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Shane Lowry während Runde zwei der 153. Open Championship in Royal Portrush. | © © SPORTSFILE

Zwei Strafschläge: Eine Entscheidung, die bewegt

Shane Lowry hat eine bewegte Woche hinter sich. Sechs Jahre nach seinem emotionalen Triumph bei der Open Championship in Royal Portrush ging es für ihn zurück zur Stätte des Erfolgs. Die 153. Open Championship stand an, wieder in Portrush. Die Erwartungshaltung war riesig. Und Lowry erlebte einen großartigen Wochenabschluss mit einer 66 (-5) am Sonntag. Doch insgesamt verlief die Rückkehr etwas holprig. Dies lag unter anderem an einer Situation in der zweiten Runde. Lowry war in eine Regelsituation verwickelt, die nicht nur ihn, sondern gefühlt die gesamte Golfwelt bewegte. Deshalb musste auch die R&A mit einem offiziellen Statement für Klarheit sorgen.

 

Nachdem der Ire seinen Abschlag auf Loch zwölf ins Rough geschlagen hatte, fingen Fernsehkameras den Moment ein, in dem er einen Probeschwung ausführte, bevor er seinen zweiten Schlag machte. Laut R&A führte dies dazu, dass sich Lowrys Ball bewegte. Lowry war sich dessen nicht bewusst, spielte den Schlag und notierte schließlich ein Par. Erst am 15. Loch informierte ein Regelbeauftragter der R&A Lowry über den möglichen Regelverstoß. Der Referee wartete mit der Verhängung der Strafe bis nach der Runde, damit Lowry das Filmmaterial überprüfen und sich zu der Situation äußern konnte. Nach einer ausführlichen Überprüfung stellte die R&A fest, dass Lowry den Ball tatsächlich bewegt hatte.

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Er erhielt einen Strafschlag für das Bewegen des Balls und einen weiteren für das Nicht-Zurücklegen des Balls an seine ursprüngliche Position. Seine Runde wurde von 70 auf 72 geändert, wodurch er von zwei unter Par auf Even Par für das Turnier zurückfiel. „Ich wusste nichts davon, bis ich den 15. Fairway hinaufging und dann der Referee zu mir kam und mir sagte, dass sich der Ball möglicherweise beim zwölften Loch bei meinem zweiten Schlag bewegt hatte“, sagte Lowry. „Also habe ich ihn gefragt, wie viele Strafschläge das wären, wenn das der Fall wäre, und er sagte: zwei. Dann habe ich natürlich das Gefühl, dass ich auf der Cut-Marke liege, was nicht sehr schön ist. Ich finde, ich habe auf dem Weg dorthin gut gespielt und dann abgewartet, um zu sehen, was passiert.“ 

 

„Ich meine, ja, ich war mit dem Rules Official dort, habe meinen Fall aber nicht diskutiert. Ich bin enttäuscht, dass sie nicht mehr Kamerawinkel davon haben“, fuhr Lowry fort. „Die eine Nahaufnahme in Zeitlupe – sie versuchen mir zu sagen, dass, wenn man es mit bloßem Auge nicht sehen kann, es sich auch nicht bewegt hat. Ich habe ihnen gesagt, dass ich beim Probeschwung definitiv auf den Ball geschaut habe, aber keine Bewegung sehen konnte.“ Doch der Open-Champion musste die Strafe hinnehmen. Auch, weil „das Letzte, was ich tun möchte, ist, dort zu sitzen und zu streiten, die Strafe nicht zu akzeptieren und dann heute Abend in den sozialen Medien als Betrüger fertiggemacht zu werden.“

"Im Rough ist das schwer zu erkennen"

Scottie Scheffler, der in derselben Gruppe wie Lowry spielte, sah sich nach der Runde ebenfalls das Filmmaterial an und sagte: „Es war sehr schwer zu erkennen, ob sich der Ball bewegt hat. Letztendlich liegt es im Golf beim Spieler, und ich hatte das Gefühl, dass Shane in eine ziemlich schwierige Situation gebracht wurde, als sie auf seinen Golfball zoomten. Im Rough ist das schwer zu erkennen.“ Der Fall wurde hitzig diskutiert, sodass sich die R&A gezwungen sah, ihre Entscheidung in einem offiziellen Statement zu verteidigen. Dort heißt es: 

