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Ein Blick sagt mehr als tausend Worte: Wolfgang Glawe hatte mit seinen Teamkameraden großartig gekämpft. Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann gratuliert zur Leistung, aber glücklich ist das Junior Team Germany nicht mit dem Verlauf der Zählspielqualifikation | © DGV/STEBL

Nervenzerfetzende Spannung in Estland

Tallinn/Estland – Nur die besten acht Mannschaften spielen ab dem dritten Wettkampftag in Flight A im Viertelfinale und erhalten ihre Chance auf Edelmetall. Im Flight B geht es nur noch um die Plätze 9 bis 16, vor allem aber um den Klassenerhalt.
 

Den gesamten Tag über war es ein zähes Ringen um diesen achten Platz. Zwischenzeitlich lagen fünf Mannschaften, darunter auch die absoluten Schwergewichte England und Schweden im Livescoring innerhalb von nur zwei Schlägen, sodass alles möglich war. Allen Beteiligten war klar: Diese Entscheidung stand auf Messers Schneide. Jeder einzelne Schlag konnte den Unterschied machen.
 

Deutschland hatte am zweiten Tag frühe Startzeiten und war dadurch schon am Nachmittag fertig. Der Gesamtscore lag bei fünf unter Par, wobei Wolfgang Glawe, der als letzter gestartet war, an diesem denkwürdigen Tag auch den tiefsten Score in Schwarz-Rot-Gold in die Wertung brachte. Der Sportsoldat vom GC Hubbelrath hatte eine blitzsaubere Front Nine absolviert und lag beim Kreuzen auf die Back Nine bei vier unter Par.
Auf Loch 10, einem kurzen Par 3, musste Glawe sein erstes Bogey notieren und auch auf Loch 11 verlor der 23-Jährige einen Schlag.
Bei seiner fünften Team-EM zeigte Glawe sein großes Kämpferherz und ließ sich von den beiden Bogeys nicht den Schneid abkaufen. Zwei Birdies später sah alles wieder freundlicher aus.

Auf Loch 16, einem Par 4 uphill, reichte der zweite Schlag des Deutschen nicht ganz bis auf das Grün. Der Chip ließ noch zu viel Arbeit übrig, zwei Putts später stand das Bogey auf der Karte.

Mit seinem siebten Birdie stellte Wolfgang Glawe den Score wieder auf vier unter Par und den Teamscore aus zehn gewerteten Runden auf fünf unter Par.

Das Zittern ging weiter

Die Hochspannung war damit aber keineswegs vorbei. Zwar hatten alle sechs Deutschen ihre Runden beendet, doch etliche direkte Konkurrenten waren noch auf dem Platz. Das Livescoring wurde im deutschen Lager zum ständigen Blickfang. Jedes Birdie, jedes Bogey und jeder größere Ausschlag bei England, Schweden, Italien oder den weiteren Teams im Kampf um Rang acht veränderte die Lage. Am Ende waren es die Italiener, die auf den letzten Löchern die nötigen Birdies fanden und Deutschland noch auf den neunten Platz verdrängten.

Erste Reaktion

„Das war ein ganz bitterer Tag. Wir haben bis zum Ende gekämpft. Jeder von uns hätte sich heute ein oder zwei Schläge sparen können. Das hat am Ende den Unterschied ausgemacht“, war Wolfgang Glawe am Abend, als alle Mannschaften ihre zweite Runde beendet hatten, enttäuscht.

Enttäuschung und Blick voraus

Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann war mit dem Abschneiden in der Zählspielqualifikation natürlich nicht zufrieden, konnte seinen Schützlingen aber auch keinen Vorwurf machen: „Zweifellos ist das vom Ergebnis her eine Enttäuschung. Ich kann den Tag nicht als Misserfolg werten. Die Mannschaft hat definitiv alles gegeben und hat auch ein ganzes Stück bessere Scores gespielt als gestern. Insgesamt ist das Feld aber besser gewesen. Die Windrichtung hat gedreht, möglicherweise hat das den Platz etwas einfacher gemacht. Auf jeden Fall haben die anderen wirklich aufgedreht und bessere Ergebnisse gespielt. Deswegen sind wir dann auf Platz neun zurückgefallen. Das ist für uns wirklich enttäuschend. Ich glaube, dass die Mannschaft es in sich gehabt hätte, hier in den ersten Flight zu kommen und dann auch in den Matchplays aufzuzeigen, dass sie vielleicht auch zu noch Größerem in der Lage gewesen wären. Aber hätte, wäre, wenn, ist nicht unsere Art. Wir haben dieses Ergebnis anzunehmen und das tun wir natürlich auch. Jetzt ist es an uns, in der unteren Tabellenhälfte dafür zu sorgen, dass wir der Best of the Rest sind. Wir werden dort mit allem, was uns an Kampfkraft zur Verfügung steht, zu Werke gehen. Es ist jetzt die Aufgabe der Betreuer, die Spieler abzuholen und dann auf die Platzierungsspiele im unteren Bereich vorzubereiten. Wir halten den Druck hoch, denn es darf uns auf keinen Fall passieren, dass wir nicht unsere Pflicht erfüllen und die Klasse erhalten.“
 

