Partner des DGV

Mentalcoachin Antonia Eberhard, Tjelle Rieger und Chefbundestrainer Männer Christopher Herrmann | © DGV

Vier Hubbelrather im Soll

Hoylake – Gespielt wird zunächst über zwei Runden Zählspiel, ehe die besten 64 Spieler in die Matchplay-Phase einziehen. Am Ende wartet nicht nur einer der bedeutendsten Titel im Amateurgolf, sondern auch das Sprungbrett auf die ganz große Weltbühne: Der Sieger erhält Startrechte für The Open, die US Open und ein weiteres Turnier der DP World Tour. Traditionell kommt zudem eine Einladung zum Masters in Augusta hinzu, sofern der Champion seinen Amateurstatus behält.

Mehr Turniergeschichte gibt es nicht

Mit Royal Liverpool kehrte die Amateur Championship an einen Ort zurück, der im Golfsport eine Sonderstellung einnimmt. 1885 wurde hier die erste Auflage dieser Meisterschaft ausgetragen. Damals waren gerade einmal 44 Spieler aus zwölf Clubs am Start. Allan Macfie schrieb als erster Sieger Geschichte. Mehr als 140 Jahre später ist aus diesem Anfang ein Turnier geworden, das Generationen geprägt und einigen der größten Namen des Sports den Weg bereitet hat.
 

Royal Liverpool liegt auf der Südseite des River Mersey direkt am Ufer der Irischen See und war sogar schon vor der Premiere der Amateur Championship ein besonderer Club. 1869 gegründet, wurde der Platz zunächst als 9-Loch-Anlage angelegt, ehe er 1871 auf 18 Löcher erweitert wurde. Im selben Jahr erhielt der Club den königlichen Titel. Seitdem hat sich Hoylake zu einer der großen Kathedralen des Golfsports entwickelt. 13 Mal war Royal Liverpool bereits Austragungsort der Open Championship. Nun ist die Amateur Championship zum 19. Mal hier zu Gast. Rekord!
 

Auch West Lancashire, zweiter Gastgeber der Zählspielqualifikation, liegt nördlich der Mündung des Mersey direkt am Meer und bringt eine eigene, starke Verbindung zu dieser Meisterschaft mit. 2009 war der Links-Platz bereits Mitveranstalter der Amateur Championship. Damals setzte ein gerade erst 16 Jahre alter Italiener ein dickes Ausrufezeichen: Matteo Manassero spielte in West Lancashire eine spektakuläre 65, stellte damit den Amateur-Platzrekord auf und krönte seine Woche später in Formby mit dem Titel. Bis heute ist Manassero der jüngste Sieger in der Geschichte der Meisterschaft.
 

Die Liste früherer Champions zeigt die absolute Ausnahmestellung dieses Turniers. Bobby Jones, José María Olazábal, Sergio Garcia und Matteo Manassero gehören zu jenen Spielern, die sich in den Siegerlisten verewigt haben, lange bevor sie auch im Profigolf große Kapitel schrieben. Wer in den kommenden fünf Tagen an der englischen Küste aufteet, spielt also nicht nur um einen einfachen Pokal. Er spielt Linksgolf um einen Platz in den Geschichtsbüchern des Golfsports.
Einen deutschen Sieger hat es bisher nicht gegeben. Laurenz Schiergen erreichte 2022 und 2024 immerhin jeweils den fünften Platz. Der Rheinländer ist inzwischen ins Profilager gewechselt und tritt in dieser Woche bei der VcG Köln Open im G&LC Köln an.

Vor einem Jahr

Vor einem Jahr konnte sich Ethan Fang im GC Royal St George’s seinen Platz in der Geschichte der Meisterschaft sichern. Der Amerikaner setzte sich in einem dramatischen 36-Loch-Finale gegen den Iren Gavin Tiernan durch. Fang lag früh zurück, blieb auf den hinteren neun Löchern aber hartnäckig dran und verwandelte am 36. Loch einen entscheidenden Birdie-Putt aus rund anderthalb Metern zum Sieg mit 1auf. Seinen Titel verteidigt Fang in diesem Jahr nicht, weil er dank seines Triumphs bei der US Open antritt. Tiernan dagegen ist wieder dabei – diesmal nicht mehr als Außenseiter, sondern als Spieler aus den Top 300 der World Amateur Golf Rankings.
 

Das Feld ist natürlich auch in diesem Jahr sehr hochklassig besetzt. Lev Grinberg reist nach seinem klaren Sieg bei der St Andrews Links Trophy mit reichlich Selbstvertrauen an. Ein starkes britisches Kontingent wird versuchen, den Titel im eigenen Land zu halten. Dazu gehört Luke Poulter. Der Sohn von Ian Poulter geht mit Weltranglistenposition neun als bestplatzierter Spieler des Feldes in die Meisterschaft. Aktuell bester Deutscher ist Tim Wiedemeyer, der auf Rang 28 geführt wird und damit zu den fünf Spielern gehört, die im WAGR am höchsten platziert sind.

