Neues Jahr, alte Sieger
Es war angerichtet im GolfPark Leipzig. Nicht nur lagen die Führenden in einigen der verschiedenen Wertungen bei den Deutschen und Internationalen Amateurmeisterschaften der Golfer mit Behinderungen (DM/IAM) eng beisammen, was spannende Finals versprach, sondern auch das Wetter spielte in diesem Jahr mit. 2024 hatten die Organisatoren das Finale des Turniers wegen heftiger Gewitterzellen abbrechen müssen. 2025 hatten die Spieler, Betreuer und Zuschauer deutlich mehr Glück. Von Unwettern war weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen strahlte die Sonne durch einen wolkenfreien Himmel, während der leichte Wind bei heißen Bedingungen für dezente Abkühlung sorgte. Und auch der Platz – da waren sich die Teilnehmer einig – präsentierte sich in einem hervorragenden Zustand. Viel besser hätte es also nicht laufen können.
Auf dem Programm standen am Samstag in Sachsen die finalen 18 des auf 36 Löcher angesetzten Turniers – aufgeteilt in verschiedene Kategorien, die sich nach Handicap und Art der Behinderung unterscheiden. So gab es am Samstag gleich mehrere strahlende Gesichter mit einem oder mehreren Pokalen oder Medaillen in den Händen zu sehen.
Sräga verteidigt Titel
In der IAM-Wertung (Zählspiel Brutto) der Damen war vor dem Finale noch alles offen. Drei Schläge betrug der Vorsprung, den sich Jennifer Sräga (GC Reischenhof) am Freitag auf Katharina Pegau vom GC München Valley erarbeitet hatte. Das Duo ging gemeinsam auf die Finalrunde und Sräga konnte sich früh absetzen. Die Titelverteidigerin überzeugte wie am Vortag auf den Bahnen eins bis neun und erspielte sich ein Polster, das auch nach einem kleinen Leistungsabfall auf den zweiten Neun reichte, um zum insgesamt dritten Mal den Pokal in Empfang zu nehmen. Sräga hatte nach 36 Löchern einen Vorsprung von sieben Schlägen auf Pegau, die sich neben ihrem zweiten Platz über den Sieg in der Zählspiel-Netto-Wertung freuen durfte.
„Ich war zwar angespannt, aber nicht übermäßig nervös und bin sehr gut in die Runde gestartet“, erklärte die 25-Jährige nach ihrer 86. „Es waren viele gute Schläge dabei. Dann hatte ich ein paar Probleme, vielleicht bin ich bei der Hitze etwas müde geworden, aber zum Glück hat es gereicht. Ich bin natürlich überglücklich, dass ich hier erneut gewinnen konnte. Jetzt freue ich mich auf die anstehenden Turniere in diesem Sommer – vor allem auf die Einzel-Europameisterschaft.“

Duo mit Traumstart
Während sich bei den Damen früh ein Zweikampf abzeichnete, eröffneten bei den Herren in der Parallelwertung gleich mehrere Spieler den Finaltag mit großer Hoffnung auf den Titel. Andreas Süli (GP Augsburg) hatte zum Auftakt an die Spitze gesetzt, doch mit Paul Neumann (Lausitzer GC), Titelverteidiger Mehmet Kazan aus der Türkei oder auch Leon Thobe Biganzoli (GC Oberneuland) waren gleich drei Spieler maximal fünf Schläge vom Spitzenreiter entfernt.
Vor allem die erste Hälfte der Finalrunde brachte die Zuschauer zum Staunen. Sowohl Neumann als auch Kazan legten spielerisch furios los und lagen zur Halbzeit sogar unter Par für ihre Runde. „Ich habe sehr solide gespielt, habe fast durchgängig auf den Driver verzichtet und viele Fairways getroffen, was bei dem spürbaren Wind nicht so einfach war“, kommentierte der Lausitzer Neumann.
Dass es für ihn am Ende doch nicht ganz zum Titelgewinn reichte, lag nicht nur daran, dass er das Tempo von den vorderen Neun nicht ganz mit auf die zweite Halbrunde nehmen konnte, sondern auch an der enorm stabilen Vorstellung seines Kontrahenten. Kazan machte kaum Fehler und hatte darüber hinaus das Spielglück mehr auf seiner Seite.

Titel für Kazan, Dusche für Biganzoli
„Ich habe sehr konstant gespielt und anders als gestern sind die Fehlschläge nicht so hart bestraft worden“, erklärte der Routinier, der in der türkischen Heimat im Kemer Country Club in Istanbul abschlägt. „In Deutschland fühle ich mich besonders wohl. Das ist mein dritter Titel hier und mein zweiter in Leipzig, was mich sehr glücklich macht. Ich bin sehr stolz darauf, den Titel verteidigt zu haben.“ Nach Runden von 82 und 74 Schlägen hatte er am Ende fünf Schläge Vorsprung auf Neumann. Einen weiteren Schlag zurück sicherte sich Süli nach einer 83 Platz drei.
Strahlend unterwegs war nach dem letzten Putt auch Biganzoli, der sich am zweiten Tag mit einer 80 noch einmal steigern konnte. In der Wertung “Brutto Zählspiel” reichte es für den Bremer für den vierten Rang. Des Weiteren entschied er die Wertung “Zählspiel Netto” der IAM für sich. Nach der Siegerehrung gab es noch eine Dusche, denn die Folge seiner imposanten Runde war ein einstelliges Handicap. „Ich bin sehr, sehr glücklich mit meiner Leistung. Ich habe den Ball heute so gut getroffen und vor allem die Strategie, auf den Driver zu verzichten, hat sich ausgezahlt.“

Weitere verdiente Sieger
Auch in den Wertungen der Deutschen Meisterschaften ging es hoch her: In der Kategorie „Arm“ setzte sich Henrik Kleiner (GC Thülsfelder Talsperre) die Goldmedaille. Die Kategorie „Bein“ ging an Walter Kohlmeyer vom GC Wümme. Die Kategorie „Mental“ ging ebenfalls an Leon Thobe Biganzoli (GC Oberneuland), während bei den Gehörlosen Paul Neumann (Lausitzer GC) seinen Titel verteidigen konnte. In der Kategorie „Sonstige mit körperlicher Einschränkung beim Golfschwung“ freute sich Andreas Süli über Gold und eine weitere Auszeichnung. Lokalmatador Stefan Breidung (GP Leipzig) spielte seinen Heimvorteil aus und holte Gold in der Kategorie „Sonstige ohne körperliche Einschränkung beim Golfschwung“.
Weitere Gewinner in den IAM-Wertungen waren Karina Härtel vom GC Dillenburg (Netto Damen), Mica-Finn Meier (Netto Herren) und Stephen Crocker in der Kategorie „Rollstuhl“.









