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Selbstbewusst in Richtung Titel: In der AK 16 legte Cecilie Volckens am ersten Turniertag mit einer 68er-Runde den Grundstein für ihr Ziel diese Woche - den Gewinn der DM! | © DGV / Lettenbichler

40 Jahre jung: Die Holledau zeigt dieser Tage ihr sportliches Gesicht

Rudelzhausen – Manchmal beginnt der Weg zu einer Deutschen Meisterschaft nicht im Mannschaftsbus, nicht im Pkw auf der Autobahn und auch nicht mit einer langen Anreise quer durch die Republik. Manchmal beginnt er nur wenige Kilometer entfernt, vor der eigenen Haustür in Tegernbach – in einem Golfcart mit dem offiziellen Nummernschild 786 BGZ und dem Aufkleber 25 km/h.

 

So ist es bei Julia Anneser. Die Spielerin des Golfclubs Holledau wohnt nur einen Steinwurf von der Anlage entfernt. Wenn sie gemeinsam mit ihrem Vater Peter zum Training oder zur nächsten DM-Runde aufbricht, wird das Cart zum persönlichen Clubshuttle. Es darf offiziell auf der Straße fahren, gesteuert natürlich vom Vater. Dann geht es durch die vertraute Landschaft der Hallertau, vorbei an Feldern, Wiesen und kleinen Straßen, immer am Rußbach entlang, bis der Golfplatz erreicht ist. Viel näher kann ein Club kaum am eigenen Leben sein.

 

Und viel besser lässt sich der familiäre Charakter der Golf- und Freizeitanlagen Weihern-Holledau, kurz: des Golfclub Holledau im bayerischen Rudelzhausen kaum beschreiben. Hier kommt ein Nachwuchstalent nicht nur zum Training. Hier gehört der Golfplatz zum Alltag. Julia kennt die Bahnen, die Wellen der Grüns, die Steigungen, die versteckten Schwierigkeiten und die Stellen, an denen ein Ball noch ein paar Meter weiterläuft. Sie hat auf dieser Anlage unzählige Runden gespielt. Während andere Teilnehmerinnen der Deutschen Meisterschaft den Platz zunächst kennenlernen müssen, ist er für sie seit 14 Jahren ein Stück Heimat. In dieser Woche freilich mit völlig anderen Vorzeichen: Diese Woche ist der heimische Platz nicht nur Trainingsgelände und Treffpunkt. Er ist die Bühne für die besten Spielerinnen ihrer Altersklasse.

 

Als Julia am ersten Tag der Deutschen Meisterschaft in der Altersklasse 14 ganz vorne im Klassement auftauchte, war das deshalb mehr als nur ein erfreulicher Zwischenstand für den gastgebenden Club. Es war ein sichtbares Ergebnis einer Nachwuchsarbeit, auf die man in der Holledau mit gutem Grund stolz ist.

 

Knapp 1.000 Mitglieder gehören dem Club an, rund 110 davon sind Kinder und Jugendliche. Einige von ihnen haben sich in den vergangenen Jahren gegenseitig zu immer besseren Leistungen angespornt. Clubmanager Dietmar Strunz erzählt begeistert vom Nachwuchs, dessen Spitze sowohl bei den Jungs als auch bei den Mädchen im Single-Handicap-Bereich angekommen ist. Spielerinnen wie Julia und Talente wie Leopold Hess, der aus der Jugend des Clubs hervorgegangen ist und bereits auf nationaler Ebene auf sich aufmerksam macht.

 

Es ist diese Verbindung aus Nähe, Gemeinschaft und sportlichem Anspruch, die den Golfclub Holledau prägt. Eine Verbindung, die im Jahr des 40-jährigen Bestehens besonders deutlich sichtbar wird.

 

Eine Deutsche Meisterschaft im Jubiläumsjahr

 

Ende April und Anfang Mai feierte der Club sein Jubiläum mit vier Veranstaltungstagen, großen Turnieren und voll besetzten Teilnehmerfeldern. Vier Jahrzehnte nach seiner Gründung präsentiert sich der Golfclub Holledau als lebendiger und sportlich ambitionierter Verein. Nun folgt mit den Deutschen Meisterschaften der Mädchen AK 14 und AK 16 ein weiterer Höhepunkt des Jubiläumsjahrs. Dass der Deutsche Golf Verband die Holledau erneut als Austragungsort einer Deutschen Meisterschaft gewählt hat, erfüllt die Verantwortlichen mit Freude und Stolz. Für Dietmar Strunz ist die Veranstaltung nicht nur sportlich bedeutend – sie ist zugleich eine Auszeichnung für die Entwicklung des Clubs.

