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Auch mental in der Form ihres Lebens: Nelly Korda. | © golfsupport.nl/Leslie Plaza Johnson/ism

Kordas Kunst, Druck auszublenden

Wer außergewöhnliche Leistungen im Sport vollbringt, verfügt fast immer über außergewöhnliche Fähigkeiten. Körperliches Talent allein reicht selten aus. Gerade auf höchstem Niveau entscheidet oft der Kopf, ob ein Profi Geschichte schreibt oder an den eigenen Erwartungen scheitert. Nelly Korda steht in diesen Tagen wieder einmal an diesem Punkt. Die Weltranglistenerste reist mit der Chance zur KPMG Womens PGA Championship (25. – 28. Juni), ihren dritten Major-Titel der Saison in Folge zu gewinnen. Gelingt ihr das, wäre sie erst die dritte Spielerin überhaupt, der dieser Coup gelingt – nach zuletzt Inbee Park im Jahr 2013. Gleichzeitig würde sie mit dem Sieg auch die notwendigen Punkte für die Aufnahme in die LPGA Hall of Fame sammeln.

Keine Gedanken an Rekorde

Wer jedoch glaubt, dass Korda sich permanent mit historischen Gedankenspielen beschäftigt, liegt falsch. „Ich versuche in diesem Jahr, mich komplett auf den Moment zu konzentrieren und diese Einstellung bis zum Saisonende beizubehalten“, sagt die 27-Jährige vor dem Turnierstart. „Egal, was passiert: Natürlich ist das Ziel, am Ende der Woche die Trophäe in die Höhe zu halten. Aber ich möchte mich auf meine Vorbereitung konzentrieren, zu hundert Prozent Vertrauen darin haben und mich darauf verlassen.“

Mentale Strategie der Topstars

Dahinter steckt eine mentale Strategie, die nicht nur im Spitzensport immer wieder zu beobachten ist: Die besten Athletinnen und Athleten richten ihre Aufmerksamkeit konsequent auf Aspekte, die sie selbst beeinflussen können. Nicht auf Rekorde, Statistiken oder mögliche Konsequenzen eines Erfolgs, sondern auf den Augenblick, den nächsten Schlag, die Vorbereitung, die eigene Wahrnehmung. 

Wie Korda Druck reduziert

Auffallend: In den Interviews vor dem Major-Start wusste Korda nicht einmal, wie viele Punkte ihr noch zur Aufnahme in die LPGA Hall of Fame fehlen – und auch nicht, wie viele sie bereits gesammelt hat. „Ich mag es eigentlich, in dieser Hinsicht ahnungslos zu sein“, sagt sie. „Über die Dinge, die ich wissen möchte, informiere ich mich sehr genau. Aber in diesem Fall möchte ich mir keinen zusätzlichen Druck machen. Golf ist ohnehin schon schwierig genug. Wenn ich mir noch mehr Druck auferlege, wird es nur noch schwieriger. Es wäre eine unglaubliche Leistung und ganz sicher eine der größten Errungenschaften meiner Karriere.“

Der richtige Fokus

Dieser Umgang mit Druck ist keineswegs Zufall. Im Golf, wo jeder Schlag Zeit zum Nachdenken lässt und äußere Einflüsse kaum als Ausrede dienen können, ist mentale Stärke oft der erfolgsrelevante Faktor. Wer sich ständig mit möglichen Folgen beschäftigt, verliert leicht den Fokus auf das, was unmittelbar vor ihm liegt. Korda versucht deshalb, genau diesen Mechanismus zu vermeiden. Statt sich von der Bedeutung des Turniers überwältigen zu lassen, lenkt sie ihre Energie auf das, was sie kontrollieren kann: ihre Vorbereitung, ihre Routinen und ihr Vertrauen in das eigene Spiel.

Vier Siege 2026

Die Zahlen geben ihr recht. Nach acht Turnieren stehen bereits vier Siege, drei zweite Plätze und ein achter Rang in ihrer Statistik. Hinzu kommt, dass sie körperlich erholt nach Minnesota gereist ist. Nach einer anstrengenden Woche mit der Dow Championship und mehreren Medienterminen gönnte sie sich Zeit zur Regeneration – um in den kommenden vier Tagen wieder zu Höchstleistungen bereit zu sein. 

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