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Scottie Scheffler bewegt seinen Ball gemäß der „Preferred Lies“-Regel. | © 2022 Getty Images

Regeländerungen zur neuen PGA-Tour-Saison

Zur Saison 2026 führt die PGA Tour mehrere Regeländerungen ein, die für fairere Wettbewerbsbedingungen sorgen sollen. Im Mittelpunkt steht dabei eine Anpassung der umstrittenen „Besserlegen“-Regel, flankiert von weiteren Modifikationen, die ab sofort gelten.

Weniger Spielraum bei „Lift, Clean and Place“

Künftig dürfen Spieler ihren Ball bei „Besserlegen“ nicht mehr innerhalb einer kompletten Schlägerlänge, sondern nur noch innerhalb der Länge einer Scorekarte platzieren. Diese Anpassung soll verhindern, dass sich der Winkel und die Lage – etwa rund ums Grün – zu stark verändern.

 

PGA-Tour-Sieger Michael Kim begrüßt die Neuerung ausdrücklich. Er kennt die Regel bereits von der DP World Tour: „Eine volle Schlägerlänge kann den Winkel eines Chip-Schlags komplett verändern. Mit der Scorekartenlänge ist es deutlich fairer.“ Auch die Tour selbst betont, dass diese Praxis international üblich sei und zu gerechteren Ergebnissen führe.

Weitere neue Musterplatzregeln

Neben der Besserlegen-Anpassung hat die PGA Tour fünf weitere Musterplatzregeln eingeführt, die von der USGA und dem R&A genehmigt wurden. Dazu zählen unter anderem:

 

  • Bewegter Ball ohne Wissen des Spielers: Wird festgestellt, dass ein Spieler seinen Ball unabsichtlich bewegt hat, ohne dies zu bemerken, wird künftig nur noch ein Strafschlag fällig. Auslöser war ein viel diskutierter Vorfall um Shane Lowry bei der Open Championship.
  • Erleichterung bei eingebetteten Bällen: Liegt der Ball in einem nicht reparierten Einschlagloch – unabhängig davon, von welchem Spieler es stammt –, darf straflos Erleichterung in Anspruch genommen werden.
  • Internes Aus nur noch vom Abschlag: Internes Aus gilt künftig ausschließlich für Schläge vom Tee, um unfaire Situationen für Spieler im Spielverlauf zu vermeiden.
  • Mehr Erleichterung nahe dem Grün: Auch andere unbewegliche Hindernisse als Sprinklerköpfe (z. B. Mikrofonlöcher) können Erleichterung auf der Puttlinie rechtfertigen.
  • Beschädigte Schläger: Stark beschädigte Schläger dürfen effizienter repariert oder mit Teilen aus dem eigenen Bag ersetzt werden.

Ziel: Einheitlichkeit und Fairness

Steve Rintoul, Vizepräsident Rules & Officiating der PGA Tour, nennt die Neuerungen „gute, vernünftige Lösungen für den Spitzensport“. Das Ziel sei, die Regeln weiter zu modernisieren und international anzugleichen. Gerade die Einschränkung bei „Besserlegen“ dürfte auch bei Puristen auf Zustimmung stoßen – es ist ein kleiner Schritt, der das Spiel näher an das Prinzip „Spiele den Ball, wie er liegt“ heranführt.

Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:

„Wir sehen hier eine Reihe von Änderungen, die das Spiel fairer machen sollen. Das ist zwar löblich, kann aber auch kritisch gesehen werden. Im Golf wird von den Spielern erwartet, dass sie sich fair verhalten. Nirgends steht jedoch, dass sich die Natur fair verhalten soll. Wie sollte das auch gemessen werden? Wenn ein Ball dicht am Loch vorbeirollt, weil er zuvor von einer kleinen Unebenheit abgelenkt wurde, ist das auch ‚unfair‘. Kommt als Nächstes eine Regeländerung, dass gute Putts, die durch Unebenheiten abgelenkt werden, als eingelocht gelten? Hoffentlich nicht!

 

  • Beim Besserlegen gab es bisher schon die Möglichkeit, nur eine Scorekartenlänge statt einer Schlägerlänge als erlaubte Entfernung zu bestimmen. Die Wahl der richtigen Entfernung obliegt der Spielleitung.
  • Ein ohne das Wissen des Spielers bewegter Ball kann nur dann ein Thema sein, wenn es Videoaufzeichnungen gibt, die hinterher beweisen, dass der Spieler etwas nicht sehen konnte. Wenn dies jedoch bewiesen wird, ist der halbe Zentimeter, um den es sich meistens maximal handelt, mit einem Strafschlag gut genug bezahlt. Diese Änderung macht also Sinn, auch wenn sie für uns Amateure kaum Auswirkungen haben wird.
  • Die Erleichterung für den Ball im fremden Einschlagloch ist sicherlich ein Fortschritt. Aber wem von uns ist das schon einmal passiert? Oder sogar zweimal? Diese Maßnahme hat so gut wie keine Auswirkung auf das Spiel.
  • Das interne Aus nur vom Abschlag aus in Kraft zu setzen, reduziert die nachteiligen Auswirkungen von Ausgrenzen. Ich wundere mich nur, dass man sich auf der Tour Sorgen macht, dass der zweite Schlag so schlecht gerät, dass er auf das benachbarte Fairway fliegt. Das ist eine Änderung, von der die Masse der Amateure profitieren kann. Ein Golfclub sollte jedoch sehr deutlich formulieren, auf welchen Löchern diese Erleichterung gilt und wo das „Aus“ für jeden Schlag bestehen bleibt.
  • Die Erleichterung bei anderen Dingen auf der Spiellinie nahe am Grün ist weniger glücklich. Sollte man nicht eher darauf achten, dass auf dem Vorgrün keine Hindernisse installiert werden, die das Spiel beeinträchtigen? Es kann sein, dass man die Situation auch anders hätte lösen können.
  • Das Ersetzen oder die Reparatur eines beschädigten Schlägers wird für uns Amateure eher keine Anwendung finden – wer hat schon die Ersatzteile bei einer Runde dabei? Aber wenn die Möglichkeiten gegeben sind, warum nicht?"

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