Das Leaderboard spricht weiter Deutsch
Vor allem für die deutschen Golffans war es erneut ein enorm erfreulicher Tag beim Amundi German Masters powered by VcG. Bei kühlen, aber trockenen und größtenteils sonnigen Bedingungen auf der Anlage der Green Eagle Golf Courses konnten einige der deutschen Publikumslieblinge ihre Top-Positionen behaupten. Die sensationelle Zwischenbilanz: Vor dem Wochenende liegt Esther Henseleit in Führung und fünf weitere Deutsche unter den besten Zehn.
Allen voran Henseleit, die am Nachmittag erneut die meisten Zuschauer um ihre Gruppe versammelte, knüpfte an ihre erstklassige Form des Vortags an. Bei etwas windigeren Bedingungen war es für die Spielerinnen nicht immer einfach, den Ball nahe an die Fahnen zu bringen. Vor allem, da diese etwas schwieriger positioniert waren als noch in Runde eins.
Doch Henseleit meisterte die schwierigeren Bedingungen mit bemerkenswerter spielerischer Stabilität und analysierte ihre 71 (-2) als ein “Auf und Ab”. Und beim Blick auf die Scorekarte wird deutlich, was die 27-Jährige aus dem Elite Team Germany damit meinte. Es dauerte bis Loch fünf, ehe das erste Par auf die Karte wanderte. Zuvor hatten sich Birdies und Bogeys abgewechselt. Im weiteren Verlauf stabilisierte sich das Spiel der Solheim-Cup-Spielerin. Zwei Schlaggewinne auf den Löchern sieben und neun sowie eine ausgeglichene zweite Neun brachten ein Gesamtergebnis von neun unter Par. Damit übernimmt die in Arizona lebende Norddeutsche die Führung vor dem Wochenende.
„Ich bin eigentlich schon zufrieden”, erklärte sie. „Der Auftakt war etwas wechselhaft, aber dann habe ich eigentlich immer besser gespielt. Der Wind hat es etwas schwieriger gemacht, vor allem, weil er auf den hinteren Neun eher seitlich kam. Ich bin auf jeden Fall sehr happy mit meiner Position.” Henseleit geht mit einem Schlag Vorsprung auf Sara Kouskova in die dritte Runde. Die Tschechin glänzte mit einer 66 (-7), der besten Runde des Tages.
Harm mit der besten 75 ihrer Karriere
Es dauerte nicht lange am Freitag, bis Leonie Harm, die mit ihrer 65 (-8) am Vortag den Platzrekord eingestellt hatte, das spielerische Selbstvertrauen ein Stück weit verlor. Nach ihrer Gala am Donnerstag folgte zunächst ein durchaus schwieriger Verlauf der zweiten Runde. +5 lautete das Ergebnis für den Tag bis zum 13. Loch. Im Schlussteil fing sich die ehemalige Top-Amateurin aber eindrucksvoll und schloss diese mit zwei Birdies in Folge auf den Löchern 14 und 15 sowie drei Pars ab.
So hielt sich der Schaden immerhin noch in Grenzen. „Es war heute wirklich ein harter Tag, gefühlt war es die beste 75 meiner Laufbahn”, so die Bilanz der 28-Jährigen. „Ich habe von Anfang an einige sehr schlechte Schwünge gemacht und relativ schnell das Vertrauen verloren, weil ich nicht genau wusste, wie der Ball von der Schlagfläche kommen würde. Auf einem Platz, bei dem die Unterschiede zwischen gut und schlecht so gering sind und die Fahnen schwierig gesteckt waren, ist das extrem problematisch. Mein Putter hat mir dann den Score wirklich gerettet – sonst wäre es eher eine 80 geworden.”
Harm teilt sich zur Hälfte den dritten Rang mit ihren Landsfrauen Alexandra Försterling, Chiara Noja sowie Dorthea Forbrigd aus Norwegen.
Noja glänzt nach langer Auszeit
Chiara Noja hatte sich eines besonders vorgenommen: Egal wo ihr Ball landen würde, sie wollte lächeln und sich bei den Zuschauern bedanken. Es war ein Versuch, den Fokus vom Ergebnis wegzulenken und positive Energie zu erzeugen – und er hatte Erfolg. Die 20-Jährige mischt zur Halbzeit des Turniers vorne auf dem Leaderboard mit. Nach zwei 70er Runden (-6 insgesamt) mischt sie im Titelrennen mit.
