Chippen ohne Frust: Der Denkfehler, der zu fetten und dünnen Schlägen führt
Ihr Ball liegt 20 Meter vor der Fahne, ein machbarer Chip und die große Chance auf ein gutes Ergebnis. Der Probeschwung fühlt sich sauber an – doch dann treffen Sie den Ball entweder fett oder dünn, wie es im Golfer-Jargon heißt. Die Kugel bleibt entweder viel zu kurz oder schießt über das Grün hinaus. Ein Szenario, das viele Golferinnen und Golfer gut kennen. Für PGA Golf Professional Fabian Bünker liegt die Ursache häufig in einem grundlegenden Missverständnis darüber, wie ein Chip überhaupt funktioniert. „Die meisten Golfer wollen dem Ball in die Luft helfen“, erklärt der Experte im Video (s.u.) – der größte Fehler, den Sie machen können.
Was Amateure oft falsch verstehen
Zunächst lohnt ein Blick auf die Definition des Schlags. Ein Chip ist ein flacher Annäherungsschlag rund ums Grün. Der Ball fliegt nur kurz durch die Luft und rollt anschließend möglichst kontrolliert in Richtung Fahne aus. Trotzdem versuchen viele Spieler, den Ball aktiv anzuheben. Sie wollen „unter den Ball kommen“ und ihn gewissermaßen hochlöffeln. Die Folge: Das Gewicht verlagert sich auf das hintere Bein, die Hände klappen durch und der Schläger wird kurz vor dem Treffmoment manipuliert. „Wer unter den Ball schlagen möchte, müsste theoretisch schon vor dem Ball den Boden treffen“, erklärt Bünker. So entstehen die klassischen Fehlschläge.
Eine Ursache vieler Fehler
Besonders tückisch: Viele Golfer halten fette und dünne Chips für zwei unterschiedliche Fehler. Tatsächlich entstehen beide häufig aus derselben Bewegung. Nach einem fett getroffenen Chip versuchen Spieler oft, beim nächsten Schlag den Bodenkontakt zu vermeiden. Sie ziehen die Arme früher an den Körper heran – und toppen den Ball prompt über das Grün. Die Analyse wird dadurch immer schwieriger, weil vermeintlich unterschiedliche Probleme bekämpft werden, obwohl die Ursache identisch bleibt.
Den Loft des Schlägers nutzen
Die Lösung beginnt mit einem einfachen Gedanken: Der Schläger besitzt bereits genügend Loft, um den Ball in die Luft zu bringen. „Du musst dem Ball nicht helfen“, sagt Bünker. Stattdessen sollte die gesamte Aufmerksamkeit darauf gerichtet sein, zuerst den Ball und anschließend den Boden zu treffen. Für das Setup empfiehlt Bünker drei einfache Punkte:
• Das Gewicht ruht überwiegend auf dem vorderen Bein.
• Die Hände befinden sich leicht vor dem Ball.
• Der Ball liegt mittig im Stand.
Chippen wie Putten
Auch die Bewegung selbst soll möglichst unkompliziert bleiben. Bünker empfiehlt, sich am Putt zu orientieren. Statt aktiv mit den Handgelenken zu arbeiten oder den Ball „hochzuheben“, pendeln Arme und Schläger ähnlich wie beim Putten durch den Ball. Dabei sollen die Arme keineswegs verkrampft oder steif sein. Lockerheit und Gefühl bleiben entscheidend, schließlich geht es bei Chips vor allem um Distanzkontrolle. Die reduzierte Bewegung sorgt für mehr Konstanz und erleichtert den sauberen Ball-Boden-Kontakt.
Bünkers Merksatz
Für Bünker lässt sich gutes Chippen auf einen einfachen Merksatz reduzieren: „Vertraue dem Loft des Schlägers und triff zuerst den Ball, dann den Boden.“ Wer diesen Gedanken verinnerlicht und auf den Versuch verzichtet, den Ball selbst in die Luft zu befördern, wird nicht nur weniger fette und dünne Schläge produzieren, sondern rund ums Grün auch deutlich mehr Kontrolle gewinnen.








