Ready for Take-off: So will Donald Europa zum Sieg steuern
Billie Jean King, die Tennis-Ikone der 70er-Jahre, hat einmal gesagt: „Pressure is a privilege!“, Druck sei also ein Privileg. Sie scheint davon so überzeugt zu sein, dass sie sogar ihre Memoiren unter diesem Titel veröffentlichte. Wer bei den US Open in New York – wir sind immer noch beim Tennis, wechseln aber gleich zum Golf – den Center Court betreten darf, wer also so privilegiert ist, im größten Tennisstadion der Welt zu spielen, dem Arthur Ashe Stadium, der kommt an den bekannten Worten der zwölfmaligen Grand-Slam-Siegerin nicht vorbei. Auf einer silberfarbenen Tafel zieren sie den Eingang in die Riesenschüssel und erinnern alle, die hier vorbeikommen, daran, dass das Gefühl von Druck auch bedeutet, Grenzen zu verschieben, sich selbst herauszufordern und Großes erreichen zu können.
Donald: „Ich kann mit Druck leben“
Das meint vermutlich auch Luke Donald, Europas Ryder-Cup-Kapitän, wenn er sagt: „No pressure, no diamonds.“ Nur unter Druck also entstehen Diamanten. „Ich kann mit Druck leben, wenn die Arbeit gemacht ist“, sagt Donald. Vor dem Duell auf dem Bethpage Black Course in New York hat er sein Zwölf-Mann-Team komplettiert – sechs automatisch qualifizierte Profis, sechs sogenannte Captain’s Picks. Er musste am Ende entscheiden – und er trägt damit die größte Verantwortung. Jetzt, sagt Donald, könne Europa „als eine Mannschaft“ nach vorn schauen, Botschaften schärfen und Abläufe einüben.
Die Besten müssen punkten
Dass der Job des Kapitäns längst Vollzeit ist, zeigt ein Blick hinter die Kulissen (s. Video unten). Donald und sein Stab analysieren Formkurven, Team-Kontinuität, machen sich Gedanken über die Chemie in der Mannschaft und zu Konstellationen möglicher Duos – immer mit Blick auf den Platz: Wie passen die Persönlichkeiten der Spieler zum Kurs? Ein Kernprinzip bleibt unverändert: Die Topspieler müssen punkten. „Wenn deine drei, vier Besten einen großen Batzen Zähler holen, knackst du die 14,5 Punkte“, sagt Donald mit Blick auf den Heimsieg in Rom vor zwei Jahren.
Heimvorteil spricht für die USA
Klar ist vor dem ersten Abschlag in New York: Die Amerikaner kommen mit einer beeindruckenden Leistungsdichte in der Mannschaft und sie bringen die Nummer eins der Welt, den in dieser Saison alle überragenden Scottie Scheffler. Zudem spricht der Heimvorteil für die USA. „Wir erwarten ein sehr forderndes Umfeld“, sagt Donald. „Aber wenn man für die Jungs eine Kultur schafft, in der sie gedeihen, kann das den Unterschied machen.“ Auch der Platz wird zum Faktor. Traditionell richten Gastgeber in den USA die Kurse offen aus, mit weniger Rough und Scoring-Möglichkeiten – ein Profil, das aggressives Spiel belohnt. Donald sieht sein Team darauf eingestellt: Viele Europäer sind auf der PGA Tour zu Hause. Für das Duell gegen die USA wertete der Trainerstab Statistiken aus: „Guter Driver, etwas Länge – das fließt in unsere Entscheidungen ein.“
Ein Haken für die Egos
Bei der Teamkultur baut Europa auf Bewährtes. Das Credo: „Draußen hängt ein Haken für Egos. In der Kabine ist kein Platz dafür.“ Das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein, hat Europa immer wieder getragen – von legendären Pärchen wie Seve Ballesteros/José María Olazábal bis hin zum „Miracle of Medinah“ 2012, als Martin Kaymer den Putt zur Titelverteidigung in den USA verwandelte. Majors können diese Art der Emotionen nicht kreieren. Das kann nur der Ryder Cup.
Nun richtet sich der Blick auf das letzte September-Wochenende 2025. Donald setzt mit seinen Nominierungen auf Leistung, Erfahrung und zuletzt bewährte Achsen: Shane Lowry („infektiöse Energie“), Jon Rahm („setzt den Standard, was der Ryder Cup bedeutet“), Sepp Straka (zweifacher PGA-Tour-Sieger in der Saison), Viktor Hovland („arbeitet so hart wie keiner“), Ludvig Åberg („vom Debüt in Rom weiter gestärkt“) und Matt Fitzpatrick („in Topform“). „Viele Gesichter aus Rom – das zeigt, wie gut diese Spieler sind“, sagt Donald. Und weiter: „Sie wissen, was das Wappen auf dem Shirt bedeutet.“
Donald: „Das bestvorbereitete Auswärtsteam, das Europa je hatte.“
Gleichzeitig bleibt er realistisch. „Ich sage nicht, dass wir in Bethpage gewinnen – es wird unglaublich schwer“, betont Europas Kapitän. „Aber wir werden wahrscheinlich das bestvorbereitete Auswärtsteam sein, das Europa je hatte.“ Entscheidend laut Donald: die Leistung „in einem feindseligen Umfeld“ abzurufen – um die 14,5 Punkte zu erzielen, die zum Sieg nötig sind.
Die Geschichte lehrt: Auswärtssiege sind selten, aber möglich. Für Europa, das zuletzt 2012 in der Fremde gewann, sogar wahrscheinlicher als die für USA, die seit 1993 nur noch zuhause siegten. Team Europe zieht Motivation aus den wenigen, dafür umso größeren Momenten jenseits des Atlantiks. Druck werden alle spüren am kommenden Wochenende. Spannend bleibt, wer am besten mit ihm umgeht.










