Rendez-vous mit Les Grandes Dames
Morfontaine, Chantilly, Fontainebleau und St. Germain. Das sind die Klassiker auf der Landkarte des französischen Golfsports. Und: Sie gehören mit zum Besten, was Frankreich Golfern zu bieten hat, auch wenn der Ryder Cup 2018 in Le Golf National stattfand.
Ryder Cup hin oder her – an der Position von Morfontaine als Kontinentaleuropas bestem Golfplatz kann Le Golf National nicht rütteln. Der 1927 eröffnete 18-Löcher-Platz, der in zahlreichen Rankings immer wieder als Spitzenreiter geführt wird, trägt den Namen „Grand Parcours“ und wurde erst 14 Jahre nach dem Neun-Löcher-Platz namens Valiére eröffnet. Der kleinere Bruder gilt allerdings als Geheimtip. Wer es einmal nach Morfontaine schafft, sollte sich die neun Löcher nicht entgehen lassen.
Tom Simpson, der vor Morfontaine bereits 1909 mit dem Vineuil Course in Chantilly und dem Platz von Fontainebleau seine zwei ersten 18-Löcher-Plätze in Paris fertiggestellt hatte, sah sich immer nicht nur als Golfplatz-Designer sondern gerne auch als Landschaftskünstler. Geschaffen hat er sowohl in Morfontaine als auch in Fontainebleau eine einmalige Atmosphäre. Das „Chaos de Grès“, wie die Franzosen es bezeichnen – eine völlig willkürliche Ansammlung riesiger Sandsteine, gibt beiden Plätzen einen sehr eigenen Charakter. Gepaart mit Heideflächen, enormen Farnwäldern und riesigen Pinien vermitteln die Plätze, die jeweils in leicht hügeligem Gelände liegen, den Eindruck, man spiele sich durch eine Welt jenseits der heutigen Zivilisation.
Morfontaine – elitär und abgeschieden
Von Moderne ist auf beiden Anlagen – einmal abgesehen vom Greenkeeping-Equipment ohnehin keine Spur. Man pflegt vielmehr das historische Ensemble – vor allem im Clubhaus und in der Gastronomie. Wobei an dieser Stelle hinzugefügt werden muss, dass es kaum ein Golfer schafft, überhaupt bis ins Clubhaus von Morfontaine vorzudringen. Der Club gilt als einer des elitärsten Europas, nur zugänglich auf Einladung von Mitgliedern. Ausnahmen werden so gut wie nie gemacht – auch für Franzosen nicht. Öffnet sich die schmiedeeiserne Einfahrt dann doch, wird der Weg frei zu einer bizarren Mischung aus Einfachheit und Exklusivität. Garderoben und Proshop sind minimalistisch, die Einrichtung im Clubhaus ist definitiv antiquarisch, die Driving Range frei von jeglichem Schnickschnack. Exklusivität bedeutet hier erstklassige Qualität beim Greenkeeping, bei der Anlage der Löcher, in der Qualität der Gerichte in der Gastro, bei den Grüns. Den 27 Löchern zu verfallen, fällt nicht schwer. Sie sind herausragend. Ein Glückwunsch an jene wenigen hundert Mitglieder, die sie ständig spielen können.
Fontainebleau – imposant und zugänglich
Die zugängliche Alternative ist der GC Fontainebleau, bei dem die riesigen Sandsteine schon am markanten ersten Loch ins Auge fallen. Von da an wird die Runde ein interessanter Parkland-Ausflug, bei dem vor allem die Bunkerlandschaften und die Grünformationen ins Auge fallen. Getrieben von anderen Golfern fühlt man sich auch auf dieser Runde nie. Wer in Morfontaine mit hoher Wahrscheinlichkeit 18 Löcher keinem anderen Mitspieler begegnet, trifft in Fontainebleau vielleicht zwei Dutzend Golfer auf den Tag verteilt. Auch das ist entspannt.
Chantilly – sportlich und offen
Golf de Chantilly, allein zehnmal Austragungsort der French Open, gibt sich weniger elitär als die anderen Simpson-Plätze. Hier ist die Atmosphäre sportlicher, der Umgang weniger reserviert, alles ein wenig offener und freier. Das passt zur ganzen Platzgestaltung: Von der Terrasse aus hat der Besucher fast ein Drittel der insgesamt 36 Löcher in irgendeiner Form im Blick. Wer nach einer Runde auf dem höher bewerteten Vineuil-Platz noch 18 Löcher nachlegen will, findet mit dem Kurs Longères einen Kurs, der zwar kürzer ist, mit sehr welligen Grüns und wirklich engen Fairways aber ebenso zur Herausforderung wird.
