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Platz fünf - aber er fühlt sich nach so viel mehr an. Das deutsche Mädchen-Team kann stolz auf sich sein. | © DGV

Sieg und Ausrufezeichen: Platz fünf für das Junior Team Germany

Herrlich: Der Schlussakkord des Turniers fand auf einer Bühne statt, die einem Finale würdig war. Viele Schweizer Fans, darunter zahlreiche junge Mädchen, gehen mit den Spielgruppen mit. Auf dem Platz herrscht phasenweise eine immense Lautstärke – jeder gelungene Schlag der Gastgeberinnen wird bejubelt. In diesem Setting wirkt das Duell Deutschland gegen Schweiz wie ein kleines Highlight zum Ende einer langen EM-Woche.
 

Showdown an der 18

Der Vierer mit Cecilie Volckens (GC St. Leon-Rot) und Luisa Hartmann (GC Aldruper Heide) gegen das Duo Clarissa Rattaggi/ Kim Lou Joachim beginnt alles andere als einfach. Loch 1 geht verloren, Loch 2 dafür gleich wieder gewonnen – ein frühes Hin und Her, das den Charakter des Matches vorgibt. An Loch 6 locht das deutsche Duo einen Drei-Meter-Putt zum Birdie, gewinnt das Loch und geht erstmals in Führung. Auf Loch 9 liegen beide Teams jeweils unter zwei Meter zur Birdie-Chance, doch die Schweizerinnen lochen, Deutschland nicht – die Adler verlieren das Loch. 
 

An der 10 greifen Volckens und Hartmann die Fahne mit dem zweiten Schlag an, legen den Ball bis auf rund drei Meter zur Eagle-Chance, benötigen aber drei Putts und verlieren auch dieses Loch. Das Match bleibt eng und emotional. Die entscheidende Phase beginnt an Loch 16: Der deutsche Vierer spielt Birdie, geht 1auf. Und dann kommt die 18. Dort liefert das nun schon eingespielte Duo Volckens/Hartmann ein fantastisches Up-and-down ab und gewinnt am letzten Grün mit 1auf. 
 

Leisinger mit Nervenstärke

Direkt hinter dem Vierer liefert Laetitia Leisinger im ersten Einzel gegen Lana Guyot eine eigene, bemerkenswerte Geschichte. Sie spielt sich früh in eine komfortable Ausgangslage und geht an Loch 8 2auf in Führung – ein Zwischenstand, der auch das Gesamtbild des Matches prägt: Leisinger kontrolliert Tempo und Rhythmus der Partie. Auf der 14 muss sie zwar ein Lochverlust hinnehmen und bleibt damit „nur“ noch 1auf, doch sie bewahrt Ruhe und Übersicht. 
 

Besonders eindrucksvoll ist die Art, wie sie sich am Ende noch einmal auf ihr Kurzspiel verlassen kann. An Loch 18 zeigt sie – parallel zum Vierer – eines jener Up-and-downs, die den Charakter eines Matchplay-Tages prägen: aus einer anspruchsvollen Lage spielt sie den Ball nah ans Loch und locht den entscheidenden Putt zum Sieg. Dass an der 18 sowohl der Vierer als auch Leisinger ihr Match mit starken Abschlüssen zum Erfolg bringen, unterstreicht die Nervenstärke der deutschen Mannschaft am Finaltag. Leisingers 2auf-Sieg ist damit nicht nur ein Punkt auf dem Papier, sondern ein sichtbares Zeichen dafür, wie sehr sie ihren Part im Spiel um Platz fünf übernommen hat.
 

Geier verliert - Schweiz verkürzt

Lena Geier (GC Bad Griesbach) erlebt gegen Anahie Lohner-Hutzli ein Match mit Höhen und Dämpfern. Schon auf Loch 3 hat sie die Chance zum großen Moment: ein Eagle-Putt! Am Ende wird das Loch mit Birdie geteilt – ein weiterer Beleg für die hohe Spielqualität auf beiden Seiten. Loch 4 bringt ein Bogey, Spielstand 1down. Im weiteren Verlauf gerät Geier noch weiter ins Hintertreffen, an Loch 7 verkürzt sie wieder auf 2down. Sie kämpft, findet immer wieder gute Schläge, doch Lohner-Hutzli verteidigt ihren Vorsprung konsequent. Am Ende verliert Geier die Partie mit 3&2 – und die Schweiz kann für einen kurzen Moment Luft holen.

Bae mit der Entscheidung

Doch dann ist das die vor Geier spielende Yoo-Jin Bae (GC St. Leon-Rot). Sie gibt im Einzel gegen Liliya Favre den Ton vor. Loch 1 geht noch an die Schweiz, weil Favre das Birdie spielt. Dann dreht Bae die Partie: Loch 2 gewinnt sie mit Birdie, Loch 3 erneut mit Birdie – der Führungswechsel ist da. Nach 15 Löchern liegt Yoo-Jin Bae 2auf und bringt diesen Vorsprung kontrolliert nach Hause. Am Ende steht ein 2&1-Sieg, und das an Loch 17 beendete Match besiegelt den deutschen Gesamterfolg nur wenige Momente nachdem die Schweiz verkürzen konnte.
 

