Zwei Disqualifikationen – zwei unterschiedliche Gründe
Eine Disqualifikation auf Profiebene ist selten geworden – umso bemerkenswerter, dass gleich zwei Tourspieler an diesem Wochenende ihre Turniere vorzeitig beenden mussten. Während Chang-woo Lee bei der Moutai Singapore Open der Asian Tour nicht einmal zum ersten Schlag kam, erwischte es Muni He bei der Aramco China Championship der Ladies European Tour nach der zweiten Runde. Die Gründe könnten unterschiedlicher kaum sein.
Chang-woo Lee: Verspätung über die Fünf-Minuten-Grenze hinaus
Für Chang-woo Lee endete die Moutai Singapore Open, ein Turnier der International Series, noch bevor es begonnen hatte. Der 30-jährige Südkoreaner erschien fünf Minuten und 23 Sekunden nach seiner offiziellen Startzeit am zehnten Abschlag und verletzte damit eine der striktesten Regeln des Spiels.
Die Regularien sind eindeutig:
- Innerhalb von fünf Minuten nach dem regulären Startzeitpunkt: zwei Strafschläge
- Nach fünf Minuten: Disqualifikation
Da Lee die Toleranzzeit um 23 Sekunden überschritt, blieb den Regeloffiziellen keine Wahl. Besonders bitter: Es wäre Lees vierter Start in der International Series in dieser Saison gewesen, in der er sich nach einer Reihe verpasster Cuts zuletzt stabilisiert hatte. Die verpasste Chance könnte zudem Auswirkungen auf die Qualifikation für LIV Golf 2026 haben, denn nur die zwei besten Spieler der International Series steigen dort auf.
Muni He: Starker Auftritt, falsche Scorekarte
Bei Muni He sah die Situation ganz anders aus. Die Chinesin spielte in Shenzhen vor heimischem Publikum eine solide Woche und unterschrieb Runden von 69 und 73 Schlägen – zumindest glaubte sie das. Nach ihrer zweiten Runde stellte sich jedoch heraus, dass die 26-Jährige eine falsche Scorekarte unterschrieben hatte. Dies führt gemäß Regelwerk unweigerlich zur Disqualifikation.
He äußerte sich später auf Instagram: „Dies ist das erste Mal in 20 Jahren Wettkampfgolf, dass mir so etwas passiert. Ich bin sehr enttäuscht, dass es ausgerechnet hier in China vor meinen Fans geschah. Aber ich übernehme die volle Verantwortung.“
Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:
„Disqualifikationen sind immer lästig. Betroffen sind nicht nur die Spieler, die in erster Linie die Leidtragenden sind, sondern auch die Spielleitung. Diese wird nach einer solchen Entscheidung oft von Personen ohne jede Verbindung zu dem disqualifizierten Spieler nach den Gründen und der Notwendigkeit gefragt. Es gibt Disqualifikationen, bei denen man nach längerer Abwägung zu dem Schluss kommt, dass diese Strafe unvermeidlich ist. Dabei ist es noch nachvollziehbar, wenn man gefragt wird, ob es eine Alternative gegeben hätte.
Wenn ein Spieler jedoch mehr als fünf Minuten zu spät zum Abschlag kommt und keinen wichtigen Grund angibt, warum die Disqualifikation in zwei Strafschläge abgewandelt werden sollte, wird der Fall gar nicht erst beraten. Der im Sekretariat anwesende Referee trifft die Entscheidung dann entsprechend den vorliegenden Fakten, denn hier gibt es keine Möglichkeit, den Spieler noch zu „retten“.
Das Gleiche gilt für ein zu niedriges Ergebnis auf der Scorekarte, das durch ein Versehen des Zählers und die Unaufmerksamkeit des Spielers bei der Kontrolle seiner Ergebnisse zustande gekommen ist.
Wer einem im Falle einer Disqualifikation wegen Verspätung am ersten Abschlag am meisten leidtut, sind jedoch die beiden Spieler, die die Runde nun als Zweiergruppe spielen müssen und bei jedem Schlag warten müssen, da alle anderen Gruppen mit drei Spielern unterwegs sind."








