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Tjelle Rieger jubelt über den Sieg | © DGV/STEBL

Viele Birdies, wenig Bogeys: Sieg gegen Belgien

Tallinn/Estland – Belgien hatte am Vortag Spanien überaus deutlich bezwungen und trat daher mit viel Selbstvertrauen an. Gut für Deutschland war, dass der Vierer schnell klar in Führung lag. Tom Haberer und Tjelle Rieger harmonierten erneut prächtig und lagen nach sechs Löchern schon mit 3auf in Führung. Das Duo blieb bogeyfrei und machte Arthur Estas und Leopold Isserentant nie die Tür auf.
 

Am Ende war der Punkt schon auf dem 14. Grün mit 5&4 gewonnen. Zeitgleich führte Finn Kölle schon dormie 4auf, Wolfgang Glawe lag 2auf nach 12 und Emil Riegger schickte sich gerade an, einen 3down-Rückstand noch zu drehen. Carl Siemens war als letzter Deutscher gestartet und lag ständig knapp in Rückstand, ohne dass in seinem Duell mit Liam Bentein je der Eindruck entstand, der Belgier könnte tatsächlich dieses Match gewinnen, wenn es am Ende darauf ankommen würde. Kam es aber nicht.

Kölle ganz cool

Finn Kölle holte mit 4&2 vorzeitig den zweiten Punkt würde Deutschland. Dabei machte der SLR-Athlet das Beste aus einem verlorenem Ball auf Loch 15, wo Kölle seinen zweiten Schlag etwas nach rechts verzogen hatte und der Ball dann doch in den Schilfgürtel der Ostsee versprungen war. Der 21-Jährige lochte zwar zum Par, aber Jarno Tollenaire rettet sich mit einem versenkten Birdieputt noch einmal weiter.
 

Bisher war Loch 16 noch nicht als für Scores unter Par bekannt, daher freute Kölle sich über den Abschluss seines Matches: „Für mich war die 16 heute besonders, weil ich dort zum ersten Mal Birdie gemacht habe und damit auch mein Match beendet habe. , Der Tag heute hat viel Spaß gemacht und die Stimmung ist gut. Morgen spielen wir nochmal auf Angriff, um auch morgen zu gewinnen. Dann sind wir sauber aus den Matchplays rausgekommen.“

Im Stile eines Großen

Auch Wolfgang Glawe beendete sein Match vorzeitig im Stile eines Großen. Mit 2auf ging es auf das 17. Tee. Das Loch zu teilen, hätte ausgereicht, um den Punkt für Deutschland zu holen. Der Abschlag auf diesem Par 3 war aber so gut, dass der Sportsoldat vom GC Hubbelrath den Putt sicher versenkte und damit einen 3&1-Sieg feierte.

Punkte für die Bücher

Das zuletzt gestartete Match wurde mit 1auf für Belgien gewertet, während Emil Riegger auf dem 18. Grün den Ausgleich nicht mehr erzwingen konnte. In den Büchern steht damit ein 3:2-Sieg für Deutschland. Sieht eng aus, hat sich aber von Beginn an auf dem Platz nicht eng angefühlt. Man hatte immer das sichere Gefühl, die Bundesadler, die von Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann wieder hervorragend eingestellt worden waren, würde diesen Tag erfolgreich abschließen.

Finales Duell um Platz neun

Am Samstag trifft Deutschland im letzten Duell dieser Team-EM auf Wales. Es geht darum, wer im Abschlussklassement auf dem neunten Platz steht und damit gezeigt hat, dass auch ein Nackenschlag verarbeitet werden kann, um mit erfolgreichen Tagen diese europäischen Titelkämpfe zu beenden. Wales hatte sich am Vortag in einem echten Krimi erst im Playoff gegen Dänemark durchgesetzt. Am zweiten Tag der Matchplays machte Wales gegen Island keine Kompromisse und lieferte mit 4,5:0,5 eine fabelhafte Leistung.

Finale um den Klassenerhalt

Wenn Spanien am Finaltag auf Schweden trifft, würde man immer annehmen, dass es entweder das Finale oder aber das Spiel um Bronze ist. In diesem Jahr ist aber alles anders und diese großen Golfnationen werden um den Verbleib in Division I ein Finale der besonderen Art austragen. Der Sieger bleibt erstklassig, der Verlierer geht runter. Dass Polen absteigen wird, ist keine große Überraschung. Dass Dänemark nach der Niederlage gegen Schweden nun aber als zweiter Absteiger schon feststeht und dazu noch einer der ganz großen Namen ebenfalls 2027 in Division II antreten muss, bestätigt nur eines: Nicht nur im Fußball gibt es keine kleinen Mannschaften mehr. Auch im Golf ist die Leistungsdichte international inzwischen brutal hoch.