 

„Wir sind sehr stolz, dass wir vom Deutschen Golf Verband ausgewählt wurden, um dieses Wochenende die Deutschen Meisterschaften auf unserem Platz austragen zu dürfen“, sagt Strunz. „Wir werden unser Bestes tun, um gute Gastgeber zu sein.“

 

Ein Platz, den man lesen muss – und am besten gut kennt

 

Wer in der Holledau erfolgreich sein will, benötigt mehr als einen guten Golfschwung. Der Platz will verstanden werden. Es geht bergauf und bergab. Entfernungen sind schwer einzuschätzen. Und plötzlich, ohne Laser, der bei der DM verboten ist, gilt es mit dem Birdiebook zu arbeiten. Wer zumindest zwei Proberunden absolviert und exakte Aufzeichnungen angefertigt hat, ist klar im Vorteil. Und dennoch nicht gegen Überraschungen gefeit. In Runde 1 beeinflusst böiger Wind die Schlägerwahl. Wer die Bahnen nicht kennt, muss sich an die Höhenunterschiede und so manche optischen Täuschungen erst mal gewöhnen. Besonders für die jüngeren Spielerinnen ist das eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, und so mancher Ball bleibt viel zu kurz oder gerät deutlich zu lang.

Die Proberunde hilft, doch eine einzige Runde ersetzt keine echte Platzkenntnis. Genau darin liegt der Vorteil der Spielerinnen und Spieler, die hier aufgewachsen sind. Wer eine Anlage 50-, 60- oder 80-mal im Jahr spielt, kennt nicht nur ihre offensichtlichen Schwierigkeiten. Er kennt auch ihre Eigenheiten.

Die Deutschen Meisterschaften verlangen aber nicht nur den Spielerinnen alles ab. Auch hinter den Kulissen waren die vergangenen Wochen eine Herausforderung. Hitze, Trockenheit und fehlender Niederschlag hatten dem Platz im Sommer zugesetzt. Teilweise lagen die Temperaturen bei 35 Grad und darüber. Umso größer ist die Anerkennung für das Greenkeeping-Team, das die Anlage rechtzeitig zu den Titelkämpfen wieder in einen sehr guten Zustand gebracht hat.

Die Grüns wurden intensiv gepflegt, zusätzlich gemäht und gebügelt. Der Platz sollte nicht künstlich verändert, sondern in seiner besten sportlichen Form präsentiert werden. Strunz lobt das Greenkeeper-Team, das dafür gesorgt hat, dass die Teilnehmerinnen Bedingungen auf echtem Meisterschaftsniveau vorfinden.

 

Ein Head Professional als Konstante

 

Dass in der Holledau Kontinuität mehr ist als ein Schlagwort, beweist auch Lee Spencer. Der gebürtige Engländer ist seit 2001 für die Golfschule des Clubs verantwortlich – seit einem Vierteljahrhundert. Als Head Professional kümmert er sich maßgeblich um die Leistungsträger der Holledauer Mannschaften und ist damit seit vielen Jahren auch ein wichtiger Teil jener sportlichen Kultur, aus der immer wieder starke Nachwuchsspieler hervorgehen.

 

Und Spencer weiß selbst sehr genau, wie tief auf diesem Platz gespielt werden kann: 2005 gewann er hier ein Turnier der damaligen EPD Tour, der heutigen Pro Golf Tour, und stellte dabei mit einer Runde von 61 Schlägen den bis dato gültigen Platzrekord auf. Eine 61 auf dem anspruchsvollen Holledauer Parcours – natürlich von weiß!

 

Dass ein Head Professional über Jahrzehnte in einem Club bleibt, dort Mannschaftsspieler und Nachwuchs begleitet und zugleich selbst sportliche Maßstäbe setzt, passt zum Bild der Holledau: Viele Verbindungen sind hier nicht kurzfristig, sondern über Jahre gewachsen.

