Millionen statt Moral: Der neue Saudi-Deal im Frauengolf
Es ist noch nicht lange her, da wäre ein solches Szenario undenkbar gewesen: Die Ladies Professional Golf Association, LPGA, die weltweit führende Organisation im Frauengolf, die sich immer wieder für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung einsetzt, arbeitet künftig mit Golf Saudi zusammen. Mit jener Organisation also, die vom umstrittenen saudi-arabischen Public Investment Fund (PIF) gesteuert wird.
Aramco Championship 2026 in Las Vegas
2026 kehrt die LPGA-Tour nach Shadow Creek in Las Vegas zurück, wo die neue Aramco Championship ausgetragen wird – ein gemeinsames Event mit der Ladies European Tour (LET). Das Turnier wird Teil der neuen PIF Global Series, die vom saudischen Staatsfond finanziert wird, also aus jener schien unerschöpflich erscheinenden Geldquelle, die auch LIV Golf mit horrenden Summen fördert. Insgesamt fünf Stationen – in Saudi-Arabien, London, Seoul, China und Las Vegas – sind geplant, das Gesamtpreisgeld beträgt 15 Millionen Dollar. Allein in Shadow Creek werden vier Millionen Dollar ausgeschüttet, das Feld umfasst 120 Spielerinnen.
Die Rolle von LPGA-Boss Kessler
Der Mann, der diesen Deal eingefädelt hat, ist Craig Kessler, seit dem Sommer der neue Boss der LPGA Tour. In einer offiziellen Mitteilung spricht Kessler von einem Meilenstein in der internationalen Entwicklung der Tour. „Das Aramco Championship in Shadow Creek steht für die Richtung, in die wir uns als globale Tour entwickeln wollen.“ Das Event biete „eine spektakuläre Kulisse, ein ikonisches Layout und ein Preisgeld, das den nächsten Schritt in der Professionalisierung des Frauengolfs markiert“. Darüber, dass der wirtschaftlich gewiss sinnvolle Weg andererseits moralisch höchst fragwürdig ist, schweigt er. Stattdessen würdigt er die Rolle der Ladies European Tour (LET), die bereits seit Jahren eng mit Golf Saudi und dem PIF zusammenarbeitet: Solche Partnerschaften könnten helfen, „den Frauengolfsport weltweit zu stärken und neue Chancen zu schaffen“.
Umstrittener Deal mit saudischem Staatsfond
In der Golfwelt sorgt diese Allianz für neue Diskussionen. Die Verbindung zum saudischen Staatsfonds, der bereits über die LIV Golf League massiven Einfluss im Herrengolf nimmt, ist umstritten – vor allem aufgrund der schlechten Menschenrechtslage in Saudi-Arabien, insbesondere der Diskriminierung von Frauen. Dass die LPGA nun als führende Tour im Frauengolfsport direkt mit Golf Saudi kooperiert, darf gewiss kritisch beäugt werden.
Korda, Hull, Ko & Co. offen für neuen Weg
Während frühere LPGA-Spielerinnen in der Vergangenheit vor einer zu engen Zusammenarbeit mit Golf Saudi gewarnt hatten, ist der aktuelle Tenor unter den Profis deutlich versöhnlicher: Die meisten Stars sehen in der Expansion vor allem finanzielle Chancen. Spielerinnen wie Nelly Korda, Lydia Ko, Charley Hull und Lexi Thompson haben bereits bei verschiedenen PIF-Events weltweit gespielt, teilweise auch triumphiert.
Kesslers neuer Plan für die Tour
Klar scheint: Seit seinem Amtsantritt im Juli 2025 verfolgt Kessler eine deutlich offenere Strategie im Sinne seiner wirtschaftlichen Ziele für die LPGA Tour. Nur wenige Wochen nach seiner Ernennung zum neuen starken Mann besuchte er die PIF London Championship, wenig später reiste er nach Riad zur Future Investment Initiative. Schon da signalisierte er: Die LPGA ist gesprächsbereit, wo immer es um Wachstum und internationale Reichweite geht.

Druck nach Sponsorenverlust
Anfang des Jahres hatte die Tour ihren Sponsor T-Mobile für das bisher einzige Matchplay-Turnier in Shadow Creek verloren – der Druck, eine schnelle Lösung zu finden, wuchs. Und damit auch die Chance für Golf Saudi, den eigenen Einfluss in der Golfwelt weiter auszubauen. „Der Frauengolfsport wächst weiter, und der Public Investment Fund hat bewiesen, dass er bereit ist, in diese Entwicklung zu investieren“, sagt Yasir Al-Rumayyan, Vorsitzender von Golf Saudi und Gouverneur des PIF. „Dieses neue Turnier markiert einen weiteren wichtigen Schritt in der globalen Zusammenarbeit mit LPGA und LET.“
Die Abhängigkeit der LET von Saudi-Arabien
Bei aller berechtigten moralischen Fragwürdigkeit des neuen Deals, ist eines unstrittig: Für die europäische Damentour bedeutet die enge Verbindung mit Golf Saudi bereits seit 2020 ihr wirtschaftliches Überleben. Ohne die durch den PIF finanzierten Aramco-Events würde sich die Tour vermutlich in großen Schwierigkeiten befinden. Der neue Schulterschluss mit der LPGA wird die Partnerschaft weiter stabilisieren – und damit auch dem professionellen Golfsport der Frauen helfen. „Wir arbeiten seit 2020 erfolgreich mit Golf Saudi zusammen. Dass nun auch die LPGA an Bord ist, zeigt, wie sehr sich die Plattform für den Frauengolfsport weiterentwickelt hat“, sagt Marta Figueras-Dotti, Vorsitzende des LET-Vorstands.
Neue Diskussion über Werte?
Gelder aus Saudi-Arabien für Sicherung und Ausbau eigener Struktur zu nutzen, muss aus sportpolitischer Sicht als umstritten bezeichnet werden – wirtschaftlich ist der Schritt plausibel. Die LPGA öffnet sich nun also denselben Finanzströmen, die bereits den Herrengolfsport umgekrempelt haben. Eine Entscheidung, die für mehr Preisgelder und Reichweiten sorgen dürfte, aber auch eine Grundsatzdebatte über Werte, Transparenz und Verantwortung neu entfachen könnte.
Kalender der PIF Global Series 2026
• 11. bis 14. Februar: PIF Saudi Ladies International (Riyadh Golf Club, Saudi-Arabien), Preisgeld: 5 Mio. Dollar
• 2. bis 5. April: Aramco Championship (Shadow Creek Golf Club, Las Vegas), Preisgeld: 4 Mio. Dollar
• 6. bis 9. August: PIF London Championship (Centurion Club, London), Preisgeld: 2 Mio. Dollar
• 8. bis 11. Oktober: Aramco Korea Championship (New Korea Country Club, Seoul), Preisgeld: 2 Mio. Dollar
• 5. bis 8. November: Aramco China Championship (Mission Hills, Shenzhen), Preisgeld: 2 Mio. Dollar








