Partner des DGV

Viele gut gemeinte Tipps sind nicht immer hilfreich – auch nicht, wenn man neu im Golf ist. | © KI-generiert

Nicht verunsichern lassen! Sechs Tipps für Ihre ersten Runden

Der Abschlag am ersten Loch ist für viele Golfanfänger ein Stresstest. Hinter einem wartet vielleicht schon der nächste Flight, am Rand stehen Zuschauer und natürlich drei Menschen, Ihre Begleiter für diese Runde, die offenbar alles besser wissen. Während Sie sich also auf den ersten Schlag vorbereiten, der ja so wichtig sein kann für das Selbstvertrauen, ruft von draußen jemand: „Du stehst viel zu weit vom Ball weg.“
Wer neu im Spiel ist, muss nicht nur Drive, Pitch und Putt lernen. Golf ist ein Gesellschaftsspiel (zum Glück!), bei dem man mehrere Stunden mit Menschen verbringt, die man manchmal nicht sonderlich gut kennt, mitunter sogar noch nie gesehen hat. Meistens ist das ausgesprochen angenehm. Manchmal allerdings wird der Flightpartner zur größeren Herausforderung als der Abschlag über das Wasser. Gerade Einsteiger sind oft dafür anfällig, sich verunsichern zu lassen. Schließlich fehlt noch die Erfahrung, um einschätzen zu können, wann ein Hinweis hilfreich ist, wann man tatsächlich gegen eine Regel verstößt – und wann man das Gerede des Mitspielers besser freundlich ignoriert. Ein kleiner Überlebensratgeber für die ersten Runden.

Der ungefragte Schwungtrainer

Sie toppen den ersten Abschlag, und schon beginnt die kostenlose Unterrichtsstunde: „Du musst den Kopf unten lassen“, kommentiert einer Ihrer Mitspieler. Zwei Löcher später erfahren Sie, dass Ihr Griff nicht stimmt, am fünften Grün ist Ihre Puttbewegung an der Reihe. Sicher ist: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Besonders während einer Runde können technische Hinweise dazu führen, dass Anfänger plötzlich über Hände, Hüfte, Schultern und Schlägerblatt gleichzeitig nachdenken – und plötzlich nichts mehr funktioniert. Deshalb dürfen Sie höflich Grenzen setzen. Ein Satz wie „Danke, aber ich möchte heute einfach spielen und an den Dingen arbeiten, die ich mit meinem Pro besprochen habe“ reicht völlig aus. Sie müssen sich dafür weder rechtfertigen noch die vermeintliche Ferndiagnose ausprobieren.

Der Regelpapst

„Ball markieren!“, „Nicht dort droppen!“, „Das darfst du nicht!“ Wer die Regeln noch nicht sicher beherrscht, lässt sich von solchen Ansagen schnell beeindrucken. Klar, im Turnier sollten strittige Situationen nach den vorgesehenen Regeln geklärt werden; im Zweifel hilft die Spielleitung. Bei einer privaten Runde genügt häufig, die Situation anschließend in Ruhe nachzuschlagen. Oft sind Regelhinweise erfahrener Flightpartner wichtig und wertvoll – viele Anfänger wünschen sich das sogar. Wer neu dabei ist, will ja dazulernen. Aber: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, etwa von Kommentaren wie: „Wer hat dir denn die Platzreife geschenkt? So etwas muss man doch wissen!“ Auch mit bestandener Reifeprüfung müssen Anfänger keineswegs sofort jedes Detail des Regelwerks auswendig kennen Wichtiger ist, bei Unsicherheit nachzufragen und zwischen einer lockeren Privatrunde und einem Turnier zu unterscheiden.

