Platzrekord zum Auftakt
Frankfurt – Am ersten Wettkampftag der European Ladies' Amateur Championship fallen viele Birdies und auch etliche Eagles.
Bisher stand in der Konstellation von den Magenta-Tees mit 5.765 Metern bei Par 73 der Platzrekord bei 68 (-5) Schlägen, aufgestellt bei der German International Ladies Amateur Championship im Jahr 2023.
Dass dieser bei dem Teilnehmerfeld dieser Europameisterschaft in Gefahr geraten würde, war durchaus zu erwarten. Gleich am ersten Tag ging es bei den besten Athletinnen des Feldes tief – richtig tief!
Sophia Fullbrook aus England hatte Pech. Ihre Schläger waren für die Proberunden noch nicht eingetroffen, und so entschied die Spielleitung, die Britin in die letzte Startzeit zu setzen, um die Chancen zu erhöhen, dass das Werkzeug noch für die erste Turnierrunde zur Verfügung steht. Und tatsächlich konnte die 19-Jährige, die aus Hertfordshire stammt und in den USA College-Golf spielt, gerade noch vor der Startzeit ihr Bag in Empfang nehmen.
Mit dem eigenen Besteck lief es für Fullbrook rundweg perfekt. Ohne Bogey sammelte die Britin zwei Eagles und vier Birdies ein. Macht in Summe 65 Schläge, acht unter Par – gleichbedeutend mit der alleinigen Führung vor dem zweiten Wettkampftag.
Lange in Front
Andrea Revuelta, die schon mit der zweiten Startzeit um 7.41 Uhr von Tee 1 rausgegangen war, ließ es auf der Front Nine noch gemächlich angehen und wechselte nach zwei Birdies mit -2 auf die Back Nine. Auf Loch 11 kassierte die 19-Jährige ein Bogey, ehe sie so richtig in Spiellaune geriet. Auf Loch 14 gelang Revuelta ein Chip-In zum Birdie, und von da an gab es kein Halten mehr. Die Putts liefen danach wie auf Schienen ins Loch. Vier Birdies in Serie – und zum großen Finale kam noch ein Eagle auf die Karte. 66 (-7) Schläge waren an diesem Tag bis zum allerletzten Putt, den Sophia Fullbrook zum Birdie versenkte, das Maß der Dinge.
Drei Schwestern, ein Name voller Versprechungen
Revuelta. Drei Athletinnen. Ein Name. Schwestern.
Amanda, die gerade mit den Mädchen Spaniens die Team-EM in England gewonnen hat, stand ursprünglich auf der Meldeliste, war dann aber letztlich doch nicht ins Feld gerutscht.
Angela ist mit 15 Jahren die jüngste Teilnehmerin des Feldes. Die Spanierin steht schon auf Rang 749 im World Amateur Golf Ranking und spielt Golf, seit sie drei Jahre alt war. 2024 hat Angela Revuelta die Spanische U16-Meisterschaft gewonnen. In diesem Jahr kam das Talent auf Platz zwei bei der German Boys and Girls in Bad Saarow. „Hier mit meiner Schwester in einem Turnier zu spielen, bedeutet mir viel. Das ist eine sehr besondere Erfahrung für mich“, freut sich die jüngere der beiden Revueltas im Feld.