Bleibt noch das letzte offene Duell. Dieses beginnt für Sofia Maier-Borst (GC St. Leon-Rot), die gegen Axelle Martin spielt, zunächst zäh. Ein Drei-Putt an Loch 4 bedeutet das 1down, nach Loch 7 bleibt sie 1down – doch sie hält das Spiel offen. Auf Bahn 7 und in der Folge sind es immer wieder Safes, mit denen Maier-Borst den Rückstand in Grenzen hält und sich die Chance auf ein Comeback bewahrt. Nach 13 Löchern liegt sie noch 1down, aber sie bleibt im Match, locht die entscheidenden Putts und dreht die Partie schließlich auf den letzten Bahnen. Am Ende steht ein 1auf-Sieg – ein weiteres Match, das bis zum Schluss offen war und doch auf die deutsche Seite kippt.
 

Starker Abschluss für eine intensive Woche

Hand aufs Herz: der 4:1-Endstand erscheint wie ein deutliches Zeichen. Doch die Partien waren allesamt hart umkämpft und wurden auf hohem Niveau gespielt. Drei der vier deutschen Punkte wurden erst auf dem letzten Grün entschieden. Die Gastgeberinnen aus der Schweiz haben sich sehr teuer verkauft. Mit diesem zweiten Sieg im dritten Matchplay, sichert sich das Junior Team Germany Platz fünf bei der Mannschafts-Europameisterschaft der Mädchen. Nach dem sehr bitteren Viertelfinale gegen Tschechien und dem starken 3:2-Sieg gegen Schweden zeigen die deutschen Mädchen am Finaltag noch einmal, wie viel Qualität und Widerstandskraft in dieser Mannschaft steckt.
 

Sie gewinnen ihr letztes Match in einer lautstarken, emotional geprägten Atmosphäre gegen den Gastgeber, holen vier Punkte mit unterschiedlichen Matchverläufen, späten Wendungen und Nervenstärke an der 18 – und verabschieden sich mit einer Top-Fünf-Platzierung aus Zürich. Es ist ein Abschluss, der der Woche gerecht wird: sportlich stark, charakterlich stabil und sichtbar getragen von einem Team, das sich für seine Leistungen bis zum letzten Putt belohnt hat.

 

Spanien schaut schon auf das Dutzend

Neben dem Kampf um Platz fünf haben sich am Finaltag auch die Medaillenduelle entschieden. Im Finale um den Europameistertitel setzt sich Spanien knapp mit 4:3 gegen England durch und verteidigt damit seinen Status als dominierende Nation in der Geschichte dieser Mannschafts-Europameisterschaft der Mädchen. Ganze elf Mal haben die Mädchen von der iberischen Halbinsel das Turnier schon für sich entschieden. Das Endspiel war eng und wurde erst spät entschieden – ein würdiger Rahmen für zwei Teams, die über die gesamte Woche konstant auf höchstem Niveau agiert haben.
 

Im Spiel um die Bronzemedaille traf die Tschechische Republik auf Frankreich. Hier setzten sich die Französinnen mit 4,5:2,5 durch und sichern sich damit Rang drei. Parallel zu Deutschlands Sieg im Spiel um Platz fünf, gewinnt Italien das Match um Platz sieben mit 3,5:1,5 gegen Schweden.

Die Bundestrainerin blickt zurück - und nach vorn

Zum Abschluss blickt Bundestrainerin Esther Poburski mit sichtbarer Zufriedenheit – und spürbarer Erschöpfung – auf die Woche in Zürich zurück. „Das Team in sich hat unglaublich gut funktioniert“, sagt sie. Vor allem das letzte Duell gegen die Schweiz hebt sie hervor: „Das war absolut auf Augenhöhe, wir haben richtig gutes Golf gesehen. Die Mädels haben tolle Birdie-Chancen kreiert und sie auch genutzt. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals über 18 Löcher so schwere Fahnenpositionen gesehen habe – aber das haben sie wirklich gut gemacht und gut vorbereitet.“
 

Besonders wichtig ist ihr das positive Ende der Europameisterschaft: „Es war ein schöner Abschluss – mit zweimal Gewinn am Ende. Das gibt ein gutes Gefühl.“ Auch wenn die Niederlage im Viertelfinale zunächst schwer wiegt, ordnet sie den fünften Platz klar ein: „Natürlich ist es erst mal das Wichtigste, ob du um die Medaillen mitspielst oder nicht. Aber es war eine tolle Woche, ich glaube, wir konnten viel mitnehmen. Das Team ist über sich hinausgewachsen – das macht diese Mannschaft aus.“
 

Poburski betont den Teamspirit über die ganze Woche: „Es war ein ganz toller Abschluss, auch mit den vielen Zuschauern gegen die Schweiz – die waren sehr fair und haben auch unsere Schläge beklatscht.“ Dass der fünfte Platz sich für viele im Team „so gut“ anfühlt, erklärt sie mit einem einfachen Bild: „In Summe sind es ja zwei Siege und eine Niederlage – das könnte auch eine Silbermedaille sein. Mit einem Sieg nach Hause zu fahren, ist natürlich immer schöner.“
 

Den Blick richtet sie bereits nach vorn: „Das Gute ist, dass nächstes Jahr nur Sofia altersbedingt rausfällt, die anderen fünf Mädels können mindestens noch einmal spielen. Das zeigt, wie viel Potenzial noch da ist.“ Die nächste Europameisterschaft findet in Dänemark statt, unweit von Kopenhagen – und Poburski macht deutlich, dass sie sich darauf jetzt schon freut: „Wir fahren glücklich nach Hause, auch wenn es ‚nur‘ in Anführungszeichen Platz fünf geworden ist. Und ich freue mich auf jeden Fall aufs nächste Jahr.“


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