Zwischen Cowboyhut und Schnitzel
Ein paar Wochen hat sie noch, dann ist sie fertig. Eine aufregende Zeit in den USA geht zu Ende. Und dann? „Ich möchte es schon versuchen, Ende 2026 Q-School zu spielen und es auf die Tour zu schaffen“, sagt Isabelle Schlick. Aktuell spielt sie noch College-Golf für die Sooners und studiert Economics an der University of Oklahoma, wo sie mit Freundinnen eine WG bildet. „Es ist eine etwas andere Welt hier, aber ich mag es. Da kann es schon vorkommen, dass in einer Vorlesung Studenten in Cowboy-Stiefeln oder mit Cowboy-Hut sitzen“, erzählt sie. So ein bisschen ist sie dort „in the Middle of nowhere“.
Im Mittelpunkt stand sie 2025 im Team des GC St. Leon-Rot. Nicht nur, weil sie mit ihrer Mannschaft beim Final Four im August den Titel holte. Isabelle Schlick war im Vorjahr die „Spielerin des Jahres“, was ihr zusätzliche Motivation gibt. „Das ist eine große Ehre, ich habe mich sehr über diese Auszeichnung gefreut“, sagt sie. Ohnehin ist die 23-Jährige inzwischen so etwas wie ein Routinier im Team von Meister-Coach Sebastian Buhl. Eine gestandene Erstliga-Spielerin, die neben Celina Sattelkau zu den Ersten gehörte, die im seinerzeit neu gegründeten Sportinternat St. Leon-Rot das Golfspielen verfeinerte. Aktuell hat sie immer eine kleine Tasche mit Ballmarkern im Bag. Den aus Pebble Beach mag sie am liebsten.
„Ich bin eigentlich über meine ältere Schwester zum Golfspielen gekommen. Wir haben in Bad Homburg nah an einem Platz gewohnt und irgendwann fing es dort eben an“, erinnert sie sich. Über den Frankfurter GC schloss sie sich Team SLR an, mit dem sie in den vergangenen Jahren viel Spaß hatte und viele Erfolge feiern durfte. Nach vier Jahren dort begann für sie das Studium in den USA. Erst in Florida, „aber dort haben mir das Athletische und Akademische etwas gefehlt, also wollte ich eigentlich zurück nach Deutschland.“ Es kam anders, denn sie bewarb sich an einigen anderen Unis, flog in wenigen Tagen mehrere tausend Meilen – und landete schließlich im Mittleren Westen, in Oklahoma.
Das Lachen ist der sympathischen Athletin nie vergangen. Auf dem Platz sieht man sie selten schlecht gelaunt – und meistens mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht. „Ja, ich würde schon sagen, dass mir das Spaß macht, was ich tue.“ Spaß und Freude am Sport sind ihr Antrieb. Ihre Eltern zu Hause in Deutschland haben sie immer dabei unterstützt, das zu tun, was sie will. Sie spürte nie Druck. Ihre große Schwester meinte einmal zu ihr: „Du atmest Golf.“
Wenn Isabelle Schlick mal nicht trainiert oder golft, geht sie gerne mit Freundinnen frühstücken, zum Skifahren, Paddle oder Tennis spielen. Gelegentlich schaut sie den Basketball- oder Football-Teams der Uni zu. Sportlich war sie schon immer. Durch den Gewinn der Liga übergreifenden Einzelrangliste der DGL hat sie sich für die Deutsche Meisterschaft AK offen qualifiziert. Was ihr an der Heimat am meisten fehlt? „Familie und ein gutes Schnitzel.“
Auf die DGL-Saison 2026 freut sie sich. „Wir wollen unbedingt den Titel verteidigen, denn wir haben so ein cooles Team und den besten Trainer der Liga“, sagt sie. Coach Buhl kann sich zu 100 Prozent auf sie verlassen. Selbst ein Jetlag hindert sie nicht daran, Topscores abzuliefern. Sie sieht sich selbst als gute Mischung aus sozialer Typ und Zahlenmensch. Nur ihre Schlägerköpfe könnten manchmal etwas sauberer sein. „Ja, da bin ich wirklich etwas nachlässig“, gibt sie zu. Ihren Trainern ist das nicht entgangen. Vielleicht gehört es aber auch zu ihrer Pre-Shot-Routine, direkt vor dem nächsten Schlag die letzten Bröckchen aus den Grooves zu kratzen. Der Erfolg gibt ihr Recht.








