Selbstanzeige mit gutem Karma belohnt
Manchmal schreibt der Golfsport Geschichten, die seine Werte eindrucksvoller widerspiegeln als jedes Regelbuch. Eine solche lieferte Matt Wallace in der zweiten Runde der Valspar Championship. Der Engländer lag zu Beginn des Tages bei +2 und damit knapp außerhalb der Cut-Linie. Auf Bahn elf, einem Par 5, geriet sein Abschlag rechts in die Bäume. Der Ball kam auf Kiefernnadeln und Laub zum Liegen – eine heikle Situation. Beim Ansprechen bewegte sich der Ball leicht, ausgelöst durch eine unglückliche Berührung während des Probeschwungs.
„Ich musste den Schläger ungewöhnlich weit vom Ball entfernt halten, weil ein Ast im Weg war“, erklärte Wallace später. „Beim Wackeln habe ich ihn definitiv berührt – und der Ball hat sich bewegt.“ Was folgte, ist im Profigolf keineswegs selbstverständlich: Wallace rief einen Referee und zeigte sich selbst an. Er erhielt einen Strafschlag, obwohl, wie er selbst sagte, offenbar niemand sonst die Bewegung bemerkt hatte.
"Man schützt das gesamte Feld"
„Man macht das nicht nur für sich selbst“, so Wallace. „Man schützt das gesamte Feld, seinen Caddie, sein Team, seine Familie. Ich würde lieber den Cut verpassen, als mit einem schlechten Gefühl weiterzuspielen.“ Trotz der Strafe rettete er auf der Elf noch das Par – ein Schlüsselmoment. Danach nahm seine Runde Fahrt auf: Birdies auf den Bahnen 14, 15 und 17 (Putts aus sieben und acht Metern) brachten ihm eine 68 ein. Mit insgesamt -1 schaffte er nicht nur den Cut, sondern positionierte sich auch solide für das Wochenende.
„Vielleicht kommt da ein bisschen gutes Karma zurück“, sagte Wallace mit einem Lächeln. Eine ungewöhnliche Szene – und gleichzeitig ein Paradebeispiel für die Integrität, die den Golfsport prägt. In diesem Fall wurde sie sogar belohnt.
Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:
„Warum benachteiligt man sich selbst?“ – das könnte die Überschrift über diesem Regelfall lauten. Es ist eine Frage, die sich oft stellt, wenn ich meine persönlichen Erfahrungen aus Turnieren, insbesondere Ligaspielen, betrachte. Da stehen zwei Spieler auf dem Fairway, während der dritte Spieler sich zwischen ein paar Büschen um eine vernünftige Standposition und einen halbwegs machbaren Schlag bemüht. Dann kommt er hinter den Büschen hervor und teilt seinem Zähler mit, dass er einen weiteren Schlag gemacht habe, den die beiden wartenden Spieler nicht sehen konnten.
Der Zähler nickt, bedankt sich und der dritte Spieler kommentiert: „Bist du blöd, den hat doch keiner gesehen.“ Doch, es hat einer gesehen, nämlich der Spieler, der den schlechten Schlag gemacht hat. Wenn dieser Spieler erwartet, dass die anderen ihn nicht betrügen, gilt für ihn das Gleiche. Für diejenigen, die vielleicht versucht sind, den Schlag oder Strafschlag zu verschweigen, gilt: Sie wissen nie, ob es nicht doch jemand gesehen hat. Wenn man bei jedem Schlag darüber nachdenkt, ob man als Betrüger auffliegt, werden einige Schläge entsprechend schlecht ausfallen, weil man mit den Gedanken woanders ist.
Mit einem guten Gewissen spielt es sich dagegen deutlich angenehmer.







