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Archivbild: Jonas Rother ist Teil des vierköpfigen deutschen Teams in Genua. | © DGV/ Tiess

Start der Team-EM in Genua

Der Golf Club Genova Sant’Anna ist für diese Meisterschaft fast wie gemalt: eingebettet in die Hügel der Riviera di Ponente, nur wenige Kilometer von Genua und seinem UNESCO-geschützten historischen Zentrum entfernt, verbindet die Anlage ligurische Landschaftsidylle mit sportlichem Anspruch. Die Ruhe des Hinterlandes, das milde Küstenklima und die Nähe zum Meer - eine großartige Atmosphäre, um über 54 Löcher bestmögliches Golf abzurufen.

 

Sant’Anna ist seit Jahren eine feste Größe im italienischen Golfsport, hat zwei italienische Profi-Meisterschaften ausgerichtet und diente mehrfach als Trainingsbasis der Nationalmannschaft – unter anderem für einen jungen Matteo Manassero. Wer hier aufteet, weiß: Der Platz verzeiht wenig, belohnt dafür jedoch mutiges Spiel und präzise Strategie. 
 

Eröffnung mit Gänsehaut

Bevor der erste Ball fliegt, gehörte die Bühne den Fahnen und Farben Europas. Die Spielerinnen und Spieler trugen am Vorabend des ersten Turniertages die Flaggen der acht teilnehmenden Nationen, liefen im Teamdress vor Familien, Freunden und Offiziellen ein – ein Moment, in dem aus individuellen Geschichten ein gemeinsamer europäischer Rahmen wurde.

Für Jennifer Sräga, die Deutschland bereits zum fünften Mal bei dieser Meisterschaft vertritt, ist dieser Abend mehr als Routine. Die amtierende G4D-Open-Siegerin übernimmt erstmals als Playing Captain die Verantwortung auf und neben dem Platz. Sie führt ein deutsches Team an, das seine Vorbereitung abgeschlossen hat und mit klarer Haltung nach Genova reist: Wir sind bereit, wir geben unser Bestes. 
 

Der Turniermodus

Gespielt werden 54 Löcher an drei Tagen - jeweils in Zweier-Teams. Dabei entscheiden die Kapitäninnen und Kapitäne, welche Paarungen für die jeweiligen Runden auf den Platz gehen – denn die Spielformen verlangen unterschiedliche Stärken.
 

Beim Greensome (wird an Tag eins und drei gespielt) schlagen zunächst beide Spieler bzw. Spielerinnen ihren eigenen Ball vom Abschlag. Danach wählen sie gemeinsam den besser platzierten Ball aus; der zweite wird aufgenommen. Ab dieser Position wird nur noch dieser eine Ball gespielt – die beiden Teammitglieder schlagen abwechselnd, bis der Ball im Loch ist. Taktisch bedeutet das: Der Druck vom Tee ist etwas geringer, zwei Chancen pro Loch, dafür steigt die Bedeutung der Kommunikation. Zudem sieht man im Greensome schnell, wie gut ein Team sich kennt und vertraut.
 

Ganz anders am zweiten Tag: Im Foursome, dem klassischen Vierer also, teilen sich zwei Spieler einen Ball vom ersten Schlag an. Vor der Runde wird festgelegt, wer auf den geraden und wer auf den ungeraden Löchern abschlägt; danach gilt striktes Wechselspiel. Ein Spieler schlägt ab, der andere macht den nächsten Schlag, bis der Ball im Loch verschwindet. Fehler wiegen hier schwerer, denn es gibt nur einen Abschlag pro Loch, keine Alternative wie im Greensome. Foursome ist die pure Teamdisziplin: Rhythmus, Vertrauen und das Wissen, wann man den Partner entlastet oder bewusst in seine Stärke hineinspielt, entscheiden über Sieg und Niederlage.
 

Für Deutschland und auch die anderen Teams, bedeutet dieses Format: Die Paarungen müssen nicht nur sportlich zusammenpassen, sondern auch von der Persönlichkeit. Wer übernimmt Verantwortung im Foursome, wer nutzt im Greensome die zusätzliche Sicherheit vom Tee, wer führt im entscheidenden Moment? Genau hier kann die inzwischen große internationale Erfahrung der jungen Jennifer Sräga den Unterschied machen. Dabei kann die Zusammenstellung der Teams für jeden Tag neu gesetzt werden. Für die Meisterschaft entscheidend ist nach den drei Turniertagen das Aggregat aus allen sechs gespielten Zählspiel-Ergebnissen. Streicher gibt es nicht.
 

Das Band-System: Inklusion mit Leistungsgedanken

Die Meisterschaft lebt davon, dass sie inklusiv ist – ohne den sportlichen Anspruch zu verwässern. Das von EDGA entwickelte „Band“-System wurde erst zu Jahresbeginn eingeführt. Es teilt Spielerinnen und Spieler in vier Klassen ein, die unterschiedliche Beeinträchtigungen abbilden: von orthopädischen und neurologischen Erkrankungen über Sehbehinderungen bis hin zu intellektuellen Beeinträchtigungen. Jede Nation tritt mit einem Team aus vier Spielerinnen und Spielern an, darunter mindestens eine Frau bzw. ein Mann.
 

Parallel zu den Mannschafts-Europameisterschaften, läuft in Sant’Anna der European Nations’ Cup für Golfer mit Behinderung – ein Wettbewerb, in dem gemischte Teams aus verschiedenen Leistungsklassen antreten und so auch weniger erfahrene Aktive  Wettkampferfahrung sammeln. Für diesen Wettbewerb haben sich fünf der insgesamt acht Nationen angemeldet: Italien, Belgien, Tschechien, England und Irland. Diese Veranstaltung gilt als Sprungbrett für künftige Kandidaten der Mannschafts-EM.
 

Tag eins: England mit fliegendem Start

Sportlich ist der erste Tag ein Greensome-Tag – und damit die perfekte Bühne für Teamdynamik. Die amtierenden Titelverteidiger aus Frankreich bringen sich mit ihrem ersten Team (France 1 EC) in eine gute Ausgangslage, doch Vize-Europameister England setzt sofort das erste echte Ausrufezeichen. Denn Heather Gilks und Oliver Hirst Greenham spielen eine 72 (+1), direkt gefolgt von ihren Teamkollegen Lee York und Chris Foster mit 73 Schlägen (+2). 
 

Dahinter sortieren sich die Niederlande und Frankreich ein: Niederlande 2 und Frankreich 1 bringen jeweils eine 74 (+3) ins Clubhaus und bleiben damit eng an den englischen Teams dran. Mit jeweils 75 Schlägen (+4) folgen Niederlande 1, Schweden 2 und Italien 2, die sich in der Lauerposition halten und wissen, dass ein starker zweiter Tag sie sofort ins Titelrennen tragen kann.
 

Aus deutscher Sicht ist der Auftakt vor allem ein harter Arbeitstag: Deutschland 2 mit Jonas Rother und Christian Nachtwey kommt mit 81 Schlägen (+10) vom Platz und steht damit auf Platz 11, während Deutschland 1 mit Jennifer Sräga und Christof Buhl eine 90 (+19) notiert und sich unglücklich am Ende des Tableaus wiederfindet. Die Ausgangslage ist damit klar: Die Konkurrenz aus England, Frankreich und den Niederlanden hat den Ton gesetzt, Deutschland braucht nun im Foursome an Tag zwei jenen Teamgeist und jene Präzision, die aus dem schweren Start noch eine versöhnliche Turniergeschichte formen.

 

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