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Marcus Neumann ist als ehemaliger Bundestrainer der Frauen auch als Vorstand Sport immer ganz nah an den Athleten dran geblieben. Hier gratulierte er Tjelle Rieger, der im Kader der Männer zur Team-EM nach Estland reist | © DGV/stebl

Entwicklung wichtiger als Medaillen

Wiesbaden – Bei den Team-Europameisterschaften vom 7. bis 11. Juli spielen die Männer im Estonian G&CC vor den Toren der estnischen Hauptstadt Tallinn. Die Frauen treffen auf PGA National Slieve Russell in Irland auf starke Konkurrenz. Die Jungen spielen auf einem besonderen Platz, denn neben Montecastillo Golf in Spanien liegt eine Rennstrecke, auf der auch die Formel 1 regelmäßig zu Gast ist. Die Mädchen spielen im feinen G&CC Zürich in der Schweiz.

 

Die Redaktion von Golf.de hatte kurz nach der Nominierung der Kader die Gelegenheit, mit Marcus Neumann zu sprechen. Der Vorstand Sport im DGV ordnete die Bedeutung dieser Titelkämpfe ein und freute sich, dass einige der nominierten Athleten mit einer großen Portion Selbstvertrauen in diese Mannschaftsturniere gehen werden, nachdem sie in diesem Jahr schon große Erfolge verzeichnet haben.

 

Für alle Athleten ist es immer etwas ganz Besonderes, mit dem Golf Team Germany bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft ihr Land zu vertreten. Welchen Stellenwert haben diese Turniere auf dem Karriereweg eines aufstrebenden Talents?

Marcus Neumann: Bei aller Freude über gute Ergebnisse: Eine Team-EM ist im Kontext der Vision Gold vor allem auch ein Ausbildungsturnier. Niemand erwartet dort „fertige“, dafür aber umso mehr, motivierte und gut vorbereitete Athleten. Für eine Mannschaft zu spielen, erhöht oft den Druck auf den individuellen Athleten, weil eben ein ganzes Team sich an der eigenen Leistung aufrichten, aber eben auch absacken kann. Solche Drucksituationen kann man nicht im Training simulieren und daher haben diese Team-Events eine wirklich große Bedeutung für die Ausbildung der Talente auf deren Weg auf die Tour und vielleicht sogar zu Olympischen Spielen.

 

Das Junior Team Germany hat in diesem Jahr schon etliche herausragende Platzierungen bei internationalen Turnieren errungen. Wie wirken sich diese Erfolge auf die Nominierungen aus?

Kein einzelner Erfolg steht für sich und ist ausschlaggebend für die Nominierung eines Athleten für eine Team-EM. Die Bundestrainer haben natürlich alle infrage kommenden Athleten der entsprechenden Jahrgänge über einen langen Zeitraum im Blick und wägen bei jeder einzelnen Personalie sehr gut ab, wie die Ergebnisse des Jahres zustande gekommen sind, wie der Stand der Entwicklung ist und natürlich auch, welches Potenzial gesehen wird.

 

Gibt es Erfolge, die in diesem Jahr besonders hervorzuheben sind?

Ganz aktuell hat Emil Riegger vom GC Hubbelrath mit seinem dritten Platz bei The Amateur Championship das zweitbeste deutsche Ergebnis aller Zeiten bei diesem Klassiker erzielt. Nicht nur der Durchmarsch bis ins Halbfinale war dabei überzeugend, sondern auch die Art und Weise, wie Riegger Linksgolf gespielt hat. Klar, dass er, nachdem er im Vorjahr schon in Singapur bei der Team-Weltmeisterschaft beeindrucken konnte, auch jetzt wieder bei den Männern im Team ist. Tjelle Rieger hat sich mit dem fünften Platz bei der Spanish International früh im Jahr schon in sehr guter Form gezeigt und auch bei The Amateur Championship hat er großartig gespielt.

 

Wie schaut es bei den Frauen aus?

Susanna Brenske hatte jüngst bei der Ladies German Challenge powered by VcG einen ganz starken Auftritt. Das war erst ihr zweites Turnier im Profizirkus, aber im Vergleich zu ihrer Premiere war die Hamburgerin schon viel weiter und sehr cool, hat die Top Ten nur knapp verpasst. Der Auftritt hat mir sehr gut gefallen. Bei der German International Women's Amateur Championship, die für die neue European Amateur Order of Merit zählt, hatte sie im G&CC Seddiner See mit dem zweiten Platz auch schon eine fabelhafte Leistung abgeliefert. In der EAOM steht Susanna aktuell als beste Deutsche auf dem zwölften Platz.

 

Edelmetall gab es auch bei den Mädchen?

Sofia Maier-Borst hat in diesem Frühjahr schon zweimal Silber gewonnen. Erst in Bad Saarow auf dem phantastischen Palmer Course bei der GBG International in einem international überragend starken Feld und ganz frisch beim Annika Invitational, als sie von der Legende Annika Sörenstam persönlich die Medaille überreicht bekommen hat. Wenn das nicht motivierend ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Neben Sofia hat sich Yoo Jin Bae mit guten Platzierungen immer wieder gut in Szene gesetzt. Dass sie in der EAOM auf dem 18. Platz steht, ist also kein Zufall. Und auch die Bronzemedaille von Luisa Hartmann bei der Deutschen Lochspielmeisterschaft darf man nicht unterschlagen, denn bei der Team-EM wird ja nach der Zählspielqualifikation der Rest des Turniers im Matchplay absolviert. Auch Cecilie Volckens hat mit dem fünften Platz bei den R&A Girls U16 in diesem Jahr schon ein absolutes Top-Ergebnis erzielt.

 

Bei den Jungen gab es nach einem großartigen Turnier auf dem Faldo Course sogar einen deutschen Sieg in Bad Saarow?

Bei den German Boys auf dem Faldo Course hat Johann Mons seinen bislang zweifellos größten Sieg geholt. Der Auftritt war auch absolut beeindruckend. David Süntzenich und Bjarne Murr haben bei der Fairhaven-Trophy mit Top-Ten-Ergebnissen stark abgeliefert. Lauri Diener und Tim Brohl waren bei der IAM der Männer in Österreich auf Fontana in der Top Ten.

 

Das alles klingt nach reichlich Edelmetall für die deutschen Teams?

Wie gesagt: Eine Team-EM ist in erster Linie trotz allen Ehrgeizes ein Ausbildungsturnier. Natürlich nehmen wir gerne jede Medaille mit, weil Erfolge immer auch für die Athleten besonders motivierend sind und oft weitere Entwicklungsschritte forcieren. Der Erfolg bei solchen Turnieren hängt insgesamt aber von so vielen Faktoren ab, auf die wir teils auch gar keinen Einfluss nehmen können, dass ich niemals nur schauen würde, ob eine Medaille gewonnen wird. Da interessieren mich tatsächlich viel mehr die detaillierten Berichte der Coaches im Nachlauf einer solchen Turnierwoche.
 

Vielen Dank für das Gespräch.

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