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Stolze Sieger: Jennifer Sräga und Jonas Rother
Stolze Sieger: Jennifer Sräga und Jonas Rother | © DGV/Fischbacher

Deutscher Doppelsieg in Mannheim-Viernheim

Jeden Tag eine Stunde Golf – so die eigene Maßgabe von Jennifer Sräga, wenn es um die Vorbereitung auf wichtige Turniere wie die Deutschen und Internationalen Meisterschaften für Golfer mit Behinderungen geht. Dementsprechend kam die Titelverteidigerin aus Senden bestens vorbereitet in den Golfclub Mannheim-Viernheim.

 

Nach einer auf hohem Niveau stabilen Auftaktrunde von 81 Schlägen war die 26-Jährige der Konkurrenz bereits enteilt. Und auch im Finale zeigte die Nationalspielerin vom GC Reischenhof ihre Klasse, auch wenn sie nicht ganz an jene Form anknüpfen konnte, die sie vor wenigen Wochen zum Titel bei den G4D Open in Wales geführt hatte.

 

Am Ende stand nach einer 86 in Runde zwei erneut ein souveräner Sieg in der IAM-Wertung (Zählspiel Brutto) der Damen zu Buche. Ihr Vorsprung auf Katharina Pegau vom GC München Valley betrug 19 Schläge. Die Freude über den insgesamt vierten Triumph bei diesem Turnier war der Seriensiegerin sichtlich anzumerken.

Harter Kampf im Finale

„Am Ende hat es gereicht, aber es war ein harter Kampf“, analysierte sie. „Ich habe nicht richtig in mein Spiel gefunden und einige Putts vorbeigeschoben, die eigentlich hätten fallen können oder sogar müssen. Das Wetter kann schon ein Faktor gewesen sein. Es war sehr warm und an solche Bedingungen gewöhnt man sich nicht unbedingt. Trotzdem muss man versuchen, konzentriert zu bleiben und die Runde sauber zu Ende zu spielen.“

Perspektivisch freut sich die Vize-Europameisterin auf die kommenden Aufgaben. „Bisher war meine Saison sehr erfolgreich. Nächste Woche geht es nach Tschechien, dort treffe ich unter anderem wieder auf Daphne van Houten, meine größte Konkurrentin. Ich möchte aus diesem Turnier lernen, die Fehler analysieren und verbessern und dann in Tschechien erneut angreifen. Mit dem Sieg bei den G4D Open habe ich bereits ein großes Ziel erreicht. Der nächste Schritt wäre, einmal Europameisterin im Einzel zu werden. Langfristig wäre es natürlich ein Traum, wenn Golf paralympisch wird. Dann wäre eine Medaille bei den Paralympics das größte Ziel überhaupt.“

Ein Thriller bei den Männern

Bei den Herren hatten sich in der IAM-Bruttowertung Jonas Rother und Frederik Brokfelt-Christiansen aus Dänemark vor den abschließenden 18 Löchern vom Feld abgesetzt. Und auch über weite Teile der Finalrunde blieb es in diesem Duell enorm spannend.

 

Erst im Schlussdrittel konnte sich Rother, der am Vorabend noch in seine hessische Heimat gereist war, um an seiner Abiturfeier teilzunehmen, einige Schläge Vorsprung erarbeiten – und gab diesen anschließend nicht mehr aus der Hand. Am Ende kam der Nationalspieler mit drei Schlägen Vorsprung auf Brokfelt-Christiansen ins Ziel und freute sich über seinen ersten IAM-Titel. Platz drei ging an Michael Clemens (Royal Dortmund).

Frisch erholt trotz Abifeier

„Ich bin relativ früh ins Bett gegangen und habe gut geschlafen“, erklärte Rother seinen kurzen Trip in die Heimat. „Das hat auf jeden Fall geholfen. Ich habe wieder ein paar unnötige Fehler gemacht. Da war definitiv mehr drin. Das Ergebnis an sich ist nicht schlecht, aber die Art und Weise, wie es zustande gekommen ist, hat mich nicht ganz zufrieden gestellt. Diese Fehler haben mich etwas geärgert.“

„Aber natürlich freue ich mich sehr über meinen ersten IAM-Sieg. Vor zwei Jahren lag ich ebenfalls vorne, aber damals wurde das Turnier wegen eines Gewitters anders gewertet.“

 

„Es war die ganze Zeit eng“, analysierte der Sieger das Duell mit seinem dänischen Spiel- und Cartpartner. „Nach den ersten neun Löchern lag ich einen Schlag vorne. Auf den Löchern 10 und 11 habe ich jeweils ein Birdie gespielt und mir damit zwei Schläge Vorsprung erarbeitet. Danach blieb es lange spannend. Zum Schluss waren es vier Schläge Vorsprung, dadurch wurde es auf den letzten Bahnen etwas entspannter.“

Deutscher Doppelsieg und erfreuliche Entwicklungen

Damit endete am Samstag in Mannheim-Viernheim das über zwei Runden und insgesamt 36 Löcher ausgetragene Turnier mit einem deutschen Doppelsieg in den IAM-Bruttowertungen. Die zahlreichen weiteren Wertungen erfolgten in verschiedenen Kategorien, die sich nach Handicap und Art der Behinderung richten. Bei der anschließenden Siegerehrung war die Freude entsprechend groß: Zahlreiche Spielerinnen und Spieler nahmen Pokale und Medaillen entgegen.