Finale um Gold

Der nationale Fernsehsender hat alles richtig gemacht. Im estnischen TV wurde das Halbfinale live übertragen. Die Heimmannschaft traf auf Frankreich und schaffte mit einer Energieleistung den Finaleinzug. Nach ungemein spannenden Vierern führte Estland mit 2:0. Damit stand Frankreich unter Zugzwang. Ein Einzel ging mit 5&4 früh zu Gunsten der Grande Nation zu Ende, aber in zwei der vorderen Einzeln lag Estland stets in Front. Und tatsächlich holten die Nordländer mit 2&1 sowie 4&2 die beiden fehlenden Punkte zum Sieg. Die beiden letzten Einzel wurden bedeutungslos und als geteilt gewertet. Estland hatte mit 5:2 gewonnen.
 

Im Finale geht es am Samstag für die Gastgeber gegen Irland, dass sich in einem denkwürdigen Halbfinale erst auf dem ersten Extraloch des letzten Einzels gegen Titelverteidiger Italien durchsetzen konnte.

Stimmen vom Tag

Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann zog nach dem Sieg ein Zwischenfazit, ohne die Aufgabe vom Finaltag aus den Augen zu verlieren: „Wir sind jetzt natürlich erstmal froh, dass wir nach der enttäuschend ausgegangenen Zitterpartie, die wir in der Zählspiel-Qualifikation hatten, die Charakterfrage beantwortet haben. Wir haben erstmal den Abstieg verhindert und heute gegen die Belgier, die immerhin am Tag davor Spanien besiegt haben, haben wir nichts anbrennen lassen. Ich war mit der Leistung und vor allem auch mit der Qualität des Golfspiels und der Schläge wirklich zufrieden. Am gestrigen Tag gegen Polen war da durchaus noch Luft nach oben. Wir haben Gott sei Dank trotzdem souverän gewonnen. Ich habe da aber doch das eine oder andere beobachtet, wo ich so gedacht habe, das würde gegen einen stärkere Gegner, die ja durchaus auch in der unteren Tabellenhälfte sind, nicht reichen. Man muss sehen, dass wir ja in dieser Runde der Plätze 9 bis 16 so starke Nationen wie Schweden, Dänemark und Spanien haben. Morgen kommt es zwischen Schweden und Spanien zum Showdown gegen den Abstieg. Das ist ganu sicher ein Match, das keiner an dem Punkt erwartet hätte. Das zeigt aber, wie eng die europäische Spitze zusammengerückt ist. Umso beruhigter sind wir, dass wir sicher die Klasse halten konnten und heute gegen Belgien eben wirklich mit souveränem Golf dann letztlich auch überzeugend aufgetreten sind. Darüber bin ich sehr froh. Auch wenn man Zählspielvergleiche beim Matchplay nicht anstellen sollte, war das Duell von Emil Riegger mit -7 gegen -8 auf sehr hohem Niveau. Im Hinterkopf bleibt dann der Gedanke, was möglich gewesen wäre, wenn wir solche Leistungen im Zählspiel gebracht hätten. Wir sind aber in der Realität der unteren Tabellenhälfte angekommen und werden jetzt alles dran setzen, diese Team-EM an der Spitze als „Best of the rest“ zu beenden. Dass der Kampf, den wir an den beiden letzten zwei Tage gezeigt haben, uns gut zu Gesicht steht, ist jedem klar. Und das werden wir morgen gegen Wales dann versuchen, auch noch ein letztes mal umzusetzen. Wenn wir nach der Enttäuschung der Zählspielqualifikation tatsächlich drei Siege schaffen sollten, dann haben wir sicherlich auch irgendwo gezeigt, dass das ein Ausrutscher gewesen ist, der uns da an den ersten beiden Tagen wiederfahren ist.“
 

Tjelle Rieger hatte an der Seite von Tom Haberer auf dem Platz sichtbar viel Spaß. Der Youngster des Teams war nach dem letzten Putt entsprechend zufrieden: „Man hat heute wieder gemerkt, dass Tom und ich einfach sehr gut auf die Runden gegangen sind. Wir machen es gemeinsam extrem gut und haben es uns heute auch leicht gemacht, indem wir beide gut gespielt haben. Stolz können wir sein, weil wir heute kein Loch abgegeben haben. Aber nicht nur wir, sondern das gesamte Team hat heute erneut gezeigt, dass wir nicht in die untere Hälfte gehören. Wir haben das aber akzeptiert und gehen konzentriert in jedes Match. Morgen werden wir mit der gleichen Leidenschaft ins letzte Match gehen und das Beste daraus machen.“
 

Emil Riegger war mit seiner Leistung einverstanden, auch wenn er auf dem 18. Grün unterlegen war: „Die Runde heute war gut, obwohl ich 1down verloren habe. Mein Gegner hat ziemlich gut gespielt, ich aber auch. Er hat viele Putts gelocht. Ich hätte vielleicht ein paar mehr Chancen nutzen können, aber er hat bogeyfrei acht unter Par gespielt. Ich lag sieben unter, auch bogeyfrei. Das war also es ein richtig gutes Match. Der Schlag des Tages war auf der 14 mein Putt. Der war wichtig, weil ich 3down lag. Der Belgier hat seinen kürzeren Putt nicht gelocht, nachdem ich aus fast elf Metern meinen Ball versenkt hatte.“

 

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