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Beschwerte sich öffentlich über die Regelentscheidung beim Q-School-Event der PGA Tour in Georgia: James Nicholas. | © 2025 Getty Images

Q-School-Chaos: Abbruch sorgt für Frust

Bei der Second Stage der PGA-Tour-Q-School in Georgia kam es zu einem bitteren Abbruch, durch den zahlreiche Träume von einer Tourteilnahme jäh beendet wurden. An der Station im Kinderlou Forest Golf Club in Valdosta wurde die Finalrunde am Freitag kurz nach Mittag wegen starken Regens unterbrochen und später komplett gestrichen. Die Wertung wurde daraufhin auf den Stand nach 54 Löchern zurückgesetzt. Dadurch rutschten mehrere Spieler aus den entscheidenden Top 15 und verpassten den Einzug in die Final Stage.

 

Besonders hart traf es James Nicholas. Der 28-Jährige lag nach 13 gespielten Löchern der Schlussrunde bei sechs unter Par und damit innerhalb der Qualifikationsplätze. Durch die Annullierung der vierten Runde fiel er jedoch noch auf Rang 16 zurück – letztlich fehlte ihm ein einziger Schlag zum Weiterkommen. Auf Instagram ließ Nicholas seinem Frust freien Lauf: „Man bereitet sich auf vier Runden vor, spielt entsprechend – und dann ist plötzlich alles vorbei. Viele hätten die Runde locker zu Ende spielen können. Das System ist einfach brutal.“

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Grundlage für die Entscheidung war ein Passus im Regelwerk der Q-School: Ein Turnier darf nur dann auf einen zusätzlichen Tag verlängert werden, wenn mindestens die Hälfte des Teilnehmerfelds ihre Runde bereits beendet hat. Das war in Valdosta nicht der Fall, da die erste Gruppe zwar schon am 17. Loch stand, die letzte aber erst am achten. Damit war ein Weiter- oder Nachholen der Runde regeltechnisch ausgeschlossen.

 

Nicholas kritisierte vor allem die mangelnde Planbarkeit für die Spieler: „Hätten wir gewusst, dass es nur drei Runden gibt, hätten viele gestern aggressiver gespielt. Die Regeln mögen so vorgesehen sein, aber sie gehören geändert.“ Auch der finanzielle Aspekt sorgt für Kopfschütteln: Startgeld, Reisen, Unterkunft und Mietwagen summieren sich schnell auf mehrere Tausend Dollar – ein enormer Einsatz für eine Entscheidung, die innerhalb weniger Minuten zunichte gemacht werden kann.

Für viele die wohl wichtigste Woche des Jahres

Nicholas erhielt prominente Unterstützung von Kollegen wie Cooper Dossey und PGA-Tour-Profi Michael Kim, der sich an ein ähnliches Erlebnis aus seiner eigenen Korn-Ferry-Zeit erinnerte. Beide kritisierten öffentlich, dass bei der Q-School, für viele die wohl wichtigste Woche des Jahres, nicht alles getan werde, um die vollen 72 Löcher auszuspielen.

 

Neben Nicholas verpassten auch Gunnar Broin und Jonathan Brightwell den Cut, obwohl sie zum Zeitpunkt der Unterbrechung aussichtsreich im Rennen lagen. Andererseits gab es auch Profiteure der Entscheidung: Spieler, die ohne Abbruch eventuell noch aus den Top 15 gefallen wären.

 

Nach diesem Vorfall dürfte die Diskussion um die Regularien der Q-School neuen Zündstoff bekommen. Denn in Georgia wurde einmal mehr deutlich, dass der Kampf um die Tourkarte manchmal genauso gnadenlos ist wie die Regeln.

Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:

„Je mehr es ums Geld geht und je größer die Verantwortung der jeweiligen Spielleitung ist, eine angemessene Entscheidung zu treffen, desto mehr wird diese Verantwortung vorab reduziert, indem einheitliche bzw. eindeutige Regeln aufgestellt werden. Beispielsweise wird darin festgelegt, unter welchen Umständen eine unterbrochene Runde am nächsten Tag fortgesetzt wird. Solche vorab getroffenen Bestimmungen schützen die Spielleitung auch davor, dass ihr Willkür oder Voreingenommenheit unterstellt wird, wenn sie Entscheidungen trifft, die bestimmten Spielern helfen oder andere benachteiligen. 

 

Doch wie soll die Grenze gezogen werden, ab wann eine unterbrochene Runde annulliert wird und ab wann sie am nächsten Tag fortgesetzt wird? Jede in der Vergangenheit einmal getroffene Entscheidung einer Spielleitung würde als Präzedenzfall angesehen werden, obwohl die Situation im aktuellen Turnier vielleicht entscheidend anders liegt. Eine Spielleitung würde sich nur angreifbar machen, wenn sie selbst über das weitere Vorgehen entscheiden würde.

 

Aus diesem Grund gibt es eine einheitliche Regelung, die sich auf die bereits gespielten Löcher bzw. die Anzahl der abgeschlossenen Runden bezieht. Eine solche Abfrage ist neutral und berücksichtigt weder bestimmte Spieler noch aktuelle Leistungen. Nur so kann unabhängig entschieden werden, wie verfahren wird. Natürlich wird das Ergebnis einer solchen Überprüfung dem einen oder anderen Spieler weniger passen. Würde man anders entscheiden, wären wieder andere Spieler unzufrieden.

 

Diese Bestimmungen über eine Spielfortsetzung oder Annullierung der Runde sind deshalb genauso zu betrachten wie gutes oder schlechtes Wetter. Dem einen ist es zu warm, dem anderen zu kalt. Das ist einfach so, und es muss ein Verfahren geben, das unabhängig von Person oder Ergebnis eine Entscheidung trifft. Genau das ist hier passiert. Die Presse kann lange darüber schreiben, dass die Spieler unglücklich sind oder die Entscheidung umstritten wäre. Es war eine im Voraus bekannte Option für eine plötzlich auftretende Situation.

 

Als Referee würde man es gerne jedem recht machen, aber selbst das ist unmöglich, ohne dass die Reklamation käme, man würde Spieler bevorzugen. Also verfahren wir nach den Regeln.” 

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