Stabile Scores entstehen vor dem Schlag
Viele Golfer suchen nach mehr Länge, besserer Technik oder dem perfekten Schwung. Doch Jochen Ziffels von ZGolf sagt: “Stabile Scores entstehen nicht nur durch technische Verbesserungen. Oft sind es die Entscheidungen vor dem Schlag, die darüber entscheiden, ob eine Runde ruhig und kontrolliert verläuft oder ob unnötige Fehler entstehen.”
Somit rät der Trainingsexperte: “Eine klare Pre-Shot-Routine, bewusstes Planen vom Abschlag, der richtige Umgang mit Trouble Shots und das rückwärts gedachte Lochspiel können helfen, konstanter zu spielen und hohe Zahlen auf der Scorekarte zu vermeiden.”
Pre-Shot-Routine: Denken und Spielen trennen
Eine gute Pre-Shot-Routine hilft dabei, Druck zu reduzieren und den Schlag klarer vorzubereiten. Wichtig ist dabei die Trennung zwischen Denkzone und Spielzone. In der Denkzone wird geplant. Dort werden Informationen gesammelt: Wie weit ist es bis zum Ziel? Wie liegt der Ball? Woher kommt der Wind? Welche Hindernisse sind im Spiel? Welcher Schläger passt zur Situation?
In der Spielzone geht es dagegen nicht mehr um Analyse. Hier wird der Schlag ausgeführt. Wer am Ball noch ständig über Technik, Ziel, Wind, Schlägerwahl oder mögliche Fehler nachdenkt, baut unnötig Druck auf. Die Entscheidung sollte bereits vorher getroffen sein.
Ein einfacher Ablauf kann so aussehen:
Zuerst wird die Situation analysiert. Danach wird der Schläger gewählt. Anschließend folgt ein kurzer Probeschwung, bei dem nicht die Technik trainiert wird, sondern der gewünschte Schlag visualisiert wird. Danach richtet sich der Spieler über ein nahes Zwischenziel aus und führt den Schlag aus. Gerade das Zwischenziel ist ein wichtiger Punkt. Es sollte nicht mehrere Meter entfernt liegen, sondern nah vor dem Ball. Dadurch lässt sich die Schlagfläche leichter sauber ausrichten.
Der Probeschwung ist kein Techniktraining
Viele Amateure nutzen den Probeschwung, um während der Runde an ihrer Technik zu arbeiten. Genau das kann jedoch zu Unsicherheit führen. Auf dem Platz sollte der Probeschwung vor allem dazu dienen, den geplanten Schlag zu fühlen.
Training gehört auf die Range. Auf dem Platz geht es darum, mit dem vorhandenen Schlag das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Wer versucht, während der Runde technische Details zu reparieren, verliert häufig Klarheit und Vertrauen.
- Die Frage vor dem Schlag sollte deshalb nicht lauten: “Wie mache ich jetzt den perfekten Schwung?”
- Besser ist: „Welchen Schlag kann ich in dieser Situation realistisch spielen?“
Abschlag planen: Nicht einfach nur weit schlagen
Auch am Abschlag entscheidet gute Planung oft über den weiteren Verlauf des Lochs. Viele Spieler greifen automatisch zum Driver und versuchen, möglichst weit zu schlagen. Doch Länge allein ist nicht immer der beste Weg zu einem stabilen Score.
Vor dem Abschlag sollte geprüft werden, wo die größten Gefahren liegen. Gibt es Bunker, Wasser, Ausgrenzen, Bäume oder ein Dogleg? Je nach Lochdesign kann es sinnvoll sein, sich auf der Seite aufzuteen, auf der die größte Gefahr liegt. Dadurch kann man von dieser Gefahr wegspielen und hat mehr Raum für die natürliche Streuung.
Ein Beispiel: Liegt rechts ein Bunker oder eine Ausgrenze, kann es sinnvoll sein, rechts aufzuteen und eher nach links in die Bahn hineinzuspielen. So wird die gefährliche Seite besser aus dem Spiel genommen.
Course Management bedeutet nicht, defensiv oder ängstlich zu spielen. Es bedeutet, die eigene Streuung realistisch einzuschätzen und die Bahn so zu nutzen, dass der nächste Schlag einfacher wird.
Trouble Shots: Sicher zurück ins Spiel
Nicht jeder Schlag landet perfekt. Jeder Golfer kennt Situationen, in denen der Ball in einer schlechten Lage liegt, Büsche im Weg sind oder Wasser ins Spiel kommt. Gerade dann ist die Versuchung groß, mit einem spektakulären Schlag alles retten zu wollen. Doch oft führt genau dieser Gedanke zum nächsten Fehler. Aus einer schwierigen Lage ist der sichere Weg zurück ins Spiel häufig die bessere Entscheidung.
Wenn beispielsweise Büsche oder Wasser vor dem Spieler liegen und das Grün zwar theoretisch erreichbar ist, kann ein flacher Sicherheitsschlag mit einem mittleren Eisen sinnvoller sein als ein hoher Risikoschlag mit dem Wedge. Ziel ist es, den Ball wieder auf das Fairway zu bringen und sich eine realistische Chance für den nächsten Schlag zu schaffen. Ein Schlagverlust ist manchmal besser als ein Strafschlag plus ein weiterer schwieriger Schlag. Wer Trouble Shots klug löst, verhindert große Zahlen.
Das Loch rückwärts planen
Ein besonders wirkungsvoller Ansatz im Course Management ist das rückwärts geplante Loch. Statt nur zu fragen, wie weit es noch bis zum Grün ist, sollte man überlegen: Aus welcher Distanz kann ich das Grün sicher treffen?
Wenn ein Spieler nach einem schlechten Abschlag noch 180 Meter zum Grün hat, ist der direkte Angriff nicht immer sinnvoll. Vor allem aus schlechter Lage kann ein langes Holz oder ein voller Schlag mit viel Druck riskant sein.
Stattdessen kann man rückwärts planen. Wenn man das Grün aus 60 Metern zuverlässig trifft, reicht ein kontrollierter Schlag über 120 Meter, um sich genau diese Distanz zu lassen. Der nächste Schlag wird dadurch deutlich einfacher und die Gefahr eines großen Fehlers sinkt. Diese Denkweise hilft besonders dann, wenn der erste Schlag nicht ideal war. Sie nimmt Druck aus der Situation und bringt Struktur in die Entscheidung.
Ziffels Fazit: Stabile Scores entstehen vor dem Schlag
Stabile Scores sind kein Zufall. Sie entstehen durch klare Abläufe, realistische Entscheidungen und gutes Course Management. Wer Denken und Ausführen voneinander trennt, Abschläge bewusster plant, Trouble Shots sicher löst und Löcher rückwärts denkt, kann unnötige Fehler deutlich reduzieren.
Nicht jeder Schlag muss spektakulär sein. Oft reicht es, smart zu spielen, den Ball im Spiel zu halten und sich eine gute nächste Position zu erarbeiten. Gerade für Amateure kann dieser Ansatz einen großen Unterschied machen. Denn wer weniger Strafschläge kassiert und bessere Entscheidungen trifft, spielt langfristig konstanter — auch ohne den perfekten Schwung.







