Starke deutsche Woche an der Irischen See
Lytham St. Annes/England – Für Wolfgang Glawe war es eine Woche, die in Erinnerung bleiben dürfte. Nicht, weil bei der 60. Lytham Trophy alles glatt lief. Sondern weil der Spieler des National Team Germany auf einem der anspruchsvollsten Links-Plätze Englands genau jene Mischung erlebte, die die Turniere auf der Insel so wertvoll macht: starke Runden, schwierige Phasen, wechselnde Bedingungen und viele Erkenntnisse für die kommenden Aufgaben.
Der Hubbelrather kam im Royal Lytham & St Annes GC mit Runden von 75, 69, 75 und 70 Schlägen ins altehrwürdige Clubhaus und belegte im hochklassigen Feld den 21. Platz. Für seinen ersten Auftritt bei der Lytham Trophy war dies ein gutes Ergebnis, zumal Glawe mit einer 69 am zweiten Tag und einer 70 zum Abschluss zeigte, dass er den Platz auch kontrolliert gehen kann.
Ganz neu war ihm die Anlage allerdings nicht. Glawe hatte Royal Lytham & St Annes bereits bei einer R&A Amateur Championship kennengelernt. Diese Erfahrung half, denn der Platz verlangt bei jedem Schlag Genauigkeit und strategische Planung. Wer an der falschen Stelle liegt, wird schnell bitter bestraft. Wind und Regen machen die Kontrolle mitunter fast unmöglich.
Glawe fand nach der Woche eine sehr klare Einordnung: „Der Platz testet alles in deinem Golfspiel und bestraft dich bei jedem schlechten Schlag. Die Kombination mit häufig starkem Wind und Regen macht den Platz so extrem anspruchsvoll. Ich hatte bei diesem Turnier den Platz zwei Runden im Griff. In zwei Runden hatte aber der Platz mich im Griff. Das waren lehrreiche Tage, die mir für die kommenden Links-Turniere helfen werden.“
Auch Leon Herb vom GC St. Leon-Rot spielte sich in die Finalrunden. Der Kurpfälzer begann mit 75 Schlägen, legte am zweiten Tag eine 70 nach und schaffte damit den Cut. Am Finaltag, an dem noch einmal 36 Löcher zu absolvieren waren, kamen zwei 76er-Runden hinzu. Im Endklassement belegte Herb Rang 40. Clubkamerad Nils-Levi Bock und Leopold Heß vom GC Holledau verpassten den Cut.
Damit blieb die deutsche Bilanz bei der Lytham Trophy gemischt, aber wertvoll. Zwei Spieler standen am Finaltag noch auf dem Platz, einer platzierte sich im ersten Drittel des Klassements, und alle nahmen Erfahrungen mit, die man nur auf klassischen Links-Plätzen sammeln kann, aber nicht im Training simuliert werden können.
Fairhaven Trophy
Noch deutlicher sichtbar wurden die deutschen Erfolgsmomente parallel bei der Fairhaven Trophy. Dort setzte David Süntzenich vom GC Hubbelrath das stärkste Ergebnis aus deutscher Sicht. Mit Runden von 73, 70, 72 und 71 Schlägen spielte er über vier Tage sehr konstant und belegte am Ende den geteilten vierten Platz. Gerade angesichts der wechselnden Bedingungen war dies eine Leistung, die viel Reife zeigte.
Süntzenich hatte sich am Finaltag sogar noch einmal in eine hervorragende Position gebracht. Nach neun Löchern lag er drei unter Par. Dann kostete ihn ein verzogener Abschlag auf Loch elf den Rhythmus. Der Ball landete in den Bäumen, von dort ging es weiter in den Bunker.
Der Hubbelrather ordnete seine Woche dennoch sehr positiv ein: „Es war eigentlich echt sehr solide. Ich habe gut gespielt, die Fahnen waren am letzten Tag vor allem echt schwer gesteckt. Mein Spiel war eigentlich solide, auch wenn ich manchmal ein bisschen dumme Entscheidungen getroffen habe.“
Fast noch stärker als die sportliche Analyse blieb bei Süntzenich der Eindruck des Turniers selbst hängen. Fairhaven zeigte sich für die jungen Athleten nicht nur als sportliche Bühne, sondern auch als Veranstaltung mit besonderer Atmosphäre. „Es ist ein unglaublich schönes Turnier. Es macht so viel Spaß auf dem Platz, mit der großen Tradition und den Mitgliedern, die alle soviel Spaß am Golf haben. Das ist schon echt besonders“, sagte Süntzenich.
