Tyler Collet: Eine Begegnung mit Woods, die alles veränderte
Sie sollten die folgenden Zeilen unbedingt lesen, wenn Sie hin und wieder an Ihren Unzulänglichkeiten auf dem Golfplatz verzweifeln. Erstrecht dann, falls Sie schon einmal für einen kurzen Moment in Erwägung gezogen haben, sich dem Frust über die eigene Fehlbarkeit zu beugen und Ihre Golfausrüstung zu verscherbeln.
Vierte Teilnahme bei der PGA Championship
Diese Gedanken kennt auch Tyler Collet, ein sogenannter PGA Assistant Pro. Er spielt nicht regulär auf der PGA Tour oder einer anderen großen Profitour wie der DP World Tour oder LIV Golf. Sein Fokus liegt auf dem Clubbetrieb, Training und gelegentlichen Turnieren wie der PGA Professional Championship, über die er sich in diesem Jahr bereits zum vierten Mal für die PGA Championship qualifizieren konnte (nach 2021, 2022 und 2024). Dort erlebte er vor einigen Jahren eine Begegnung mit Tiger Woods, die seine Einstellung zum Golfspiel nachhaltig veränderte – dazu gleich mehr.
Kein Spaß am Wettkampf
Am Rande der Vorbereitungen auf das zweite Major-Turnier 2025 plauderte Collet mit Reportern über seinen einst steinigen Weg, auf dem er versuchte, als Tour-Pro Fuß zu fassen. „Ich hatte dabei nie Spaß“, gesteht er. Heute spielt Wettkampfgolf nur noch eine untergeordnete Rolle in seinem Berufsleben – und seine Perspektive auf das Spiel ist eine andere geworden. „Es ist nicht mehr das Ende der Welt“, sagt er über Wochen, in denen der Schwung nicht funktioniert oder die Putts nicht fallen. „Es ist ein Spiel, das ich liebe – und ja, es ist das höchste Level, aber es ist nicht lebenswichtig da draußen. Das beruhigt meinen Kopf, meine Herangehensweise – und ich spiele deshalb besser.“
Trainingsrunde mit Cameron Young
Am Mittwochmorgen spielte Collet eine Trainingsrunde mit Cameron Young, der in dieser Woche ebenfalls zum vierten Mal bei der PGA Championship antritt. Bei seinem ersten Start 2022 in Southern Hills war Young am Sonntagnachmittag auf der Schlussrunde aussichtsreich im Leaderboard positioniert, ehe ein Schlag in den Bunker neben dem Grün und drei Putts am drittletzten Loch seinen Titeltraum zerstörten. Collet realisierte damals: Selbst die besten Spieler der Welt spielen nicht immer ihr bestes Golf.
Begegnung mit Tiger Woods
Ein anderes Erlebnis im gleichen Jahr prägte den Amerikaner noch stärker. Am Sonntag vor Beginn des Turniers, so erzählt er in Quail Hollow, habe er alleine auf der Driving Range Bälle geschlagen – als plötzlich Tiger Woods neben ihm auftauchte, um ebenfalls zu trainieren. „Er legt seine Bälle direkt neben meine, wirklich direkt daneben“, erinnert sich Collet. „Wirklich cool.“ Die nächste Überraschung: Woods, immerhin dekoriert mit 82 PGA-Tour-Siegen und 15 Major-Titeln, spielte nicht perfekt. Längst nicht alle Schläge traf er damals sauber. „Er ist ein Mensch“, sagt Collet, „und er hat Fehlschläge gemacht – genau wie ich.“ Und weiter: „Wenn man auf diesem Niveau spielt, weiß man, wie sich ein dünner Schlag anhört, man weiß, wie sich ein fetter Schlag anhört. Natürlich klingt es anders, wenn er den Ball gut trifft – er ist schließlich der Beste, der es je gemacht hat. Aber er hat eben Schläge gemacht wie jeder andere auch.“
Was Collet daraus gelernt hat? „Jeder schlägt mal schlechte Bälle, aber man sollte einfach versuchen, trotzdem Spaß zu haben.“ Bestimmt eine hilfreiche Einstellung – auch für seinen Start bei der diesjährigen PGA Championship.








