Partner des DGV

Zwei Champions, zwei Generationen: Scottie Scheffler und Tiger Woods (re.). | © USGA/Mike Ehrmann, golfsupport.nl/Brian Rothmuller/ism

Wird Scheffler der neue Woods? Ein alberner Vergleich!

Es gibt eine fast zwanghaft wirkende Tendenz in der Berichterstattung über Sport: die Suche nach dem nächsten Superstar. Kaum gewinnt ein Athlet ein paar große Titel, überschlagen sich Medien und Experten mit Vergleichen zu Legenden. Einerseits ist das verständlich – denn Zeitungen, Online-Plattformen, TV-Sender & Co. kämpfen mehr denn je um Reichweiten, Klicks und Aufmerksamkeit. Und Rekorde faszinieren nun einmal. Außerdem sollen Journalisten einordnen und analysieren. Andererseits ist es aber auch ermüdend und vielleicht sogar ein wenig respektlos, herausragende Leistungen stets im Schatten der Vergangenheit zu betrachten. Der permanente Blick zurück raubt jedem neuen Triumph den Zauber der Gegenwart und macht aus frischen Erfolgen Fußnoten der Nostalgie. 

Vergleiche mit Legenden

Das Phänomen zieht sich quer durch die Sportwelt. Carlos Alcaraz und Jannik Sinner, die derzeit besten Tennisspieler der Welt, stehen für eine neue Generation von Ausnahmespielern, die auf dem besten Weg sind, eine Ära zu prägen. Beide sind Anfang 20 und werden schon jetzt an den übermenschlich erscheinenden Erfolgen von Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer gemessen. Werden sie noch dominanter als die großen Drei? Knacken sie den Grand-Slam-Rekord von Djokovic (24)? Werden sie das Spiel noch schneller, noch athletischer, noch besser machen? 

 

McIlroy, Spieth & Co. – das belastende Tiger-Etikett

Im Golf ist es nicht anders. Tiger Woods ist seit rund zwei Jahrzehnten das Maß der Dinge – obwohl Jack Nicklaus mehr Majors gewonnen hat. Rory McIlroy zum Beispiel bekam das belastende Etikett des „nächsten Tiger“ verpasst, als er zwischen 2011 und 2014 vier Major-Titel gewann. Die Leidensgeschichte, die dann folgte, ist bekannt – es dauerte elf Jahre, bis der Nordire in diesem Jahr beim Masters in Augusta den langersehnten nächsten großen Coup feiern durfte. Jordan Spieth bekam den Tiger-Stempel aufgedrückt, als er zwischen 2015 und 2017 drei Majors gewann und Brooks Koepka musste ebenfalls damit zurechtkommen, als er innerhalb von zwei Jahren vier Titel abräumte.

 

Scheffler im Tiger-Test

Nun ist es Scottie Scheffler, der sich spätestens nach seinem Sieg bei der Open Championship, dem zweiten Major-Erfolg in diesem Jahr und dem vierten insgesamt, dem obligatorischen Tiger-Test stellen muss. Wie der Amerikaner selbst darauf reagiert, ist bemerkenswert: „Ich finde, das ist ein bisschen albern“, sagt er über die Spekulationen, er könne die 15 Major-Titel von Woods erreichen. Eine angemessene Bescheidenheit? Vielleicht. Gewiss aber auch ein wohltuendes Bekenntnis zur eigenen Realität.

Scheffler: „Ich identifiziere mich nicht darüber, Turniere zu gewinnen"

„Ich identifiziere mich nicht darüber, Turniere zu gewinnen, Trophäen zu jagen, berühmt zu sein oder was auch immer“, sagt Scheffler. Tennisprofi Alcaraz sprach kürzlich beim Turnier von Wimbledon ähnliche Worte: „Für mich geht es nicht darum, zu gewinnen oder zu verlieren. Für mich geht es darum, Spaß am Tennis zu haben. Spaß daran zu haben, wenn ich auf dem Platz stehe. Ich denke nicht über das Ergebnis nach. Es geht einfach darum, den Moment zu leben.“ Klingt fast zu romantisch, ist aber vielleicht die beste (und einzige) Chance, sich nicht von der permanenten Gegenüberstellung mit Ikonen vergangener Tage erdrücken zu lassen. 

22 Turniersiege, vier Major-Erfolge

Scheffler ist 29 Jahre alt, wenn alles glatt läuft, hat er noch viele Jahre in der Weltspitze vor sich. Er hat neben den vier Majors bereits 22 PGA Turniere gewonnen, führt die Weltrangliste mit großem Abstand an und es fällt einem kein Grund ein, warum seine Dominanz bald enden sollte. Ob er die 15 Major-Siege von Woods überbieten wird? Nicht wichtig, zumindest jetzt noch nicht. 

Weiteres zum Thema

Partner des DGV