Die Sieger im Überblick:

Deutsche Meisterschaft

  • Arm: Brutto HCPI™ (-10,0 bis 54,0): Jonas Rother
  • Bein: Brutto HCPI™ (-10,0 bis 54,0): Walter Kohlmeyer
  • Sonstige mit Einschränkung: Brutto HCPI™ (-10,0 bis 54,0): Jennifer Sräga
  • Sonstige ohne Einschränkung: Brutto HCPI™ (-10,0 bis 54,0): Gabi Nieke
  • Rollstuhl: Brutto HCPI™ (-10,0 bis 54,0): Christian Nachtwey
  • Gehörlos: Brutto HCPI™ (-10,0 bis 54,0): Stefanie Scholze

German International Men´s and Women´s Disabled Championship

  • Hcp 0,0–18,4: Strokeplay Brutto Herren: Jonas Rother
  • Hcp 0,0–18,4: Strokeplay Brutto Damen: Jennifer Sräga
  • Hcp 0,0–18,4: Strokeplay Netto Herren: Jonas Rother
  • Hcp 0,0–18,4: Strokeplay Netto Damen: Jennifer Sräga
  • Hcp 18,5–53,0: Stableford Netto Damen: Jeanine Loves
  • Hcp 18,5–53,0: Stableford Netto Herren: Prof. Dr. Ralf Reintjes
  • Rollstuhl-Kategorie (Wheelchair): Christian Nachtwey
     

Die Ergebnisse im Überblick >>>

 

„Es war beeindruckend zu sehen, was hier in den vergangenen Tagen geleistet wurde”, erklärte Prof. Dr. Anne Jakob, Vizepräsidentin des Deutschen Golf Verbandes, bei der Siegerehrung. „Ich habe viele glückliche Gesichter gesehen. Und bis auf eine Person hat jeder Starter das Turnier beendet – das ist bei diesen Bedingungen alles andere als selbstverständlich.”

 

„Für uns war diese Meisterschaft eine Premiere”, ergänzte Martin Göhler, Vizepräsident und stellvertretender Vorstand des Golfclubs Mannheim-Viernheim. „Wenn ich mir die Rückmeldungen und die Atmosphäre anschaue, dann hoffe ich sehr, dass es nicht das letzte Mal gewesen ist.”
 

Prominenz feiert Premiere

Unter den Debütanten in diesem Jahr waren mit Mathias Mester und Dirk Passiwan auch zwei bekannte Namen des deutschen Behindertensports. Mester, mehrfacher Weltmeister und Paralympics-Silbermedaillengewinner im Speerwurf, und Passiwan, der unter anderem EM-Silber im Rollstuhlbasketball gewann, verbindet eine große Leidenschaft für den Golfsport.

„Es war viel besser als gestern, aber immer noch weit weg von dem, was möglich ist“, war Passiwan, 49 aus Trier, spielerisch nicht ganz zufrieden. „Für das erste Mal ist das aber völlig okay. Es ist ein schönes Turnier und ich bin froh, dabei gewesen zu sein. Nächstes Jahr will ich erneut angreifen.“

 

Beeindruckt, aber nicht überrascht hat ihn die besondere Atmosphäre. „So kenne ich das seit 30, 35 Jahren im Behindertensport. Es ist sehr herzlich und familiär. Das macht die ganze Veranstaltung aus. Natürlich will jeder gewinnen und gut spielen, aber trotzdem gehört hier jeder irgendwie zur Familie.“

Besondere Atmosphäre

Dass sich Stimmung, Miteinander, Organisation und Platzqualität bei der IAM und DM der Golfer mit Behinderungen auf höchstem Niveau bewegen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Entsprechend wächst das Teilnehmerfeld stetig, und auch die Quote der Wiederkehrer kann sich mehr als sehen lassen. Unter den neuen Namen auf der Meldeliste befanden sich mehrere internationale Spielerinnen und Spieler aus Dänemark, Frankreich, Belgien, Tschechien und den Niederlanden. Mit der zunehmenden Internationalität steigt auch das sportliche Niveau kontinuierlich – sowohl an der Spitze als auch in der Breite des Feldes.

 

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