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Sam Ryder hat sich wegen eines Regelbruchs nicht qualifiziert und ist dann doch bei der Valspar Championship dabei. | © 2026 Getty Images

„Unbeabsichtigt betrogen“: Neue Regel wird Profi zum Verhängnis

Manchmal sind es nicht schlechte Schläge, sondern kleine Regeländerungen, die über den Ausgang einer Runde entscheiden. Genau das wurde für PGA-Tour-Profi Sam Ryder zum Problem und führte zu einem ungewöhnlichen Rückzug mitten im Turnier. Der 36-Jährige spielte den Monday Qualifier zur Valspar Championship in Brooksville und lag nach neun Löchern bei drei unter Par – er war voll auf Kurs, sich einen der begehrten Startplätze zu sichern. Doch dann bemerkte Ryder einen folgenschweren Fehler.

Neue Regel, alte Gewohnheit

Grund für den Rückzug war eine der neuen PGA-Tour-Regeln für die Saison 2026: Beim sogenannten „Lift, Clean and Place“, also dem Reinigen und Neupositionieren des Balls, wurde der erlaubte Abstand deutlich verkleinert. Anstatt wie früher innerhalb einer Schlägerlänge droppen zu dürfen, gilt nun nur noch die Länge einer Scorekarte, was etwa elf Zentimetern entspricht.

 

Genau hier lag Ryders Problem: Er hatte unbewusst nach der alten Regel gespielt. „Ich habe unbeabsichtigt betrogen“, erklärte Ryder im Podcast „Any Given Monday“. „Ich habe die Scorekartenlänge nicht eingehalten.“

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Auch wenn er sich dadurch nach eigener Aussage keinen echten Vorteil verschafft hatte, zog Ryder die Konsequenzen und nahm sich selbst aus dem Wettbewerb. „Es gab ein paar Situationen, in denen ich es definitiv falsch gemacht habe. Also habe ich zurückgezogen", sagte er. Doch die Geschichte hatte ein Happy End: Ryder rückte nach, nachdem Akshay Bhatia kurzfristig zurückgezogen hatte, und nahm an der Valspar Championship teil. Dort schaffte er den Cut und beendete das Turnier auf Rang T64.

Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:

„Man hört förmlich die Behauptung des einen oder anderen Lesers, dass ein solcher Fall typisch für die Tour ist, bei der jedes noch so kleine Detail mit Platzregeln behandelt wird. Sicher ist es dort so, denn bei den Summen, um die gespielt wird, will man für gleiche und faire Verhältnisse sorgen. 

 

Und dann denkt man daran, dass irgendwann zum Saisonbeginn im Heimatclub das Besserlegen eingestellt wird – und das haben lange nicht alle gemerkt. Oder eine Fläche mit Boden in Ausbesserung hat sich so weit erholt, dass die blauen Pfähle wieder eingesammelt werden. Unwissentlich verhält man sich dann so, wie man es in den letzten Wochen oder Monaten gewohnt war, und legt immer noch besser oder droht ohne Grund. Damit verstößt man gegen die Regeln. 

 

„Betrug“, wie Sam Ryder es in seinem Fall beschrieben hat, ist dies jedoch nicht, denn Betrug würde voraussetzen, dass die Absicht bestand, sich einen unzulässigen Vorteil zu verschaffen. Dennoch ist es ein Regelverstoß, und die Regeln fragen nicht danach, ob etwas absichtlich oder versehentlich geschehen ist. Wird der Ball eine Schlägerlänge statt einer Scorekartenlänge bessergelegt und gespielt, gilt dies als Spielen von falscher Stelle. Eine Disqualifikation erfolgt nur bei einem schwerwiegenden Verstoß, was auf dem Fairway eher selten der Fall ist. Der Spieler hätte ausrechnen können, wie oft er den Ball falsch bessergelegt hatte, und sich für jedes Mal zwei Strafschläge notieren können. Das lohnte sich jedoch vermutlich nicht.

 

Im Übrigen handelt es sich nicht um eine „neue Regel“ der PGA Tour, sondern um eine seit vielen Jahren bekannte Platzregel. In dieser wurde lediglich die Entfernung geändert, in der der Ball bessergelegt werden darf.

 

Ein Beispiel dafür, dass man sich auch im umgekehrten Fall ein Eigentor schießen kann, habe ich mit einer Ausgrenze erlebt, die wir für ein Verbandsturnier einmal entfernt hatten. Ein Spieler hatte die Ausgrenze aus früheren Runden auf dem Platz in Erinnerung. Als sein Ball in dem ehemaligen „Aus“ landete, spielte er einen neuen Ball, obwohl dies gar nicht nötig gewesen wäre. Manchmal läuft es eben einfach nicht.“

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