Macionga: „Das hat mir schon ein paar schlaflose Nächte beschert…“
Philipp Macionga aus dem National Team Germany hat sein großes Saisonziel erreicht: Als Dritter der Order of Merit der Pro Golf Tour sicherte sich der 21-Jährige den Aufstieg auf die HotelPlanner Tour. Im Interview spricht der Augsburger aus dem National Team Germany über schwierige Nächte vor der Entscheidung, die Erleichterung nach einer starken Saison und erklärt, warum es für ihn bei der Q-School trotzdem noch um viel geht.
Philipp, mit ein bisschen Abstand: Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass du kommende Saison mindestens auf der HotelPlanner Tour spielen wirst
Philipp Macionga: Es fällt auf jeden Fall Druck ab, keine Frage. Ich bin mit 19 Profi geworden und habe mir selbst nicht viel Zeit gegeben, um es auf die HotelPlanner Tour zu schaffen. Ich habe gesagt: Drei bis vier Jahre, dann muss ich es schaffen. Denn wenn ich es nicht schaffe, innerhalb von drei oder vier Jahren von der Pro Golf Tour den nächsten Schritt zu machen, dann werde ich wahrscheinlich nie ganz oben ankommen.
Das klingt nach einem ziemlich konkreten Karriereplan.
Macionga: Wenn man davon ausgeht, dass du im Golf mit Anfang 30 ungefähr deinen Peak hast und du mit 27 noch auf der Pro Golf Tour spielst, musst du danach ja trotzdem noch diese nächsten Schritte machen. Der Schritt von der Challenge Tour auf die DP World Tour ist noch einmal extrem schwierig. Also muss ich mir dafür mindestens dieselbe Zeit geben. Ich habe drei Jahre gebraucht, um auf die Challenge Tour zu kommen. Jetzt kann ich sagen: Wenn ich mir noch einmal fünf Jahre gebe, um auf die DP World Tour zu kommen, bin ich 26. Damit wäre ich absolut zufrieden.
Es dürfte aber natürlich auch schneller gehen…
Macionga: Das natürlich, andererseits kann es auch passieren, dass man im nächsten Jahr direkt wieder auf die Pro Golf Tour zurückfällt. Das ist mir bewusst. Nichtsdestotrotz bin ich jetzt mit 21 erst einmal dort und damit wahrscheinlich einer der Jüngsten. Ich bin froh, dass ich in meinem Alter schon einmal so weit bin. So habe ich langfristig gesehen die Chance, zum Peak meiner Karriere auch wirklich ganz oben zu sein.
„Für mich war da noch lange nichts gegessen“
Bevor wir nach vorne schauen: Wie schwierig waren die letzten Wochen auf der Pro Golf Tour? Irgendwann ging es schließlich nur noch darum, den Platz unter den besten fünf tatsächlich nach Hause zu bringen.
Macionga: Ich hatte mir ungefähr ausgerechnet, wie viele Punkte man in den vergangenen Jahren gebraucht hat. Nach meinem Sieg am Bodensee war noch lange nichts entschieden. Da konnte ich eigentlich noch ganz gut vor mich hin spielen und einfach weitermachen. Anfang Juli kamen dann schon die ersten Nachrichten: „Es schaut ja schon gut aus.“ Aber für mich war da noch lange nichts gegessen.
Wann hat sich das verändert?
Macionga: Nach meinem zweiten Platz in Holland habe ich einige Nachrichten bekommen: „Glückwunsch zur Challenge Tour“, und so weiter. Aber für mich war trotzdem klar: Da ist noch nichts durch. Es gab genug Szenarien, in denen ich noch Sechster werden konnte. Also musste ich weiterspielen.
Und ausgerechnet dann wurde es spielerisch schwieriger.
Macionga: Ja. In Holland hatte ich noch richtig gute Bälle gehauen und zwei Wochen später in Belgien ging dann gar nichts mehr. Das wurde sehr ungemütlich, weil sogar das, worauf ich mich eigentlich immer verlassen konnte – mein gutes Eisenspiel –, auf einmal weg war. Dann kam auch noch ein Missed Cut und plötzlich war wieder alles offen.

Schlaflose Nächte vor der Entscheidung
Was macht das mit einem, wenn eine ganze Saison auf diesen Moment zuläuft und ausgerechnet dann das Vertrauen ins eigene Spiel fehlt?
Macionga: Du gehst mit einem extrem schlechten Gefühl in die letzte Woche. Die ganze Saison lief eigentlich top und genau in dem Moment, in dem es darauf ankommt, kommen Gedanken wie: „Jetzt versage ich irgendwie.“ Und dann denkst du irgendwann auch darüber nach, was die anderen wohl denken. Es ist schon verrückt, was der Kopf da mit einem macht.
Wie groß wurde der Druck vor dem letzten Turnier?
