Ungeschickt! Flutschfinger sorgt für skurrile Strafe
Ein unglücklicher Moment ließ Ryo Hisatsunes Finalrunde bei der Crown Australian Open im Royal Melbourne endgültig entgleisen. Der 23-jährige Japaner leistete sich am achten Loch einen kuriosen Regelverstoß und kassierte dafür einen Strafschlag, der sinnbildlich für einen gebrauchten Sonntag stand.
Hisatsune war mit sechs unter Par in die Schlussrunde gestartet, sein Rückstand auf den Spitzenreiter Rasmus Neergaard-Petersen betrug allerdings bereits acht Schläge. Die erhoffte Aufholjagd blieb aus: Nach sieben Löchern lag der Open-de-France-Champion von 2023 Even Par für den Tag, als es am Par 4 der Bahn acht richtig bitter wurde.
Nach zwei Schlägen lag der Japaner kurz vor dem Grün und musste sich für den nächsten Schlag entscheiden. Er gab seinem Caddie einen Schläger zurück, griff nach einem anderen – und ließ ihn prompt fallen. Das Unglück: Der Schläger traf den Ball, der mehrere Meter weiterrollte. Hisatsunes Körpersprache sprach Bände: Kappe runter, Hand in die Hüfte – der Ärger war offensichtlich.
Ein herbeigerufener Referee stellte klar, dass dies einen Strafschlag nach Regel 9.4b zur Folge hatte. Diese besagt, dass ein Spieler einen Strafschlag erhält, wenn er seinen ruhenden Ball absichtlich berührt oder bewegt. Hierbei gibt es fünf Ausnahmen, von denen keine auf Hisatsunes Fall zutraf.
- Spieler darf Ball aufnehmen oder bewegen, weil es eine Regel erlaubt oder verlangt.
- Der Ball wurde versehentlich beim Versuch, ihn zu finden oder zu identifizieren, bewegt.
- Der Ball wurde versehentlich auf dem Grün bewegt.
- Der Ball wurde versehentlich bei der Anwendung einer Regel bewegt.
Der Ball bewegt sich, nachdem er an Spieler oder Ausrüstung zur Ruhe gekommen ist.
Der Ball wurde an seine ursprüngliche Position zurückgelegt. Hisatsune spielte weiter und notierte am Ende ein Doppel-Bogey. Besser wurde es danach nicht. Auf der Neun folgte das nächste Bogey und auf der 13 sogar ein Triple-Bogey. Mit einer 77 (+6) unterschrieb Hisatsune schließlich eine enttäuschende Schlussrunde und landete mit Even Par auf dem geteilten 51. Rang – 15 Schläge hinter dem Turniersieger Neergaard-Petersen.
Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:
Das ist ein äußerst ärgerlicher Regelfall, der mir selbst auch schon einmal passiert ist. Man hantiert lässig bis nachlässig mit dem Schläger herum, und plötzlich übernimmt die Schwerkraft die Regie. Das wäre halb so wild, wenn nicht gleichzeitig der Ball auf Kollisionskurs mit dem Schläger liegen würde – und schon ist es passiert.
Die anwendbare Regel wird in dem Text bereits korrekt beschrieben. Der Spieler hat (indirekt) dafür gesorgt, dass sich sein Ball bewegt hat, auch wenn er das mit Sicherheit nicht so geplant hatte. Man darf davon ausgehen, dass dem Spieler dies nicht noch einmal passiert. Nicht, weil er besser aufpasst – das ist gar nicht nötig. Ein solcher Zufall ist so unwahrscheinlich, dass er jedem Spieler höchstens einmal begegnet.








