Location-Check: Royal Lytham & St. Annes – AIG Womens Open
Royal Lytham & St. Annes entspricht auf den ersten Blick nicht unbedingt dem klassischen Bild eines großen Links Courses. Das Meer ist vom Platz kaum zu sehen, Wohnhäuser umgeben weite Teile der Anlage und entlang mehrerer Bahnen verläuft eine Eisenbahnstrecke. Doch sobald der Wind von der Irischen See über das flache Gelände zieht und die ersten der insgesamt 174 Topfbunker ins Spiel kommen, bleiben kaum Zweifel: Dieser Platz gehört zu den anspruchsvollsten und traditionsreichsten Championship Links der Welt.
In der letzten Juliwoche gastiert die AIG Womens Open bereits zum sechsten Mal in Royal Lytham. Zugleich feiert das letzte Damen-Major des Jahres seine 50. Austragung. Zuletzt gewann hier 2018 die Engländerin Georgia Hall ihren ersten Major-Titel.
Historie
Der Royal Lytham & St. Annes Golf Club wurde 1886 gegründet. Der heutige Platz entstand ab 1897 unter der Leitung des damaligen Club Professionals George Lowe. Harry Colt nahm später wesentliche Veränderungen am Layout vor und prägte damit jene strategische Struktur, die bis heute erhalten geblieben ist.
1926 wurde Royal Lytham erstmals Austragungsort von The Open Championship. Bobby Jones gewann das Turnier und sorgte auf der 17. Bahn für einen der berühmtesten Schläge der Golfgeschichte: Aus schwierigem Sandgelände traf er das Grün mit einem Mashie und legte damit den Grundstein für seinen Sieg.
Insgesamt wurde The Open bislang elfmal in Royal Lytham ausgetragen. Zu den Siegern zählen neben Jones unter anderem Gary Player, Tony Jacklin, Seve Ballesteros, Tom Lehman, David Duval und Ernie Els. 2028 kehrt das älteste Major zum zwölften Mal auf die Fylde Coast zurück. Darüber hinaus war der Club zweimal Gastgeber des Ryder Cups und Austragungsort zahlreicher weiterer bedeutender Meisterschaften.
Auch die Geschichte der Womens Open ist eng mit Royal Lytham verbunden. Sherri Steinhauer gewann hier zweimal, außerdem triumphierten Annika Sörenstam, Catriona Matthew und Georgia Hall.
Design und Entwicklung
Royal Lytham ist ein Links Course ohne unmittelbaren Meerblick. Das Gelände liegt einige Hundert Meter von der Küste entfernt und wurde im Laufe der Jahrzehnte von der Stadt umschlossen. Häuser, Straßen und die Bahnlinie bilden eine ungewöhnliche Kulisse, nehmen dem Platz aber nichts von seinem typischen Links-Charakter.
Der feste Boden, die natürlichen Bodenwellen und der Wind sorgen dafür, dass der Ball oft flach gehalten werden muss. Die prägende Besonderheit sind die 174 strategisch platzierten Topfbunker. Sie liegen nicht nur rund um die Grüns, sondern schneiden auch quer durch zahlreiche Fairways und bestimmen die ideale Spiellinie vom Abschlag.
Das Layout verlangt daher weniger spektakuläre Länge als vielmehr präzise Planung. Wer offensiv spielt, kann sich bessere Winkel auf die Grüns eröffnen, bringt dabei jedoch häufig mehrere Bunker gleichzeitig ins Spiel. Der sichere Weg ist meist länger und lässt schwierigere Annäherungsschläge zurück.
Ungewöhnlich ist bereits der Auftakt: Royal Lytham beginnt als einziger klassischer Open-Schauplatz mit einem Par 3, das von fünf Bunkern verteidigt wird. Statt eines entspannten Eröffnungsabschlags wartet somit sofort ein anspruchsvoller Eisenschlag.