Andrea, die große Schwester, hat gerade mit Spanien den Titel bei der Team-EM in Chantilly gewonnen und dabei auch im Halbfinale gegen Deutschland ihre grandiose Form unter Beweis gestellt. Die 19-Jährige studiert in Stanford und hat 2024 die Spanish International Ladies Amateur Championship im Finale mit 2&1 gegen Sara Brentcheneff gewonnen. Auch die Französin ist bei dieser EM in Frankfurt am Start. Fünfmal stand Andrea Revuelta bisher für Spanien bei Team-EMs im Kader. Als größten Erfolg nennt das herausragende Talent Spaniens die Teilnahme mit dem europäischen Team beim Junior Ryder Cup. Außerdem hat Revuelta für Europa im Junior Solheim Cup gespielt und war in allen internationalen Matches, die die EGA austrägt, mehrfach vertreten. Herausragender Erfolg war für die Spanierin auch der Sieg bei der ACC Championship im US-College-Golf. Bei der inoffiziellen Team-WM der Mädchen hat die Athletin des Real Sociedad Hípica Española Club de Campo die Einzelwertung gewonnen. Bei der Team-EM 2025 in Chantilly sorgte Andrea Revuelta beinahe für eine Revolution, denn bis zu ihrer fabelhaften 62 (-8) am zweiten Tag der Zählspielqualifikation war in dem traditionsreichen Club vor den Toren von Paris noch kein Platzrekord für Frauen dokumentiert. Umso herzlicher dann aber die Auszeichnung, die Laurent Bailly, der Präsident von Golf de Chantilly, der Spanierin im Rahmen der Siegerehrung für ihre bogeyfreie Fabelrunde mit acht Birdies überreichte – und damit bei der erfolgreichen Athletin offenbar emotional ins Schwarze traf. Nachdem die aus Madrid stammende Athletin in Chantilly ihren ersten Platzrekord spielte, sah es in der Auftaktrunde der Einzel-EM lange Zeit nach dem zweiten Rekord aus. Mit dem zweiten Platz nach der ersten Runde kann die Top-Favoritin aber dennoch sehr zufrieden sein.
„Bis auf die Par 5 spielt sich der Platz recht lang. Man schlägt viele lange Eisen in die Grüns. Ich habe heute sehr gut geputtet. Der Platz ist in sehr guter Verfassung und die Grüns sind sehr tricky. Ich mag den Platz, und es kann hier eine tolle Woche werden“, war Andrea Revuelta sehr glücklich mit ihrem Spiel und dem Tagesergebnis.
Dreikronen-66
Neben der Spanierin brachte auch Moa Svedenskiöld den fabelhaften Score von 66 Schlägen ins Recording. Die Schwedin vom Ringenäs GK war etwas später gestartet, lag nach der Front Nine ebenfalls bei zwei unter Par und erlebte eine traumhafte Back Nine mit drei Birdies und einem Eagle.
Für die 21-jährige Skandinavierin wäre es der erste Platzrekord der Karriere gewesen.
„Wenn man immer die Fairways und Grüns trifft, kann man hier tief gehen. Aber schon ein kleiner Fehler macht es schwierig, das Par zu halten“, strahlte die Schwedin über ihre bislang tiefste Runde.
Janisch und Kong lauern
Alice Kong aus Frankreich hat in diesem Jahr schon ein Turnier der LET Access Series gewonnen. Die 15-Jährige brachte satte sieben Birdies unter und musste nur ein Bogey notieren. Mit 67 (-6) liegt Kong in Lauerstellung.
„Ich habe das Gefühl, dass ich einen guten Start hatte. Ich war gut drauf, sodass ich heute einfach gut spielen musste! Der Platz ist ziemlich lang und eng, aber er ist in perfektem Zustand. Ich hatte eine tolle Serie von Birdies auf den Back Nine, weil ich angefangen habe, meine Eisen gut zu platzieren“, analysierte die zweitjüngste Teilnehmerin des Feldes ihre Auftaktrunde.
Ebenfalls gut aus den Startlöchern gekommen: Johanna Janisch. Die Österreicherin, die 2023 im GC Hardenberg die German Girls Open gewonnen hatte, lag nach 17 Löchern mit einer blitzsauberen Scorekarte sieben unter Par und hatte die Führung im Blick. Doch statt eines Birdies kam auf der letzten Bahn doch noch ein Bogey auf die Karte, sodass die 18-Jährige ebenfalls eine 67 unterschrieb. Da Janisch noch nie tiefer gescored hatte, war sie trotz des Bogeys am letzten Loch rundum happy.
