Försterling führt, Noja Zweite
Der Nord Course in Green Eagle gehört zu den anspruchsvollsten Plätzen im Kalender der Ladies European Tour – und am Samstag zeigte er, warum. Starker, wechselhafter Wind machte Runde drei des Amundi German Masters powered by VcG von Beginn an zur Geduldsprobe, zwischenzeitlich verschärfte ein Hagelschauer die Bedingungen zusätzlich. Das Ergebnis war eindeutig: Von 63 Spielerinnen, die nach dem Cut antraten, schafften es gerade einmal zehn, ihre Runde unter Par zu beenden. Der Nord Course zeigte Zähne. Der erstaunlichen Dichte deutscher Teilnehmerinnen an der Spitze des Feldes taten die schwierigen Bedingungen keinen Abbruch.
Allen voran meisterte Alexandra Försterling diese enorm schwierige Aufgabe mit verblüffender Stabilität. Die Berlinerin, die das Turnier vor zwei Jahren am Seddiner See gewonnen hatte, drehte vor allem in der zweiten Hälfte der Runde so richtig auf. Vier Birdies in Serie lochte die 26-Jährige aus dem National Team Germany nach einer ausgeglichenen ersten Neun zwischen Loch 12 und 15 – und übernahm dank dieses Birdie-Laufs die Führung. Am Ende war ihre 69 (-4) ein Ergebnis, das keine andere Spielerin unterbieten konnte, und hatte zur Folge, dass sie den Finaltag des LET-Gastspiels in Deutschland mit einem Gesamtergebnis von -10 von der Spitze eröffnen wird.
Försterling: Beständigkeit als Schlüssel
„Ich bin wirklich glücklich", kommentierte Försterling. „Ich spiele im Moment solides Golf und bin insgesamt einfach zufrieden mit meiner Leistung. Auf den hinteren neun Löchern gelang es mir, den Ball näher an die Fahne zu schlagen, und plötzlich fielen die Putts. Das Birdie auf der 14 war besonders wichtig. Danach habe ich den Schwung einfach mitgenommen."
Försterlings starke Vorstellung bisher kommt keineswegs überraschend. Bereits vier Top-Fünf-Ergebnisse hatte die viermalige Tour-Siegerin in dieser Saison erzielt. „Der Schlüssel in dieser Saison war Beständigkeit. Ich mache nicht viele Fehler, mein langes Spiel ist stabil und mein Putter funktioniert zeitweise gut. Insgesamt war es bisher eine konstante Saison, und damit bin ich wirklich zufrieden."
Noja im Aufwind
Chiara Noja war vorsichtig optimistisch nach Norddeutschland gereist, was ihre Form betrifft. Die 20-Jährige hatte sich in den vergangenen Monaten eine Auszeit von der Tour gegönnt, um intensiv an ihrem Spiel zu arbeiten. Das Gastspiel in Winsen an der Luhe passte ganz gut, um sich auf der Ladies European Tour zurückzumelden.
Am Samstag konnte die Gewinnerin der Aramco Team Series Jeddah 2022 an ihre gute Form der Vortage anknüpfen. Fünf Birdies, drei Bogeys, der Rest in Par – so die Tagesbilanz der gebürtigen Berlinerin mit Wohnsitz in Dubai. Mit einem Gesamtergebnis von -8 ist Noja schlaggleich mit der Tschechin Sara Kouskova, die eine Par-Runde unterschrieb, Försterlings engste Verfolgerin.

„Nach der langen Pause bin ich ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz auf mich", analysierte Noja. „Ich hätte nicht unbedingt damit gerechnet, in dieser Position zu sein, deshalb bin ich positiv überrascht. Wenn es Richtung Schlussgruppe geht, wird das natürlich eine besondere Atmosphäre. Hoffentlich spielt das Wetter mit und es kommen viele Zuschauer – das macht es für uns alle noch schöner. Wenn es morgen statt Hagel vielleicht Sonne gäbe, hätte ich auch nichts dagegen."
Harm mit abwechslungsreicher Par-Runde
Leonie Harm freute sich am Samstag darüber, dass ihre Ballkontakte deutlich besser waren als noch am Vortag, was sich auch im Ergebnis widerspiegelte. Ihre Par-Runde war eine der besseren an diesem Moving Day und hält die Stuttgarterin in der Spitzengruppe. Ihre Bilanz: Zwei Bogeys, zwei Birdies, 73 Schläge und Position vier (-6 total) vor dem Finale schlaggleich mit Anna Huang aus Kanada, vier Schläge hinter ihrer Kollegin aus dem National Team Germany.
„Meine Golfschläge hatten heute wieder etwas mit der Mitte der Schlagfläche zu tun", freute sie sich. „Es war schwierig – die Fahnenpositionen, der Wind, die Länge des Platzes, die Bedingungen. Mit meiner Par-Runde bin ich glücklich, ich habe das Ergebnis gut zusammengehalten und ein paar starke Putts gelocht, einen sogar aus dem Rough. Es gab definitiv gute Momente. Ich kann mir heute nicht viel vorwerfen und freue mich auf das Finale."

Henseleit mit 77, Fünfstück feiert auf der 18
Nicht zur Form der ersten Turniertage fand hingegen Esther Henseleit am Samstag. Die beste deutsche Golferin musste auf ihren ersten Neun gleich zwei Doppelbogeys verkraften und lag zur Hälfte bereits bei drei über Par. Im weiteren Verlauf stabilisierte sich das Spiel der Norddeutschen, die als Führende in den Tag gestartet war. Am Ende kam die Nummer 45 der Welt aber nicht über eine 77 (+4) hinaus und wird den Finaltag als Verfolgerin eröffnen. Mit einem Gesamtergebnis von -5 (T6) fehlen ihr fünf Schläge auf die Spitze.
Laura Fünfstück begeisterte die Zuschauer auf der 18. Bahn, indem sie ihren etwa fünf Meter langen Putt zum Birdie versenkte. Auch die 31-Jährige aus dem National Team Germany war glücklich über einen schönen Schlusspunkt einer Runde, an deren Ende eine 74 (+1) stand. Nach neun Pars auf den ersten Neun kam mit zwei Birdies und drei Schlagverlusten etwas Bewegung in die Scorekarte.
„Ich habe mich darüber gefreut, dass an der 18 endlich mal ein Putt gefallen ist, aber irgendwie wollte es nicht so laufen", erklärte die in London lebende Hessin. „Ich habe nicht schlecht gespielt, aber es war nicht einfach. Der Wind war böig, zwischendrin habe ich drei verschiedene Windrichtungen gemerkt. Das macht die Kalkulation nicht einfacher. Ich hatte gehofft, etwas näher an der Spitze zu sein vor dem Finale, aber wir werden sehen, was passiert."
Sensationelle Gesamtbilanz aus deutscher Sicht
Es war erneut ein packender Tag in Green Eagle – und das in vielerlei Hinsicht. Aus deutscher Sicht ist die Situation vor der Finalrunde vielversprechend. Försterling in Führung, Noja auf Position zwei und mit Harm, Henseleit und Fünfstück drei weitere Asse unter den besten Zehn.
Darüber hinaus hatten auch Helen Briem (T20), Celina Sattelkau (T26), Verena Gimmy (T34), Sophie Witt (T43) und Sophie Hausmann (T63) den Cut geschafft.







