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Lottie Woad ist der neue Stern am europäischen Golf-Himmel. Seit Juli 2025 ist die ehemalige Nummer eins der Amateur-Weltrangliste Profi. | © LET/Mark Runnacles

Lottie Superstar

Irgendwie ist es fast ärgerlich, wenn du als Amateurin ein Profi-Turnier gewinnst. Also so rein pekuniär. Lottie Woad hätte für ihren Sieg bei der Irish Open und ihren dritten Platz bei der Evian Championship rund eine halbe Million Euro kassiert. Wäre sicher ganz nett gewesen so für die Reisekasse. Hat sie aber nicht. Problem: Die 21-jährige Engländerin war Anfang Juli 2025 noch Amateurin und durfte als solche keine Gage kassieren. Das hat ihr wohl gereicht. Bei der Scottish Open wenige Tage später startete sie erstmals als Professional. Soll ihr ja nicht wieder ein dicker Scheck durch die Lappen gehen. So ein Leben auf der Tour bringt eben auch ein paar Fixkosten mit sich.

 

Aber wer ist die junge Dame überhaupt? Charlotte Woad kommt am 17. Januar 2004 in Farnham, Surrey, England, zur Welt. Eine beschauliche Stadt mit 28.000 Einwohnern, viel Historie und Kultur sowie einer Partnerschaft mit Andernach in Rheinland-Pfalz. Die Eltern Rachel und Nick Woad golfen ebenso wie ihre jüngere Schwester Millie, die im Alter von zwölf Jahren schon ein erstes Hole-in-One bejubelt. Zum kleinen, weißen Ball bringt die Woad-Mädels aber der Opa, der Lottie die ersten Schläger schenkt, als die gerade drei Jahre alt ist. Zur selben Zeit erscheint der letzte Harry-Potter-Band in den Läden Europas. Und ein junges Mädchen macht sich knapp eine Autostunde südwestlich von London auf, die Golfwelt zu erobern und auf den Plätzen Britanniens zu zaubern.

Lottie Woad ist nicht nur eine hervorragende Schülerin mit Bestnoten in Spanisch, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und so weiter. Sie ist schon früh eine großartige Sportlerin und kickt im Leistungszentrum des Southampton FC. Noch erstaunlicher sind ihre Ergebnisse im Golf, was den Verantwortlichen des Farnham GC nicht verborgen bleibt. Der Club ist typisch britisch, viele Bäume, eine lange Geschichte (gegründet 1896) und sehr stolz auf seine prominenteste Athletin, die er gleich mehrmals auf seiner Website an vorderster Stelle präsentiert. 2022 gewinnt sie die Girls Amateur Championship in Carnoustie und triumphiert sage und schreibe 7&6 im Finale gegen die Spanierin Cayetana Fernandez Garcia-Poggio. Spannend wollte sie es wohl nicht machen.

 

Im selben Jahr schreibt sie sich an der Florida State University ein, studiert Sportmanagement, bricht zahlreiche Rekorde für das College-Golf-Team und entwickelt ihr außerordentliches Talent weiter und weiter. Die „Seminoles“ schreiben auf ihrer Website über ihren Star: „the most decorated player in the history of the Florida State University Women's Golf program“. Kurz: Eine Bessere war zuvor noch nicht da. Ihr Schwungcoach Luke Bone: „Lotties Erfolg ist für viele aus heiterem Himmel gefallen, die nicht wussten, wer sie war. Sie ist eine sehr beeindruckende junge Dame. In ihrer Heimatstadt Farnham sind sie total begeistert und setzen viel Geld auf sie.“ Wohl nicht ganz zu Unrecht. 2024 gewinnt sie das Augusta National Women's Amateur (ANWA), wird die neue Nummer eins der Amateur-Welt (später von Helen Briem abgelöst) und holt die Tickets für vier der fünf Damen-Majors. Inzwischen kennen alle auf der großen Bühne ihren Namen.

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Bei der Irish Open 2025 siegt sie mit unglaublichen sechs Schlägen Vorsprung. Die 1,73 Meter große Engländerin (Equipment: Titleist) schießt 21 unter Par und besiegelt ihren Platz in den Geschichtsbüchern als erste Amateurin, die seit 2022 auf der Ladies European Tour triumphiert. Und die Erfolge setzen sich fort. Rang drei bei der Evian Championship in Frankreich, wo sie das Stechen um den Sieg nur um einen Schlag verpasst. Und jetzt der Sieg bei der Scottish Open - bei ihrem ersten Turnier als Pro. Aufs Preisgeld muss sie nicht mehr verzichten. Die Amateurzeit ist vorbei. Europa hat eine große Hoffnung mehr. Und übrigens: Der nächste Solheim Cup steht 2026 in den Niederlanden an. 

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