Signature Holes
- Loch 1 – Par 3: Ein Par 3 als erste Bahn eines Major-Platzes ist eine absolute Ausnahme. Das Grün wirkt zwar auf den ersten Blick vergleichsweise unkompliziert, wird jedoch von fünf Bunkern eingerahmt. Bereits der erste Schlag der Runde verlangt daher eine klare Entscheidung bei Schlägerwahl und Flugkurve.
- Loch 17 – Par 4: Die 17. Bahn ist eines der historisch bedeutendsten Löcher von Royal Lytham. Hier schlug Bobby Jones 1926 seinen berühmten zweiten Ball aus schwierigem Sand auf das Grün. Eine Plakette erinnert bis heute an diesen Moment. Auch sportlich bleibt das Loch anspruchsvoll: Das enge Fairway wird von zahlreichen Bunkern flankiert, wodurch die Position des Abschlags entscheidend für den zweiten Schlag ist.
- Loch 18 – Par 4: Das Schlussloch führt direkt auf das markante rote Clubhaus zu. Zwei schräg verlaufende Bunkerlinien bestimmen den Abschlag, anschließend wartet der Schlag auf das längste Grün des Platzes. Die Bühne ist spektakulär, die Aufgabe bis zum letzten Putt anspruchsvoll.
Club, Aufenthalt und Zugang
Royal Lytham & St. Annes ist ein traditionsreicher Mitgliederclub, steht aber auch Gastspielern offen. Der Besuch ist stärker formalisiert als bei gewöhnlichen Resort-Plätzen und sollte entsprechend früh geplant werden.
Eine Besonderheit ist das historische Dormy House direkt auf dem Clubgelände. Das 1911 eröffnete Gästehaus zählt zu den wenigen Übernachtungsmöglichkeiten innerhalb eines Open-Austragungsortes. Von einigen Zimmern reicht der Blick direkt auf das 18. Grün – ein Privileg, das nur wenige Golfclubs bieten.
Ebenso traditionsreich präsentiert sich das Clubhaus. Zum Dinner gilt bis heute Jacket & Tie, ganz im Stil britischer Golfclubs. Gerade diese Mischung aus gelebter Tradition, persönlicher Gastfreundschaft und großer Golfgeschichte macht einen Aufenthalt in Royal Lytham & St. Annes zu einem besonderen Erlebnis – weit über die eigentliche Golfrunde hinaus.
Der Platz liegt südlich von Blackpool und ist von Manchester aus mit dem Auto in rund 75 bis 90 Minuten erreichbar. Die Region eignet sich zudem hervorragend für eine klassische Links-Reise. Royal Birkdale, Hillside, Southport & Ainsdale und Formby liegen entlang der England’s Golf Coast in vergleichsweise geringer Entfernung. Royal Lytham kann damit sowohl als einzelnes Highlight als auch als Bestandteil einer mehrtägigen Golfreise gespielt werden.
Location Score
- Architektur:9/10
Ein Meisterwerk klassischer Links-Architektur. Die 174 strategisch platzierten Topfbunker, das ungewöhnliche Opening mit einem Par 3 und das kompromisslose Design machen Royal Lytham zu einem der faszinierendsten Championship Courses der Welt. - Dramaturgie:9/10
Kaum ein Platz erzählt so viele Geschichten. Vom ersten Abschlag bis zum Finish vor dem ikonischen Clubhaus bietet Royal Lytham einen perfekten Spannungsbogen – inklusive legendärer Open-Momente von Bobby Jones bis Ernie Els. - Amateur-Tauglichkeit:8/10
Royal Lytham ist extrem anspruchsvoll, aber niemals unfair. Wer strategisch spielt und den Driver nicht auf jeder Bahn auspackt, kann den Platz genießen. Die vielen Topfbunker verzeihen allerdings kaum Fehler. - Reisefaktor:9/10
Einer der ganz großen Pluspunkte. Royal Lytham ist Teil der legendären Englands Golf Coast. Mit Royal Birkdale, Hillside, Formby, Southport & Ainsdale und weiteren Spitzenplätzen in unmittelbarer Nähe gehört die Region zu den besten Golf-Destinationen Europas.