 

Hochkarätiger Gastgeber und heimatlicher Club

 

Eine Deutsche Meisterschaft verändert den Alltag eines Golfclubs. Startzeiten fallen weg, einzelne Bereiche sind für das Turnier reserviert, Mitglieder müssen sich umstellen. Nicht überall stößt das automatisch auf Begeisterung. Auch in der Holledau gab es zunächst die Frage, wie die Mitglieder auf die Einschränkungen reagieren würden. Doch statt grundsätzlicher Kritik erlebte Dietmar Strunz viel Zustimmung. Mitglieder hätten ihm gesagt, dass sie es großartig fänden, Spielerinnen aus ganz Deutschland auf der eigenen Anlage zu sehen.

 

Unterstützung erhielt der Club dabei auch von umliegenden Golfanlagen, die Freispielkontingente für Holledauer Mitglieder zur Verfügung stellten. Zugleich besitzt die Anlage einen entscheidenden Vorteil: Dank der insgesamt 27 Löcher können die Mitglieder auch während der Meisterschaft selbst an den Abschlag gehen.

 

Dass der Club trotz seiner Größe familiär geblieben ist, zeigt sich nicht nur im Verhältnis zwischen Mitgliedern, Mitarbeitern und Nachwuchsspielern. Insgesamt arbeiten 15 Beschäftigte auf der Anlage. Sieben gehören zum Greenkeeping-Team und pflegen neben dem Meisterschaftsplatz mit insgesamt sogar 33 Bahnen. Im Büro kümmert sich ein kleines Team um Mitglieder, Gäste und Organisation. Jeder kennt jeden, die Wege sind kurz, viele Aufgaben werden gemeinsam gelöst. Auf diese Weise wird auch eine Deutsche Meisterschaft nicht zur anonymen Großveranstaltung, sondern bleibt ein Turnier, das von Menschen getragen wird, die sich mit ihrem Club identifizieren.

 

Der Nachwuchs als wichtiger Teil der Club-DNA

 

Der Erfolg der Nachwuchsarbeit ist dabei kein Zufallsprodukt. Junge Spielerinnen und Spieler finden in der Holledau nicht nur exzellente Trainingsmöglichkeiten, sondern auch sportliche Vorbilder und eine Gemeinschaft, in der Entwicklung sichtbar wird. Sie erleben, wie aus einer ersten Turnierrunde ein einstelliges Handicap werden kann. Sie sehen, wie Clubkameraden sich für große Meisterschaften qualifizieren. Und sie erkennen, dass ein Weg vom Jugendtraining bis auf die nationale Bühne möglich ist. Wenn dann eine Spielerin aus dem eigenen Club bei einer Deutschen Meisterschaft auf dem Heimatplatz mit um den Titel spielt, ist das pure Motivation.

 

Julia Anneser steht sinnbildlich für diese Entwicklung. Nur wenige Tage vor der Deutschen Meisterschaft hatte sie bei den Clubmeisterschaften bereits im Damenfeld überzeugt und den 2. Platz belegt. Nun misst sie sich mit Deutschlands besten Spielerinnen ihres Alters.

 

„In der Holledau war es schön!“

 

Am Ende dieser Meisterschaften werden zwei Titel vergeben und zahlreiche Medaillen aus Edelmetall verteilt. Sehr wahrscheinlich werden auch ein paar Tränen fließen, solche vor Freude und vielleicht auch solche aus Enttäuschung, bei so mancher Spielerin, das gehört zu einer Deutschen Meisterschaft der AK 14- und AK 16-Mädchen ebenso dazu wie am Fairwayrand mitlaufende Mütter und Väter. „Mir wäre wichtig, dass diese Deutschen Meisterschaften ohne Unfall und ohne Komplikationen zu Ende gehen und alle nach Hause fahren und sagen: In der Holledau war es schön!“, formuliert Dietmar Strunz seinen Wunsch für die DM 2026 in seinem Club.

 

Und dieser Wunsch charakterisiert den Club sehr trefflich: Die Holledau will sportlich sein. Sie will Talente entwickeln und große Turniere die Deutsche Meisterschaften ausrichten. Sie will sich mit den besten Anlagen des Landes messen. Aber sie will dabei ein Ort bleiben, an dem sich Menschen willkommen fühlen. Und ein Club, dessen Talente zuweilen mit dem Golfcart kommen, mit Nummer 786 BGZ, immer am Rußbach entlang.

 

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