„Es ist einfach schön, wieder zurück zu sein“, kommentierte Noja, die in den vergangenen Monaten keine Turniere absolvierte und stattdessen intensiv an ihrem Spiel arbeitete. „Ich glaube, ich habe diese Zeit auch gebraucht, um an allen Bereichen meines Spiels zu arbeiten und mit dem Gefühl zurückzukommen, wieder gutes Golf spielen zu können. Diese Woche habe ich zwar ein leichtes Ziehen in der Rippe, was etwas nervig ist, aber ich hoffe, dass es in den nächsten Tagen besser wird. Insgesamt bin ich sehr zufrieden.”
Försterling oben dabei
Zufrieden konnte auch Alexandra Försterling aus dem National Team Germany mit ihrer Leistung sein. Die Berlinerin, die das Turnier 2024 am Seddiner See gewinnen konnte, kam wie Noja auf zwei 70er Runden und hat sich vor dem Wochenende des Turniers in eine vielversprechende Ausgangsposition gebracht. Wie am Vortag schrieb sie vier Birdies, ein Bogey und 13 Pars auf ihre Karte.

„Ich bin auf jeden Fall zufrieden”, erklärte die viermalige LET-Siegerin. „Zum Schluss wurde es etwas windiger, weshalb ich mit der Runde eigentlich ganz zufrieden bin. In unserer Gruppe gab es heute auf jeden Fall viele Birdies. Ich habe mir für das Wochenende nichts Konkretes vorgenommen. Ich versuche einfach, so weiterzuspielen. Jetzt gehe ich noch ein bisschen auf die Range, arbeite am Putting und hoffe, dass noch ein paar mehr Putts fallen, damit ich mich weiter nach oben arbeiten kann.”
Briem froh über 72
Helen Briem erwischte leider keinen guten Start in ihre zweite Runde. Mit einer frühen Startzeit patzte die 20-Jährige aus dem Elite Team Germany ausgerechnet auf den vermeintlich einfacheren Löchern ab Bahn zehn. Zwei Bogeys standen nach fünf Löchern bereits auf der bis zu diesem Zeitpunkt birdiefreien Scorekarte. Doch Briem fand zurück zum Schwung, notierte im weiteren Verlauf drei Birdies und hält nach einer 72 (-1) als geteilte Siebte den Kontakt zur Spitzengruppe.
Ihr Fazit: „Ich bin froh, dass ich heute mit einer Runde unter Par reinkommen konnte – von der Tee-Box war es wirklich gut, da habe ich eigentlich keine Fehler gemacht. Allerdings waren meine Eisen und vor allem die Wedges noch zu weit weg von den Fahnen, und das macht es auf diesem Platz dann schwer. Was wirklich geholfen hat, waren die vielen Zuschauer auch heute wieder – gerade an meiner Schlussbahn, der 9, gibt einem das nochmal einen richtigen Schub.”

Fünfstück mit kaltem Putter
Laura Fünfstück, die in der vergangenen Woche gleich zwei Turniere der von Justin Rose initiierten Rose Ladies Series in London gewinnen konnte, haderte am Freitag vor allem mit ihrer Ausbeute auf den Grüns. Bei etwas windigeren Bedingungen kam die Hessin auf eine 74 (+1). Auf dem Leaderboard ging es zurück auf den geteilten 13. Rang (-4).
„Heute Morgen war es noch wunderschön: sonnig, relativ ruhig und vielleicht ein bisschen kalt“, analysierte sie. „Gegen Ende wurde es dann aber deutlich windiger. Gerade mit einigen Fahnenpositionen war es dadurch nicht so einfach, nah an die Fahnen heranzukommen. Ich glaube, ich hatte heute einfach kein Glück auf den Grüns. Es war nicht unbedingt schlecht – ich habe mir weiterhin Chancen erarbeitet und auch einige genutzt. Aber ich hätte einige Möglichkeiten besser ausspielen können und auch die Annäherungsschläge waren teilweise nicht optimal.“
Deutsche Dominanz
Fest steht: Die deutsche Dominanz beim LET-Stopp in Green Eagle hält an. Gleich fünf deutsche Spielerinnen liegen unter den besten Zehn. Und neben den Spielerinnen an der Spitze schafften auch Sophie Witt, Celina Sattelkau (beide -1, T30) sowie Sophie Hausmann und Verena Gimmy (+2, T56) den Sprung ins Wochenende. Es ist eine erstklassige Bilanz bislang beim mit Spannung erwarteten Heimspiel, die große Vorfreude auf das Wochenende macht.