Der Zeitwächter

Langsames Spiel gehört zu den Aspekten, die Anfängern häufig Sorgen bereiten. Viele glauben deshalb, sie müssten besonders schnell spielen, um niemanden aufzuhalten. Sie werden hektisch, was sich auf den Schwung auswirkt und am Ende oft mehr Zeit kostet als eine ruhige Vorbereitung. „Nun mach doch mal!“, ist so ein Kommentar, den kein Anfänger gern hört, weil er Druck aufbaut. 

Wichtig für Sie ist: Entscheidend ist, spielbereit zu sein, wenn Sie dran sind: den Handschuh rechtzeitig anziehen, schon auf dem Weg zum Ball über den nächsten Schläger nachdenken und Tasche oder Trolley sinnvoll abstellen. Wenn die Gruppe vor Ihnen längst verschwunden ist und von hinten Nachrücker warten, dürfen die Flightpartner das durchaus freundlich ansprechen. Aber: Zügig spielen heißt nicht hektisch spielen.

Der Dauerredner

Ein nettes Gespräch gehört für viele zum Golf dazu. Vier Stunden völliges Schweigen wären schließlich auch eine sonderbare Erfahrung. Schwieriger wird es, wenn der Mitspieler offenbar beschlossen hat, sämtliche Pausen im Gespräch sofort zu füllen. Für Anfänger kann das besonders störend sein. Noch fehlt häufig die Routine, um nach einem Gespräch sofort umzuschalten und sich wieder vollständig auf den nächsten Schlag zu konzentrieren. Entwickeln Sie deshalb früh eine kleine persönliche Gewohnheit. Kurz bevor Sie Ihren Ball erreichen, beginnt Ihre Vorbereitung: Lage anschauen, Ziel wählen, Schläger entscheiden, schlagen. Das Gespräch kann anschließend weitergehen. Und redet jemand ausgerechnet während Ihrer Schlagvorbereitung, dürfen Sie selbstverständlich um einen Moment Ruhe bitten.

Der kreative Zähler

Ihr Mitspieler will sich eine Fünf auf die Scorekarte eintragen lassen. Sie haben allerdings sechs Schläge gezählt. Bevor Sie ihm kriminelle Energie unterstellen, lohnt etwas Gelassenheit. Gerade Anfänger verlieren nach einem Ausflug in den Bunker, einem Strafschlag und drei Putts tatsächlich schnell den Überblick. Im Turnier sieht die Sache natürlich anders aus als bei der lockeren Feierabendrunde. Wenn Sie als Zähler für einen Score verantwortlich sind und eine Abweichung bemerken, sprechen Sie diese sachlich und möglichst zeitnah an. Aus „Ich habe bei dir sechs Schläge gezählt“ entsteht eher eine vernünftige Klärung als aus „Du schummelst doch!“ Und falls tatsächlich absichtlich getrickst wird und man sich nicht einigen kann, dürfen Sie die Verantwortung delegieren. Für Regel- und Scorefragen gibt es im Turnier Verantwortliche.

Der Nörgler

Der Platz ist zu nass. Die Grüns sind zu langsam. Der Wind ist unfair. Die Fahnenposition eine Frechheit. Kaum etwas färbt auf einer Runde so zuverlässig ab wie die Stimmung innerhalb eines Flights. Gerade als Anfänger kann man sich davon leicht mitziehen lassen. Wenn man nicht aufpasst, ärgert man sich plötzlich selbst über Dinge, die fünf Minuten vorher überhaupt kein Problem waren. Hier hilft eine Fähigkeit, die Sie beim Golf ohnehin brauchen werden: zwischen dem zu unterscheiden, was Sie kontrollieren können, und dem, was Sie nicht kontrollieren können. Die Laune Ihres Mitspielers gehört eindeutig in die zweite Kategorie.
Konzentrieren Sie sich deshalb auf Ihren nächsten Schlag, die Landschaft, ein gutes Gespräch mit den anderen oder schlicht darauf, dass Sie gerade Golf spielen dürfen. Das klingt banal, kann aber zu Gelassenheit führen. Und die ist beim Golf nie verkehrt... 

Weiteres zum Thema