Beste Deutsche
Aus deutscher Sicht hat sich die Europameisterin von 2020 am besten in Position gespielt. Paula Schulz-Hanßen hatte um 7.30 Uhr die Ehre, diese Europameisterschaft der Frauen zu eröffnen. Nach zwei frühen Birdies wollte der Score zunächst nicht weiter sinken. Nach 13 Löchern lag die Kurpfälzerin aus der Talentschmiede des GC St. Leon-Rot sogar wieder nur bei Even Par. Danach zeigte die 22-Jährige aber, dass sie jederzeit richtig tief gehen kann. „PSH“ knallte noch drei Birdies und einen Eagle auf den Platz des Frankfurter GC, sodass sie eine starke 68 (-5) unterschreiben durfte.
„Ich habe in der vergangenen Woche viel mit Sebastian Rühl trainiert und auch hier vor Ort in den letzten beiden Tagen einiges gemacht. Wir haben viel am Putten gearbeitet, und das hat sich heute schon gelohnt. Der Platz ist an manchen Ecken wirklich schwer und lang, dafür sind andere Löcher, vor allem auf den Par 5, sehr machbar, und es gibt gute Birdie-Löcher“, erklärt Paula Schulz-Hanßen ihren guten Start ins Turnier.
Auch Christin Eisenbeiß kam mit einer 68 (-5) ins Clubhaus. Auch bei der Falkensteinerin war es der Endspurt, der den tiefen Score erbrachte. Nach 14 Löchern lag die 24-Jährige noch bei einem Schlag über Par.
Mit Eagle-Birdie-Birdie-Eagle war es ein besonderer Abschluss der Runde, und somit teilt sich das Nordlicht den siebten Platz mit Paula Schulz-Hanßen.
Als Caddie war Bruder Eric am Bag. Die Voraussetzungen für einen tiefen Score waren aufgrund eines Insektenstichs alles andere als gut. Über Nacht war eine Hand heftig angeschwollen: „Ich habe heute Morgen beim Frühstück das Messer nicht greifen können, um mir ein Brötchen aufzuschneiden.“ Mit Kortison und Hilfe durch Physio Susanne Junge wurde alles getan, um den Start doch möglich zu machen.
„Auf der Range habe ich heute Morgen geguckt, wie es so läuft und ob ich irgendwie vielleicht einen Griff ändern muss. Aber es ging dann doch, und ich habe ja ganz ordentlich gespielt. Die letzten vier Löcher sechs unter Par zu spielen, hat Spaß gemacht. Das war toll. Der Platz bietet viele Möglichkeiten. Die Par-5-Löcher kann man alle mit dem zweiten Schlag erreichen. Das finde ich sehr fair“, so Eisenbeiß am Abend eines aufregenden Tages.
Guter Start für Levy
Victoria Levy, die 2023 die German International Ladies Amateur Championship an gleicher Stelle gewonnen hatte und dabei auch den bisherigen Platzrekord mit 68 (-5) Schlägen aufgestellt hatte, startete stark in diese Europameisterschaften. Die Schweizerin vom GC Lausanne kam bogeyfrei über den 5.765 Meter langen Par-73-Course. Mit vier Birdies ging der Score runter bis auf 69 Schläge. Damit war Levy einverstanden und hofft darauf, dass es auch in den kommenden Tagen so gut läuft.
Geburtstag
Marie Madsen feierte am ersten Wettkampftag ihren 21. Geburtstag. Die Dänin vom Viborg GK spielte gemeinsam mit Alice Kong und Caterina Don (Italien). Nach elf Löchern sah es für die Dänin noch nicht so freundlich aus, denn ein Birdie war noch nicht gelungen, dafür standen aber schon zwei Bogeys auf der Karte. Mit vier Birdies drehte Madsen den Score aber noch in den gewünschten Bereich, und so geht das Geburtstagskind mit einer 71 (-2) in den zweiten Wettkampftag.










