Folge bringt er ein Gesamtergebnis von acht unter Par ins Clubhaus. Das kann am Ende keiner mehr kontern. Orsel fällt nach seiner 77 (+5) am Ende sogar auf den geteilten vierten Rang zurück.

 

„Natürlich fühlt man sich sehr glücklich“, sagt Mons. „Ich bin mit einer Wildcard in dieses Turnier gekommen, allein das hat mich schon gefreut – hier überhaupt mitspielen zu dürfen. Dann über 54 Löcher so gutes Golf zu spielen und am Ende zu gewinnen, macht das Ganze natürlich noch einmal besonders.“ Tiefe Handicaps und große Namen im Leaderflight schrecken ihn dabei nicht: „Ich wusste, dass es schwer wird. Youp kannte ich, mit ihm habe ich früher schon gespielt und ich weiß, dass er viel Erfahrung hat. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass ich vorne liege, habe aber gar nicht ins Livescoring geguckt. Ich habe mein Golf weitergespielt und an der 18 strategisch gut agiert.“ Ein Schlüssel war sein Eagle, der das Kräfteverhältnis im Flight spürbar drehte und ihm entscheidende Schläge Vorsprung verschaffte.

Die Medaillengewinner

Hinter Mons sichert sich Christian Photin (DEN) mit der tiefsten Runde des Turniers die Silbermedaille. Nach 74 und 70 Schlägen zündet der Däne am Finaltag ein Feuerwerk und unterschreibt eine 66 (-6), die ihn noch auf insgesamt 6 unter Par (210 Schläge) nach vorne katapultiert. Photin startet mit einem Eagle und bleibt anschließend nahezu pausenlos im Angriffsmodus, verpasst den ganz großen Coup am Ende aber knapp. Das Kuriose an der Sache: Photin startete von T14 aus in die Finalrunde - er spielte ganze vier Flights vor der Führungsgruppe.

 

„Ich bin sehr glücklich“, sagt Photin. „Auf der 18 habe ich mir gesagt: Wenn ich den Ball einfach im Spiel halte, kann ich das hier vielleicht gewinnen. Dann mache ich am letzten Loch das Par, sitze danach im Clubhaus und warte auf die letzte Spielgruppe. Für den Sieg hat es nicht ganz gereicht – aber auf das Ergebnis bin ich eher stolz als enttäuscht. Ich bin zufrieden damit, wie ich heute mit allem umgegangen bin.“ Zum Faldo Course hat er ein klares Bild: „Eigentlich passt ein Links‑Course gar nicht so richtig zu meinem Spielstil. Aber der Platz ist vom Tee extrem eng, deshalb habe ich kaum Driver geschlagen, sondern viele Hölzer und mein Eisen 4 – einfach um den Ball im Spiel zu halten, weil das Rough so hoch und dicht ist. Ich weiß, dass meine Annäherungen meine Stärke sind – wenn ich den Ball im Spiel halte, bin ich hier gut dabei.“

 

Bronze geht an Aaron Moody (ENG), der nach Runden von 72, 69 und 71 Schlägen bei insgesamt 212 Schlägen (-4) landet. Moody spielt das Turnier von vorne bis hinten auf hohem Niveau, kann auf der Finalrunde aber nicht mehr ganz in den Zweikampf um den Titel eingreifen und verteidigt am Ende souverän seinen Platz auf dem Podium. Randnotiz: Da das Livescoring in Moodys Spielgruppe nur sehr unvollständig geführt wurde, lag hier während der Runde ein gewisses Überraschungspotenzial.

Deutsche Spieler im Fokus

Aus deutscher Sicht ist die Meisterschaft ein starker Erfolg – dabei war sogar noch mehr drin. Neben Sieger Mons platzieren sich mit Fredrick Adolf (GC Rheinhessen), Fabian Buhl (GC München‑Aschheim), Tim Nachtwey (GC Neuhof), Tim Maximilian Brohl (GC Rhein‑Sieg) und Maximilian Franck (GC Bayreuth) gleich fünf weitere DGV‑Spieler in den Top Ten. Adolf teilt sich mit Orsel Rang T4 bei 213 Schlägen (-3) und bestätigt damit sein starkes Niveau aus den ersten beiden Tagen. Allerdings: zufrieden war der Hesse nicht. Sichtbar verärgert war er über seine Bogeys an den Bahnen 13 und 17. Fabian Buhl spielt sich mit einer fehlerfreien 69er‑Finalrunde von hinten in die Spitzengruppe und landet wie Nachtwey, Brohl und Franck auf dem geteilten zehnten Rang bei insgesamt 216 Schlägen (Even Par). 

