Schefflers Grand-Slam-Traum: Warum das kurze Spiel entscheidend ist
Es gibt Ziele, für die ist Talent besonders wichtig. Für andere Vorhaben kommt es eher auf Disziplin, Durchhaltevermögen, Geduld, vielleicht auch auf Härte gegen sich selbst an. Wer vom Karriere-Grand-Slam träumt – mindestens ein Sieg bei jedem Major-Turnier – benötigt von allem möglichst viel. Rory McIlroy kann das als jüngster Champion bezeugen. Für die Vollendung seines Lebenswerkes hat er elf Anläufe benötigt, um das letzte fehlende Puzzlestück, den Sieg beim Masters in Augusta, zu komplettieren.
Verschiedene Anforderungen der Majors
Jedes Major-Event stellt andere Anforderungen an die Profis. Das Masters ist für viele Spieler magisch, für manche einschüchternd. Die US Open gelten als brutal, weil Plätze und Bedingungen oft besonders herausfordernd sind. Die Open Championship auf uralten Linksplätzen zwingt die Profis bei Sturm und Regen nicht selten dazu, völlig anders zu denken und zu spielen. Und ein Triumph bei der PGA Championship erfordert wieder andere Fähigkeiten.
Schefflers Weg zum Karriere-Grand-Slam
Scottie Scheffler, Nummer eins der Welt, hat bislang zwei von vier Etappen gemeistert: Er hat das Masters gewonnen und die PGA Championship. Vor ihm liegen also noch zwei äußerst gegensätzliche Aufgaben: die US Open – jedes Jahr ein physischer Härtetest – und die traditionsreiche Open Championship auf den Linksplätzen in Großbritannien und Irland. Um auch hier zu siegen, wird Scheffler das gelingen müssen, was kaum möglich erscheint: Er muss sein Spiel noch einmal auf ein neues Niveau heben.
Entscheidender Faktor: das kurze Spiel
Vor dem letzten Major-Highlight 2025, der Open Championship im Royal Portrush Golf Club (17. – 20. Juli), und damit vor der letzten Chance, noch in diesem Jahr einen großen Schritt in Richtung Karriere-Grand-Slam zu machen, testet Scheffler seine Form bei der Genesis Scottish Open. Am Rande seiner Vorbereitungen dort erzählte er, wie er selbst den Unterschied zwischen jenen beiden Majors betrachtet, die er noch nicht gewonnen hat. Der für ihn wichtigste Aspekt: das kurze Spiel.
Was beim Links-Golf anders ist
„Wenn wir in den USA sind und ich ums Grün herum mein kurzes Spiel trainiere, dann nutze ich wahrscheinlich zwei Schläger. Ein 60-Grad- und ein 56-Grad-Wedge“, sagt Scheffler. „Hier bringe ich fünf oder sechs Schläger mit, manchmal sogar bis runter zum Eisen acht.“ Gerade rund um die Grüns wird, so empfindet es der Amerikaner, besonders sichtbar, wie stark sich Links-Golf und das Spiel in den USA voneinander unterscheiden. „US Open und Open Championship sind zwei völlig unterschiedliche Arten von Herausforderungen“, sagt Scheffler. „Wenn du bei der US Open ein Grün verfehlst, schlägst du im Grunde immer denselben Schlag: Du öffnest das Schlägerblatt mit dem 60er-Wedge und versuchst, wie aus dem Bunker den Ball nah an die Fahne zu bringen – extrem schwer, für jeden. Ich würde sagen, niemand hat wirklich perfektioniert, wie man das macht.“
Vielseitigkeit entscheidet über den Erfolg
Auf Linksplätzen hingegen entscheidet vor allem die Vielseitigkeit über Erfolg oder Misserfolg. Wer hier gut spielen will, muss den Ball flach halten, geschickt über den Boden rollen lassen – und sich mit dem arrangieren, was der Platz anbietet. „Wenn ich hier ein Grün verfehle, gehe ich erstmal rüber und schaue mir die Lage an“, erklärt Scheffler. „Manchmal habe ich eine saubere Lage, manchmal liegt der Ball tief im Gras. Bei einer dichten Lage muss ich wieder traditionell mit offenem Blatt und dem 60er spielen, wie aus dem Bunker. Bei einer sauberen Lage nutze ich vielleicht ein Eisen acht, um den Ball den Hang hochzuspielen, oder ein 50er-Wedge, je nachdem, wie steil der Hang ist. Hier gibt es mehr Optionen – und es ist ein anderer Test als das, was wir zu Hause sehen.“
Scheffler: „Ich mag beide Golf-Stile“
Einen Favoriten unter den beiden Majors hat Scheffler nicht: „Ich mag beide Golf-Stile“, gab er am Mittwoch zu Protokoll. „Ich liebe es, bei der US Open verprügelt zu werden. Das ist ein spannender Kampf zwischen uns Spielern und dem Platz. Und hier drüben kann man viele Dinge machen, die ich sonst nicht machen würde.“ Klar ist: Wer alle Major-Herausforderungen im Laufe seiner Karriere bewältigen will, braucht viele Fähigkeiten. Scheffler traut man sie zu.