Macionga: Es gab verschiedene Szenarien: Wer darf nicht gewinnen? Wer darf nicht 900 Punkte mehr machen als ich? Wer darf nicht besser sein als ich? Das waren alles Dinge, die gar nicht so unwahrscheinlich waren. Wenn einer von den Plätzen sechs bis zehn gewinnt, überholt er mich. Das hat mir schon ein paar schlaflose Nächte beschert. Der Druck ist extrem gestiegen.
Wie hast du versucht, damit umzugehen?
Macionga: Ich habe versucht, über Meditation und Bücherlesen bei mir zu bleiben. Trotzdem war das eine extrem stressvolle Zeit. Im entscheidenden Turnier habe ich es aus meiner Sicht dann aber ganz gut gemacht. Ich habe es geschafft, bei mir zu bleiben und meinen Job zu machen. Nach dem Birdie an der 15 war ich mir dann sicher: Okay, jetzt reicht es wirklich.
Warum die Q-School so wichtig ist
Jetzt ist der Aufstieg sicher. Trotzdem ist deine Saison noch nicht vorbei. Ende Oktober geht es zur Q-School. Warum ist die noch so wichtig, obwohl die Karte für die HotelPlanner Tour bereits sicher ist?
Macionga: Mit meiner aktuellen Kategorie bekomme ich wahrscheinlich ungefähr 15 Starts. Dann kommen vielleicht noch ein paar Wildcards dazu und du bist ungefähr bei 20 Turnieren. Das ist okay. Aber du kannst es bei der Q-School eben noch einmal deutlich besser machen.
Was würde eine bessere Kategorie konkret verändern?
Macionga: Gerade am Anfang der Saison kann es wichtig sein, weil die Felder teilweise reduziert sind. Da wird es mit der aktuellen Kategorie schwieriger. Vielleicht auch ganz am Ende der Saison, wenn weniger Tageslicht da ist und kleinere Felder gespielt werden. Mit einer besseren Kategorie kannst du einfach besser planen und dir eher aussuchen, welche Turniere du spielen möchtest.
Und über die Q-School könnte sogar die DP World Tour bereits ein Thema werden.
Macionga: Genau. Wenn du bei der Final Stage entsprechend weit vorne landest, bekommst du auch eine Kategorie für die DP World Tour. Die Rolex-Series-Turniere spielst du damit natürlich nicht. Aber bei vielen Turnieren aus dem klassischen Kalender hast du die Möglichkeit reinzukommen. Und die Ergebnisse dort zählen auch fürs Race to Mallorca. Du hast also auf jeden Fall die Option, mehr DP-World-Tour-Turniere zu spielen.
Mit welchem Anspruch gehst du deshalb in die Q-School?
Macionga: Ich möchte mich jetzt nicht mit meiner aktuellen Kategorie zufriedengeben. Natürlich habe ich den Anspruch, bei der Q-School vielleicht noch etwas Besseres herauszuholen. Jetzt muss ich aber erst einmal das Turnier spielen. Danach kann man sich Gedanken darüber machen, wie die nächste Saison konkret aussieht.
Was sich auf der HotelPlanner Tour ändern wird
Du hast vorhin gesagt, dass du nicht jahrelang auf der Pro Golf Tour spielen wolltest. Ist das auch eine wirtschaftliche Frage?
Macionga: Natürlich. Wenn man gute Sponsoren hat und damit seine Kosten decken kann, macht man theoretisch schon Plus. Aber ich glaube, richtig Geld verdienen kannst du wahrscheinlich erst dann, wenn du in den Top 15 der Challenge Tour bist und auf die DP World Tour aufsteigst oder wenn du auf der DP World Tour deine Karte hältst. Aber da bin ich auch noch nicht der Experte, weil ich es selbst noch nicht erlebt habe. Auf der Pro Golf Tour und in den unteren Bereichen der Challenge Tour machst du auf jeden Fall nicht das dicke Geld. Das Ziel ist schon, möglichst schnell den nächsten Schritt zu machen.
Was erwartet dich sportlich auf der HotelPlanner Tour? Wo liegt für dich der größte Unterschied zur Pro Golf Tour? Wo liegt für dich der größte Unterschied zur Pro Golf Tour?
Macionga: Die Plätze werden einen Tick schwerer und das Feld wird deutlich besser. Da stehen 156 Topspieler. Das Feld ist deutlich dichter.
Musst du dein Spiel dafür grundlegend verändern?
Macionga: Nein. Am Ende des Tages muss ich einfach besser werden. Was die anderen machen, kann ich sowieso nicht beeinflussen. Wenn ich es hinbekomme, meinen Scoring Average noch einmal um einen halben Schlag zu drücken, dann habe ich wahrscheinlich auch dort gar nicht so schlechte Karten. Dementsprechend muss es mein Ziel sein, mich selbst weiter zu verbessern: besser driven, besser wedgen, besser putten. Noch einmal eine Schippe drauflegen. Mehr kannst du sowieso nicht machen.







