Bradley vs. Donald – Wer gewinnt das Duell der Captains?
Keegan Bradley und Luke Donald kennen sich gut – und schätzen sich. Bradley behauptet gar, Donald sei der erste große Star gewesen, der ihn seinerzeit, als er noch ein junger, aufstrebender Pro war, mit großem Respekt behandelt hätte. Die beiden pflegen eine Freundschaft, mit der Ende September wohl für mindestens drei Tage Schluss sein wird. Dann nämlich, wenn es auf dem Bethpage Black Course in New York um alles geht. Golf.de vergleicht die beiden Kapitäne der USA und Europas in zehn Bereichen und ermittelt schon vor dem ersten Drive den ersten Sieger.
Geboren wird Bradley am 7. Juni 1986 in Woodstock im US-Bundesstaat Vermont. Sein Kontrahent Luke Donald ist fast zehn Jahre älter. Der Engländer kommt am 7. Dezember 1977 in Hemel Hempstead (Grafschaft Hertfordshire) zur Welt. Bradley ist damit der jüngste US-Captain seit Arnold Palmer 1963. Spielt das Alter eine Rolle? Eigentlich ist es nur eine Zahl. In den vergangenen Jahren hat schön abwechselnd mal der jüngere und mal der ältere Captain gewonnen. Diesmal ist der Altersunterschied zwar schon groß. Trotzdem: All Square.
Bradley kommt ursprünglich aus Vermont – nicht unbedingt ein Hotspot in Sachen Golf. Weil die Winter im Nordosten der USA eher lang und hart sind, startet seine Sportkarriere auf den Brettern. Er nimmt regelmäßig an Skirennen teil. Im Alter von zwölf Jahren wechselt er zum Golf. Sein großes Vorbild? Tante Pat Bradley, die 31 Turniere auf der LPGA Tour gewann und Mitglied in der World Golf Hall of Fame ist. Donald hatte die Golfschläger schon viel früher in der Hand. Mit acht spielte er Junior Golf. Seine Inspiration war sein schottischer Vater, der ihm und seinem Bruder Christian sehr früh Golfschläger schenkte. Bei den Donalds lief das also schon mit Golf, da war Bradley noch gar nicht auf der Welt. Eher traditionell. Punkt für Donald. Europa 1UP.
Luke Donald studierte Kunst und spielte College-Golf für die Northwestern University in Chicago. 1999 war er bester Spieler seines Teams und brach einen Division-Rekord, den vor ihm Tiger Woods aufgestellt hatte. Auch Bradley spielte sehr erfolgreich College-Golf, besuchte die St. Johns University in Queens/New York, gewann insgesamt neun College-Turniere und stellte ebenso einige Bestmarken auf. Klarer Fall: Remis. Europa bleibt 1UP.
Sechsmal auf der European Tour (heute DP World Tour), viermal auf der PGA Tour gewonnen. Dazu kommen zwei Pokale auf der Japan Tour und der Sieg 2011 bei der WGC-Accenture Match Play Championship. Gewinnen kann Luke Donald und das immer mit Stil. Die BMW PGA Championship holte er gleich zweimal hintereinander (2011 und 2012). Bradley kommt auf acht Titel auf der PGA Tour, wovon er letztmals sogar 2025 bei der Travelers Championship gewann. Die Bilanz ist nahezu ausgeglichen. Remis. Europa bleibt 1UP.
Vielleicht der große Makel in der Karriere des Luke Donald. Er konnte nie ein Major gewinnen. Achtmal war er ganz nah dran und landete im Finish in den Top Ten der vier Big Events. Damit ist er einer von nur zwei Golfern, die zwar Nummer eins der Welt waren, aber nie ein Major gewannen. Der zweite ist sein Landsmann Lee Westwood. Keegan Bradley weiß dagegen, wie so ein Major-Sieg schmeckt – auch, wenn es nur einer war. 2011 gewann er in Atlanta die PGA Championship. Donald und Westwood teilten dabei übrigens Rang acht. Punkt für Bradley. Spielstand wieder All Square.
Klar, als Elfter der aktuellen Weltrangliste ist Bradley deutlich besser platziert als sein Kontrahent Donald (970.), aber: Die beiden sind Captains und nicht Spieler. Und in der Ranking-Gesamt-Historie hat der Engländer klar die Nase vorn, denn: Im Jahr 2011 krönte Donald seine Erfolge, indem er als erster Spieler überhaupt sowohl die Saisonwertung der PGA Tour als auch der European Tour in derselben Saison gewann – eine Leistung, die ihn an die Spitze der Weltrangliste katapultierte. Insgesamt war er 56 Wochen lang die Nummer eins der Welt und damit länger ganz oben als Jon Rahm (52 Wochen) oder Ian Woosnam (50). Bradleys beste Platzierung im WGR: Rang sieben. Punkt für Donald. 1UP Europa.
Als Spieler war Luke Donald viermal Teil von Team Europa und verlor kein einziges Mal. 2004, 2006, 2010 und 2012 – jedes Mal, wenn Donald abschlug, gab es für die USA nichts zu holen. Mit einer Bilanz von zehn Siegen, einem Unentschieden und nur vier Niederlagen war er so etwas wie die Bank von England. Bradley war nur einmal als Spieler dabei: 2012 im Medinah Country Club, wo es Martin Kaymer vorbehalten war, den entscheidenden Putt zum Sieg zu lochen. Ein Ryder-Cup-Sieg fehlt ihm also noch. Klarer Punkt für Donald, der 2UP führt.
Interessant: Beim Ryder Cup 2012 in den USA standen sich die beiden heutigen Kapitäne zweimal direkt gegenüber: In Session eins am Freitag besiegte die Paarung Mickelson/Bradley das Duo Donald/Garcia klar 4&3, einen Tag später gab es für Mickelson/Bradley einen 7&6-Kantersieg gegen Donald/Westwood. Klarer Fall: Punkt für den US-Boss. Nur noch 1UP Europa.
Donald erbte das Amt im Jahr 2023 von Henrik Stenson, der wegen seines Wechsels zu LIV nur wenige Wochen nach seiner Nominierung seines Postens enthoben wurde. Donald formte ein schlagkräftiges Team Europa, das in Rom von Beginn an dominierte. Seine taktischen Entscheidungen, seine stille, analytische Herangehensweise und seine Zusammenstellung der Paarungen zeugten von Klarheit und Intelligenz. Er ist der Architekt des jüngsten Sieges, hoch angesehen in Europa und den USA. Ein echter Leader, der unumstritten ist. Ganz anders Keegan Bradley. Seine Nominierung stieß zunächst auf viel Kritik in den USA. Eigentlich hätten sie gerne Tiger Woods auf der Kommandobrücke gesehen. Der wollte nicht, also wurde es Bradley. Eine Art B-Lösung? Punkt für Donald. 2UP Europa.
Auf der einen Seite der coole, ruhige, erfahrene und besonnene Donald, auf der anderen der eher lautere, manchmal nervöse, aber hoch motivierte Bradley aus der Abteilung Attacke. Man wird sehen, welche Skills im schrillen und bunten New York eher gefragt sind, wo Team Europa alles andere als freundlich empfangen werden wird. Prognose: Je länger das Duell USA vs. Europa eng und spannend bleibt, desto besser für Europa. Gut möglich aber auch, dass Team USA es macht wie 2021 in Whistling Straits und seine Gäste mit mächtig Offensive früh in die Schranken weist. Als Aggressiv Leader wäre Bradley genau der Richtige. Remis. Endstand: 2UP Europa.