Das Trio von Tom Simpson liegt jeweils außerhalb von Paris – Morfontaine und Chantilly sind dabei nur 15 Minuten voneinander entfernt. Mit ihrer Nähe zum Chateau de Chantilly, in dem sich Frankreichs zweitgrößte Sammlung antiker Gemälde befindet, und der guten Erreichbarkeit des Flughafens in 20 Minuten bietet sich für Golfer die Kombination mit einem Kulturprogramm an. Kaum verhindern lässt sich auch ein erstes Kennenlernen mit dem Pferdesport in seinen unterschiedlichen Ausprägungen. In Chantilly liegt das größte Trainingszentrum für Vollblüter in Europa. Der Sandboden der Region war eben nicht nur für den Golfsport geeignet. Bei einer Runde auf Chantillys Longères Platz hört man die Pferde übrigens ab und an – direkt daneben, nur durch den Waldsaum verdeckt, liegt ein Polofeld. Aber auch eine Begegnung mit Jockeys, die hier trainieren, ist an der Tagesordnung.
Saint Germain – ein Harry Colt-Platz im Quartett
Fußballfans dürfte dabei der Name Saint Germain ins Schwärmen bringen. Ja PSG, das weltbekannte Team, kommt aus Saint-Germain, allerdings sind die Trainingsplätze der Profi-Mannschaft vor einigen Jahren nach Poissy verlegt worden. Im alten Stadion, das nicht weit weg vom Golfplatz in Saint Germain liegt, sieht man nur noch die Spieler des Frauen- und der Jugendteams.
Weshalb man die Zeit dann doch dafür nutzt, alle 27 Löcher von Golf de Saint Germain zu spielen. Es ist die zentralste der vier Golfanlagen und deshalb auch die vollste. Vergleichsweise nah aneinander verlaufen die Bahnen, die der Brite Harry Colt, einer der Superstars der Golfplatz-Architektur, hier ins Gelände gezogen hat. Erhöhte, gut ondulierte Grüns, strategisch erstklassig platzierte Bunker und dazu reichlich Bäume und Hecken – einfach fällt auch hier ein guter Score nicht.
Die Positionierung in der Innenstadt macht dem Club derzeit ein wenig zu schaffen. Die Eisenbahnschienen, die durch das Gelände verlaufen, waren Jahrzehnte nicht in Betrieb, längst zugewuchert. Jetzt hat die Pariser Regierung beschlossen, sie im Zuge des Ausbaus des öffentlichen Nahverkehrs zu reaktivieren. In Zukunft werden mehrmals pro Tag die Züge entlang der Spielbahnen fahren. Lange hat sich die Mitgliedschaft des Clubs dagegen gewehrt – und am Ende den Kürzeren gezogen. Schließlich wurde auch auf dem Grundstück von Le Golf National ein Stück für den Neubau einer Metro-Station abgezwackt.
Die Metropole Paris wächst eben in alle Richtungen, wird im Zentrum immer enger. Der Großraum Paris zählt mehr als zwölf Millionen Menschen, Bürokomplexe, ein Wirrwarr aus Autobahnen, Brücken, Tunneln und Metro-Stationen. Die Taktzahl, in der sich die Stadt – einmal abgesehen von der Ferienzeit im Juli und August bewegt – ist hoch. Ein Kontrastprogramm liefern die vier Golfplätze, die sich hinter schmiedeeisernen Toren verstecken. Wer Les Grandes Dames besucht, taucht zumindest für einen Tag ein in eine andere Zeit. Golf erlebt er dabei trotzdem auf höchstem Niveau.
Infos:
- Morfontaine ist für Gäste eigentlich nicht zugänglich. Alle anderen Clubs schon. Voranmeldung ist allerdings notwendig und auch das Handicap muss passen. Unter 36 bei den Damen und unter 28 bei den Herren ist das Minimum. Die Verwendung von Elektro-Carts ist nicht üblich und zum Teil auch nur mit Attest erlaubt. Trolleys können überall gemietet werden.
- Die Küche ist in allen Fällen hervorragend. Allerdings ist die Club-Küche in allen Fällen nur bis etwa 17 Uhr geöffnet. Warme, größere Speisen werden nur bis zirka 14.30 Uhr serviert. Danach gibt es eine kleine Karte mit Snacks.
- Schnelles Spiel ist Kult: Stellen Sie sich auf 18 Löcher in unter vier Stunden ein, wenn es voll ist. Allerdings sind die Plätze bis auf Saint Germain in der Regel relativ leer, so dass man es dann auch langsamer angehen lassen kann.
- Kein Platz für Handys und Zigaretten. Telefonieren im Clubhaus und auf dem Golfplatz ist in allen Fällen verboten. Rauchen im Freien ebenfalls, seitdem Frankreich im vergangenen Sommer ein entsprechendes Gesetz erlassen hat.
- Greenfee-Preise: Morfontaine Golf Club (ca. 100-200 Euro (nur auf Einladung eines Mitglieds), 27 Löcher, Architekt Tom Simpson), Golf de Chantilly (ca. 140 Euro Vineuil Kurs (Mo-Fr, Donnerstag geschlossen), 36 Löcher, Architekt Tom Simpson), Golf Club Fontainebleau (ca. 150 Euro (Mo-Fr, Dienstag geschlossen), 18 Löcher, Architekt Tom Simpson), Golf de Saint Germain (ca. 140 Euro (Grand Parcours, Di-Fr), 27 Löcher, Architekt Harry Colt).