Aus internationaler Sicht gehören unter anderem Segundo Oliva Pinto aus Argentinien, Malan Potgieter aus Südafrika und dessen Landsmann Jack Buchanan, Gewinner der Africa Amateur Championship, zu den Mitfavoriten.
Eine besondere Beziehung zum Austragungsort hat Richard Teder. Der Este sorgte im vergangenen Jahr in West Lancashire für einen der großen Momente der Finalqualifikation für The Open, als er am dritten Extraloch einlochte und sich damit seinen Platz in Royal Portrush sicherte. Auch bei der Amateur Championship hat Teder bereits gezeigt, dass er auf diesem hohen Niveau bestehen kann. 2023 und 2024 erreichte er jeweils das Viertelfinale.
 

Das Ziel der 288 Talente aus aller Welt ist klar definiert: An den ersten beiden Tagen werden die Zählspielrunden auf Royal Liverpool und West Lancashire ausgetragen. Danach geht es für die besten 64 im Matchplay weiter, das von Mittwoch bis Samstag dann nur noch auf Royal Liverpool gespielt wird.

Das Finale über 36 Löcher steigt ebenfalls in Hoylake. Auf den beiden traditionsreichen, klassischen Links-Plätzen werden Wind, Geduld, Kreativität und Nervenstärke eine große Rolle spielen.

Deutsches Ziel: Matchplay-Qualifikation

Am ersten Tag der Zählspielqualifikation kam der Wind aus östlichen Richtungen und war mit vier bis fünf Windstärken deutlich im Spiel, aber noch relativ gnädig. Nur drei Deutsche waren auf Royal Liverpool unterwegs. Diese Herausforderung wartet am zweiten Tag auf die anderen zehn Spieler mit Schwarz-Rot-Gold auf dem Leaderboard.

Peer Wernicke hatte lange Zeit sehr gut gelegen und stand mit drei unter Par nach 15 gespielten Löchern auf Rang zwei. Der Hubbelrather spielte auf West Lancashire nahezu fehlerfrei und brachte fünf Birdies unter. Auf der 16 verzog der Rheinländer einen Schlag etwas nach links und fand sich in einer kaum lösbaren Aufgabe wieder. Das Doppelbogey machte den Tagesscore dann doch etwas höher, aber mit seiner 71 (-1) ist Wernicke in bester Gesellschaft, denn auch seine Clubkameraden Tom Haberer und Emil Riegger waren sehr solide unterwegs und blieben unter Par.

Tom Haberer zog entsprechend ein positives Fazit seiner ersten Runde: „Das war ein sehr guter Auftakt für mich. Es war sehr windig heute. Ich bin froh, wie ich mit diesen anspruchsvollen Konditionen umgegangen bin. Ich hatte einen guten, eher defensiven Gameplan. Ich habe versucht, die Bunker zu meiden, was natürlich bei solchen Topfbunkern immer sehr wichtig ist. Am Ende des Tages hatte ich keinen einzigen Bunkerschlag, was mir sehr geholfen hat. Vom Tee hatte ich ein paar Schwierigkeiten, habe aber viele Up-and-Downs gemacht und viele Putts gedost. Ich bin froh, wie ich gescored habe. Morgen geht es auf Royal Liverpool weiter.“

Mit Wolfgang Glawe ist nach der ersten Runde ein weiterer Hubbelrather auf Rang 49 über der magischen Linie. Even Par mit je zwei Birdies und Bogeys waren ein solider Start ins Turnier.
In Führung liegt derweil Henry Styles. Der Engländer lag auf West Lancashire nach elf Löchern schon sechs unter Par, kam letztlich mit einer starken 67 (-5) ins Recording.

Später Start

Tjelle Rieger vom GC St. Leon-Rot hatte eine ganz späte Startzeit, spielte sich mit zwei frühen Birdies in einen guten Flow und ließ sich auch vom ersten Bogey nicht beeindrucken. Trotz eines Zwischenstands von zwei unter Par nach 13 Löchern machte Rieger die Erfahrung, die im Linksgolf immer droht: Ein Triplebogey auf dem 18. Loch ließ den Youngster doch noch auf einen Score über Par klettern und im Klassement etliche Plätze verlieren.

Marschrichtung für Tag 2

Für die deutschen Athleten geht es zunächst darum, am zweiten Zählspieltag gute Leistungen zu bringen, um den Sprung in die Top 64 zu schaffen. Die Bedingungen werden eher ungewöhnlich werden, denn der Wind wird über Tag praktisch völlig einschlafen und erst am Nachmittag wieder leicht aufleben, dann allerdings aus südwestlicher Richtung über die Irische See kommen.


Livescoring >>>

 

Weiteres zum Thema