Ein Blick in die Statistik: Was die Elite auszeichnet
„Drive for show, putt for dough.“ Ein in der Golfwelt noch immer präsenter Satz, der aussagt, dass das Putting der wichtigste Teilbereich im Golf ist. Moderne Statistiken wie „Strokes Gained” zeichnen ein anderes Bild – nicht für jeden, aber für viele. Und vor allem für die Besten der Welt.
War die individuelle statistische Auswertung lange begrenzt auf Werte wie „Putts pro Runde”, „getroffene Fairways” oder „geschaffte Up-and-Downs” kam mit den von Statistik-Professor Mark Broadie entwickelten Strokes-Gained-Werten ein entscheidendes neues Element hinzu: Der Vergleich mit einer Benchmark. So entstehen Werte, die aussagen, wie ein Spieler in einem bestimmten Teilbereich gegenüber dem Mittel der Konkurrenz abschneidet, was die Analyse deutlich schärfer macht.
Beim Blick auf die Asse der PGA Tour zeigt sich deutlich, weshalb die Drives alles andere als nur „for the show” sind. Die besten Zehn des aktuellen FedExCup dominieren vor allem wegen ihres Spiels vom Tee zum Grün. Das heißt natürlich nicht, dass Putten unwichtig ist – aber vermutlich weniger spielentscheidend, als viele Golfer glauben. Konstantes Spiel vom Abschlag bis zum Grün scheint ein deutlich stabilerer Erfolgsfaktor zu sein. Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass die Spitzengruppe ihre Dominanz vor allem über das lange Spiel erzeugt.
Schwaches Putten schließt Weltklasse-Golf nicht aus
Die auffälligste Erkenntnis der aktuellen FedExCup-Spitze: Viele der erfolgreichsten Spieler der Saison gehören nicht zu den besten Putter der PGA Tour, einige sogar zu den schlechteren. Collin Morikawa ist das extremste Beispiel: Der Amerikaner belegt nur Position 123 in der Kategorie „Strokes Gained: Putting”, ist aber die Nummer vier im FedExCup. Auch Si Woo Kim bestätigt das Muster: Rang fünf Tee-to-Green, aber nur Rang 105 beim Putten.
Kaum eine Statistik verbindet die Spitzenspieler so klar wie die Qualität der Annäherungsschläge. Alle Spieler der Spitzengruppe liegen in dieser Kategorie meist deutlich über Tour-Durchschnitt. Nur ein Spieler (Chris Gotterup) aus den Top Zehn liegt außerhalb der Top 50 „Strokes Gained: Approach”. Sieben der zehn Spieler liegen bei den Annäherungsschlägen innerhalb der besten 22 der Tour. Auffällig ist zudem, dass sich die Spitzengruppe deutlich weniger über das Spiel rund ums Grün definiert.
Die Durchschnitts-Rankings (Strokes Gained) der Top 10:
- Annäherungsschläge: 20,5
- Abschläge: 32,9
- Spiel rund ums Grün: 39,4
- Putten: 49,1
Dennoch gibt es Ausnahmen. Allen voran Jacob Bridgeman beweist, dass außergewöhnliches Können auf den Grüns noch immer für konstante Top-Ergebnisse sorgen kann. Der Amerikaner ist aktuell der zweitbeste Putter der Tour, liefert aber vom Abschlag bis zum Grün nur durchschnittliche Werte (Rang 72 „Strokes Gained: Tee-to-Green"). Dauerhaft stabil scheint dieses Modell allerdings deutlich seltener zu funktionieren als dominantes Spiel bis zum Grün.
Die besten Drives der Tour: Länge schlägt Präzision
Rory McIlroys Profil skizziert hingegen die Fähigkeiten eines modernen Top-Golfers anschaulich:
- Rang 1 vom Abschlag
- Rang 2 vom Abschlag bis zum Grün
- Rang 9 bei den Annäherungsschlägen
- aber nur Rang 66 beim Putten
Mit 327 Yards durchschnittlicher Schlagweite gehört er zu den längsten der Tour und ist statistisch gesehen der Spieler mit den besten Abschlägen. Dabei erstaunlich: Mit etwas mehr als 55 Prozent getroffener Fairways liegt er in dieser Statistik nur auf Rang 121. Die Daten deuten darauf hin, dass Länge im modernen Profigolf oft wertvoller ist als Präzision.
Viele Golfer verbinden gute Abschläge noch immer mit Fairway-Treffern, die moderne Statistik zeichnet im Spitzengolf jedoch ein anderes Bild. Ein kürzeres Wedge aus dem Rough ist im offenbar deutlich weniger problematisch, als viele glauben. Die PGA-Tour-Daten zeigen: Der Vorteil der kürzeren Distanz kompensiert einen Teil des Nachteils durch die schlechtere Lage.
Die auffälligste Gemeinsamkeit der FedExCup-Elite: Fast alle dominieren im langen Spiel bis. Was Hobbygolfer angeht, lassen sich diese Erkenntnisse aber nur begrenzt übertragen: Während Weltklassespieler ihre Turniere oft über Ballstriking entscheiden, verlieren Freizeitspieler deutlich häufiger Schläge durch grobe Fehler im kurzen Spiel. Die Wahrheit liegt deshalb vermutlich in der Mitte.