 

Auch dahinter zeigen die deutschen Jungen Präsenz: Michael Mayer (GC Am Habsberg) beendet das Turnier auf T16 (218, +2) – ohne die späten Schlagverluste hätte sein Ergebnis sogar noch deutlich besser ausfallen können. David Süntzenich (GC Hubbelrath) teilt diesen Rang nach zwei stabilen 70er‑Runden am Wochenende. Ihm wird letztendlich seine Auftaktrunde (78, +6) zum Verhängnis. Lauro Merten (GC Hubbelrath) landet auf T21, während weitere DGV-Spieler im Mittelfeld wertvolle internationale Erfahrung sammeln.

 

Auch bei den Mädchen geht der Sieg an eine deutsche Spielerin: Lily Reitter vom GP Gerolsheim. Das sorgt für gute Stimmung in der Sportabteilung des Verbandes. „Ein bisschen Lokalpatriotismus legt man natürlich an den Tag, auch wenn der Wunsch auf einen deutschen Sieg nicht jedes Mal klappt“, sagt Marcus Neumann, Vorstand Sport des DGV. „Es ist gut, wenn ein Leaderboard nicht nur schwarz‑rot‑gold ist, sondern schön international. Aber ein Schwarz‑rot‑gold dazwischen sollte schon sein – und dieses Mal sind wir sogar zweimal ganz oben. Das macht uns natürlich stolz. Wir haben demnächst Europameisterschaften, und wenn das kein guter Auftakt ist, weiß ich auch nicht.“

 

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Schlaglichter der Meisterschaft

Neben der Titelentscheidung sorgten besondere Momente für zusätzliche Farbe. Schon am Vortag hatte der Franzose Rafael Amiel mit einem Hole‑in‑One an Bahn 17 und Malte Seidemann (GC Hubbelrath) mit einem Albatros aus 220 Metern an Bahn 1 die spektakulärsten Schläge des Turniers geliefert. Am Finaltag knüpfte Christian Photin mit seinem Eagle‑Start und der 66 an diese Highlight‑Serie an und unterstreicht, welche Scoring‑Möglichkeiten der Faldo Course trotz seiner Härte bietet.

 

Auch der Verlauf der Schlussrunde zeigt, wie eng es an der Spitze zugeht: Nach wenigen Löchern liegen zeitweise acht Spieler innerhalb von zwei Schlägen, dazu ein Leaderboard, das permanent in Bewegung ist. Der frühe Doppelbogey‑Ausrutscher von Orsel, die Birdie‑Feuerwerke von Self und Westh‑Buske sowie die Eagle‑Momente von Mons und anderen machen die Finalrunde zu einem echten Krimi, der erst auf den letzten Löchern entschieden wird.
 

Ein Blick in die Zukunft

Mit Johann Mons als Sieger, einem dänischen Vize‑Champion und einem englischen Drittplatzierten präsentiert sich das Podium so international, wie es sich die Gastgeber wünschen – und zugleich so „schwarz‑rot‑gold“, wie es sich Marcus Neumann und die Bundestrainer erhoffen. Die deutschen Jungen beweisen vor heimischem Publikum, dass sie im europäischen Vergleich nicht nur mithalten, sondern um den Titel mitspielen können.

 

Für viele der Teilnehmer ist Bad Saarow ein wichtiger Baustein im internationalen Kalender – mit Blick auf Europameisterschaften, Ranglisten und mögliche Einsätze in den kontinentalen Teamwettbewerben. Die German International Amateur Championship Boys & Girls bestätigt damit einmal mehr ihren Status als Top‑Event im europäischen Nachwuchsgolf – und Bad Saarow als idealen Gastgeber. Mit den Meisterschaftsplätzen von Faldo und Palmer, einem bestens organisierten Umfeld und durchweg positivem Feedback von Spielern und Betreuern hat sich das Resort erneut empfohlen. 

 

Auch DGV‑Vorstand Sport Marcus Neumann betont, dass der Wunsch aus dem Feld der Athleten, Athletinnen und Betreuer, „bitte nächstes Jahr wieder nach Bad Saarow zu kommen", unüberhörbar gewesen sei. Die Aussichten stehen gut, dass der Scharmützelsee auch 2027 wieder Bühne für Europas beste Nachwuchsgolferinnen und ‑golfer wird.

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