Start-Ziel-Sieg im Hamburger Herbst: St. Leon-Rot verteidigt den Titel
Ammersbek. Kalte Finger, Schirme, Regenjacken griffbereit: Der Finaltag in Ammersbek begann empfindlich kalt, immer wieder zogen Schauer über den Platz, erst zum Nachmittag hin wurde es freundlicher. Weil die Turnierleitung mit Blick auf die Vorhersage die Einzel bereits am Eröffnungstag hatte spielen lassen, standen nun die beiden Vierer an. Und in denen machte der GC St. Leon-Rot alles klar. Mit 364 Schlägen (-1) verteidigte das Team seinen Titel aus dem Vorjahr – blieb als einzige Mannschaft im Feld unter Par und holt Gold mit satten 15 Schlägen Vorsprung. Es ist der fünfte Titel in sechs Jahren, nur 2024 war der G&LC Berlin-Wannsee besser.
Gegnerinnen, Match-Winner, Schwestern
Der – in gewisser Hinsicht – entscheidende Vierer hat eine Vorgeschichte. Yoo Na Bae und Yoo Jin Bae (beide GC St. Leon-Rot) hatten sich vor gut einem Monat bei der Deutschen Einzelmeisterschaft in Gütersloh noch um Gold und Silber duelliert. In Hamburg teilten sich die Drillingsschwestern einen Ball und brachten eine 71 ins Clubhaus, zwei unter Par. Damit war die Sache entschieden. Die 79 von Maxima Purkart und Ziling Yuan wurde aufgrund der durchgängig starken Einzelergebnisse nicht mehr gebraucht und fiel als Streichergebnis weg. Die Basis für den Erfolg hatte das Team ja schon am Eröffnungstag gelegt: Yoo Na Bae spielte 71 (-2), Yoo Yeung Bae 73 (Even Par), Laetitia Leisinger 74 (+1) und Yoo Jin Bae 75 (+2). Mit 14 Schlägen Vorsprung auf den Frankfurter GC gingen die Titelverteidigerinnen in den Finaltag – ein Start-Ziel-Sieg ohne einen Moment des Zweifels.
Doch trotz der Dominanz ist so ein Titel kein Selbstläufer. „In St. Leon sind wir grundsätzlich gewöhnt, dass man Druck beziehungsweise Siegesdruck hat. Den machen wir uns ja auch selber“, sagt Coach und Kapitän Sebastian Buhl. „Wir wollen natürlich immer auf eine bestimmte Art und Weise gewinnen, weil Titel allein mir persönlich herzlich wenig bedeuten. Es kommt immer auf das Wie an.“ Und das Wie war in dieser Woche wieder beeindruckend. Am Eröffnungstag standen alle drei Bae-Schwestern im Team, für Buhl „schon eine kleine Familienmeisterschaft“. Zwei von ihnen hatten erst in der Vorwoche bei der European Club Trophy gespielt, in Hamburg war nun auch die dritte im Bunde dabei. Buhl freut sich darauf, das Trio im nächsten Jahr auch in der Deutschen Golf Liga einzusetzen. Dahinter stehe eine tolle Familie mit tollen Eltern, die quer durchs Land reisen und mit den Mädchen die Fairways ablaufen.
Mülheim setzt sich durch
Spannend wurde es in der Tabelle hinter dem GC St. Leon-Rot. Der GC Mülheim an der Ruhr startete als Dritter mit vier Schlägen Rückstand auf Frankfurt in die Vierer und lieferte dann die Runde der Meisterschaft. Julia Zimmermann und Jinlei Zhong spielten eine 70 (-3) – das niedrigste Ergebnis des gesamten Turniers. Zusammen mit der 82 von Julia Marie Swoboda und Sofie Bielert reichte das für 379 Schläge (+14) und Silber. Der Frankfurter GC (381; +16) musste sich mit Bronze begnügen. Johanna Kirch, am Eröffnungstag mit ihrer 71 (-2) noch gemeinsam mit Yoo Na Bae die beste Spielerin, erkämpfte sich mit Mila Frenz eine solide 74 (+1). Der zweite Vierer mit Lily Menge und Anouk Heinz kam aber auf 85 Schläge (+12). Am Ende fehlten zwei Schläge zu Platz zwei.
Der GC Hubbelrath behauptete mit 392 Schlägen (+27) Rang vier. Den größten Sprung des Tages machte der Stuttgarter GC Solitude: Emelie Ollhoff und Arianna-Elektra Nikitaidis spielten Par, Nina Schumacher und Thaleia-Olympia Nikitaidis eine 77 (+4). Damit ging es von Rang zehn auf Rang fünf. Mit dem GC Augsburg gleichauf bei +32, entschied das Computerstechen für die Stuttgarterinnen. Auch der G&LC Berlin-Wannsee profitierte von der Wertung: Linda Wöhler-Moorhoff und Camille Peltier spielten 75, die 96 aus den Einzeln fiel weg. So verbessert sich Wannsee (398; +33) noch von Platz neun auf Platz sieben und liegt am Ende einen Schlag vor dem Münchener GC (399; +34).
Walddörfer ohne Glück – aber mit Kompliment
Für die Gastgeberinnen vom GC Hamburg-Walddörfer (401; +36), deren Club sich gezielt mit Blick auf dieses Team um die Meisterschaft beworben hatte, reichte es nicht zum großen Coup. Emilie Marie Müller und Clara Sophie Stoll spielten mit 75 einen der besten Vierer des Tages. Weil der zweite Vierer 83 Schläge brauchte, rutschte das Heimteam mit +36 aber von Rang sieben auf Rang neun ab. Bis Platz fünf fehlten nur vier Schläge – so eng ging es im Mittelfeld zu.
Ein Kompliment gab es vom Siegercoach für die Gastgeber. Buhl kennt den Platz sogar noch aus der Zeit vor dem Umbau und wusste, was auf sein Team zukam: „Schwer vom Tee, schwer ins Grün und auch auf dem Grün sehr komplex. Die Witterungsbedingungen machen dann den Rest.“ Bange machte das sein Team nicht, auch nicht der Wind am Eröffnungstag: „Je schwerer es ist, desto wohler fühlen wir uns.“ Ein großes Lob verdiene das Greenkeeping-Team, das den Platz trotz des Wetters so gut präpariert habe. Mit den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Jugend endete die DGV-Turniersaison 2026. In den Hamburger Walddörfern endet sie mit einem vertrauten Bild: Die Mädchen aus St. Leon-Rot jubeln wieder über Gold.