 

„Während der zweiten Runde wurde beobachtet, dass sich Shane Lowrys Ball bewegte, während er einen Probeschwung für seinen zweiten Schlag aus dem Rough am 12. Loch ausführte. Die Regeln verlangen, dass in solchen Situationen drei Dinge geprüft werden:

  1. Hat der Ball seine ursprüngliche Position verlassen und ist an einer anderen Stelle zum Liegen gekommen?
  2. War die Bewegung des Balls an eine andere Stelle mit bloßem Auge erkennbar?

    und

  3. Wenn der Ball an einer anderen Stelle zum Liegen kam und die Bewegung mit bloßem Auge erkennbar war, ist es dann bekannt oder so gut wie sicher, dass die Bewegungen des Spielers den Ball verschoben haben?

 

Die Beurteilung, ob die Bewegung des Balls in einer solchen Situation mit bloßem Auge erkennbar war, setzt voraus, dass sich der Spieler in einer normalen Schlagposition befand. In der Situation von Shane Lowry war die Bewegung des Balls an eine andere Stelle, einschließlich der Bewegung des Logos, mit bloßem Auge erkennbar. Der Test mit bloßem Auge ist erfüllt, unabhängig davon, ob der Spieler den Ball angesehen hat, als er sich bewegte. Es war klar, dass sich der Ball unmittelbar nachdem der Schläger des Spielers während eines Probeschwungs das Laub in der Nähe des Balls berührt hatte, bewegte und dass die Aktion des Spielers die Bewegung des Balls verursacht hatte.“

 

Und so konnte es nur eine Konsequenz geben. Zwei Strafschläge wegen eines Verstoßes gegen Regel 9.4 – für Lowry eine bittere, nach den offiziellen Golfregeln aber korrekte Entscheidung.

Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:

Die Regeln besagen, dass ein Ball, der vom Spieler bewegt wird, mit einem Strafschlag zurückzulegen ist. Sie sagen nicht, dass dies nur zu geschehen hat, falls der Spieler den Ball in eine vorteilhafte Lage gebracht hat und sie differenzieren auch nicht nach der Strecke, die der Ball bewegt wurde. Das eine geht nicht, da es reine Ermessenssache ist, welche Veränderung einen Vorteil darstellt und das andere geht nicht, da das Maß der Bewegung nicht messbar ist. Weder Millimeter noch Umdrehungen können von uns gemessen werden, da man dazu zunächst die Ausgangslage einmessen müsste, was eine ziemliche Herausforderung darstellen würde.

 

Aufgrund dieser Abgrenzungsproblematik gilt die Bewegung als geschehen, wenn der Ball an einer anderen Stelle liegen bleibt, und sei es nur ein Millimeter weiter.

 

Sicher wird Shane Lowry die Bewegung nicht wahrgenommen haben, denn seine Konzentration wird auf dem nächsten Schlag gelegen haben, der aus der schlechten Lage, die er hatte, seine ganze Aufmerksamkeit beanspruchte. Dies bedeutet aber leider nicht, dass eine mit dem Auge sichtbare Bewegung ignoriert werden kann, nur weil der Spieler gerade andere Sorgen hatte, als die Bewegung wahrzunehmen. Es ist somit Aufgabe der Spielleitung, die Bewegung festzustellen, wenn der Spieler dazu nicht in der Lage war oder dieses versäumt hatte. Dies ist hier geschehen. Schade, dass weder der Caddie noch einer der vielen Zuschauer nach dem Übungsschwung „Ball has moved“ gerufen haben, dann wäre die Angelegenheit durch ein Zurücklegen des Balls vor dem nächsten Schlag nur halb so teuer geworden.

 

Mein Rat an alle Spieler, die eine ähnliche Situation vermeiden wollen, ist, den Übungsschwung weiter vom Ball entfernt zu machen als Shane Lowry dies gemacht hat.

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