Erste Nagelprobe der neuen Aufgabe wird der Vergleich mit Polen sein. „Wir werden diese Aufgabe mit voller Leidenschaft angehen und versuchen, die Polen niederzuringen. Die haben nichts zu verlieren. Wir werden unser golferisches Können, aber auch unsere Kampfkraft in die Waagschale werfen. Mit allem, was uns zur Verfügung steht“, schwört der erfahrene Coach sein Team auf den dritten Wettkampftag ein.

Erste Kurzanalyse

Unter dem Eindruck, über Stunden die Hochspannung erlebt zu haben, die man eigentlich in der Form als Trainer gar nicht haben möchte, fasste Christoph Herrmann einige Punkte zusammen, die das Ergebnis erklären: „Wenn man sich die Scores des Feldes ansieht, haben wir mit Wolfgang Glawe ein ordentliches Ergebnis erzielt. Auch Emil Riegger hat unter Par gespielt. Wir haben sicherlich viel liegen lassen. Finn Kölle hatte bis Sonntag mit der Teilnahme an der BMW International Open ein bisheriges Karriere-Highlight erlebt. In München war er der beste Amateur und hat eine Top-30-Platzierung gemacht. Solche Wochen lösen bei jungen Spielern brutal viel aus. Nach einem solchen, emotionalen Höhepunkt kann es schwer sein, wenige Tage später bei einer Team-EM sofort wieder in eine ganz andere Rolle und Verantwortung hineinzufinden. Das ist kein Vorwurf an Finn! Er ist sicherlich ein Spieler, der bessere Scores spielen kann, als ihm das hier bisher gelungen ist. Ähnliches haben wir in der Vergangenheit immer wieder erlebt.“

Auch das Fehlen von Tim Wiedemeyer fiel sportlich ins Gewicht. Der frisch gekürte Europameister hatte unmittelbar danach im Arnold Palmer Cup gespielt und steht nun vor seinem Start bei The Open. Angesichts dieser außergewöhnlichen Belastung war gemeinsam entschieden worden, auf einen zusätzlichen Einsatz bei der Team-EM zu verzichten

Einmal schütteln und weiter

Nach der Zählspielqualifikation ist vor den Matchplays. Nach einer ersten Enttäuschung muss nun die Konzentration wieder auf das höchste Level gebracht werden: „Wir haben mit dem Betreuerteam und den Spielern wirklich alles versucht, vom ersten bis zum letzten Golfschlag. Und wir sind eben leider knapp aus den ersten acht Teams rausgeflogen. Jetzt heißt es, sich zu sammeln, sich einmal schütteln und ab morgen die neue Aufgabe anzunehmen. So ist der Leistungssport. Es gibt immer am nächsten Tag eine neue Aufgabe und unser Motto „immer weiter“ wird uns tragen. Wir werden als ein Team Seite an Seite, Schlag für Schlag, Schulter an Schulter da durchgehen, kämpfen und diese Herausforderung annehmen.“


Flight B

Die Scores der Deutschen liegen alles in allem dicht beieinander. Es  gab keine Ausfälle, aber auch keine echten Ausreißer nach oben. Homogen durch und durch. Was im Zählspiel mitunter kein Vorteil ist, kann in den Matchplays ein echtes Plus sein. Im ersten Duell geht es gegen Polen. Die Osteuropäer haben mit gesamt +42 den 16. Platz erspielt.

Die acht Mannschaften spielen im Matchplay um den Klassenerhalt. Die Teams, die am Ende die Plätze 14 bis 16 belegen, steigen in die 2. Division ab.


Startzeiten

An den kommenden Tagen wird das deutsche Team jeweils einen Vierer und vier Einzel absolvieren. Im Vierer gegen Polen werden um 11.48 Uhr Tom Haberer und Tjelle Rieger gemeinsam versuchen, den ersten Punkt für Deutschland zu gewinnen.
Wolfgang Glawe geht im ersten Einzel um 11.58 Uhr raus. Es folgen Emil Riegger um 12.06 Uhr, Carl Siemens um 12.14 Uhr und Finn Kölle um 12.22 Uhr.


Livescoring >>>


Endstand Zählspielqualifikation

Teamwertung
1. Finnland  -27
...
8. Italien  -7
9. Deutschland  -5
...


Einzelwertung
1. Nevill Ruiter  -9
T13 Wolfgang Glawe -4
T36 Emil Riegger -1
T36 Carl Siemens -1
T54 Finn Kölle +1
T62 Tom Haberer +2
T66 Tjelle Rieger +3

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