Besonders war die Woche für ihn auch deshalb, weil er gemeinsam mit Max Franck die Nationenwertung gewann. Deutschland hatte den Nations Cup bereits im Vorjahr geholt und konnte den Titel nun mit einem neuen Duo verteidigen. Franck lieferte dazu vor allem an den ersten beiden Tagen eine starke Grundlage. Der Bayreuther startete mit 71 und 70 Schlägen, ehe am Wochenende 75 und 80 Schläge hinzukamen. Im Endklassement belegte er Rang 23.
Franck beschrieb seine Woche sehr sachlich: „Die ersten beiden Runden waren echt gut. Es war gutes Wetter. Dann hat es viel geregnet über Nacht, der Platz war echt nass und sehr weich. In der letzten Runde hatte ich viel Pech. Es war ein schönes Turnier.“
Neben Süntzenich spielte auch Bjarne Murr vom GC St. Leon-Rot ein starkes Turnier. Der Youngster des Junior Team Germany beendete die Fairhaven Trophy auf Rang neun. Besonders aufhorchen ließ seine zweite Runde. Mit einer 67 setzte Murr einen der deutschen Glanzpunkte der Woche. Dazu kamen drei Runden mit jeweils 74 Schlägen.
Murrs Bilanz zeigte eine Woche, in der sehr viel möglich war, aber auch nicht jeder gute Start vollständig ins Ziel gebracht wurde. „Der erste Tag war okay. Ich habe ein bisschen im Putten gestruggelt, aber sonst sehr konstant gespielt. Am zweiten Tag war alles sehr gut. Ich habe wenig Fehler gemacht, viel gelocht und war oft nah an der Fahne. Deswegen habe ich fünf unter gespielt“, sagte der SLR-Athlet.
Auch am Finaltag war Murr zwischenzeitlich wieder sehr gut unterwegs. Nach neun Löchern lag er erneut drei unter Par, verlor dann aber auf der zweiten Hälfte etwas Boden. Entscheidend war, dass er kämpferisch blieb. „Ich habe dann ein paar Fehler gemacht, mich aber wieder gut gefangen und versucht, weiter zu kämpfen“, fasste Murr diese Phase zusammen.
Mit Rang neun bestätigte er seine gute Entwicklung und nahm aus Fairhaven neben einem starken Ergebnis auch die Erfahrung mit, wie wichtig es ist, an einem 36-Loch-Finaltag körperlich und mental stabil zu bleiben.
Direkt hinter den Top Ten platzierte sich Lukas Schröder vom Burgdorfer GC. Mit Runden von 73, 72, 73 und 72 Schlägen spielte er sehr ausgeglichen und belegte Rang elf.
Colin Bärmann vom GC Hubbelrath kam nach 72, 73, 76 und 77 Schlägen auf Platz 27.
Fabian Buhl aus München hatte mit 72 und zweimal 73 Schlägen drei gute Runden im Turnier, musste aber in der dritten Runde eine 81 notieren und belegte am Ende Rang 31. Sieben deutsche Spieler schafften den Cut nicht.
Bundestrainer Männer/Nachwuchs Pascal Proske zog nach den Tagen an der Irischen See ein positives Fazit. Vor allem bei der Fairhaven Trophy hätten sich einige deutsche Spieler gut nach vorne gearbeitet. Der Finaltag mit 36 Löchern habe zwar bei manchen noch einmal Schläge gekostet, insgesamt sei die Bilanz aber erfreulich.
„Wir sind mit einer Top-5-Platzierung raus und was vor allem schön ist: Der Nations Cup, den wir letztes Jahr geholt haben, wurde verteidigt. David Süntzenich und Maxi Franck haben das als Duo sehr gut gemacht. Ein Sieg im Nations Cup ist für die Moral des Teams gut. Der Trend stimmt und wir freuen uns schon auf die Team-Europameisterschaften“, sagte Proske.







