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Vier Birdies in Serie: Paula Schulz-Hanßen vom GC St. Leon-Rot | © DGV/STEBL

Nicht belohnt

Singapur – Der Start in diese Welttitelkämpfe hätte für das Junior Team Germany um Bundestrainerin Nicole Gögele und Capitän Florian Münch mit etwas Glück richtig tief gehen können. Alle drei Athletinnen, die im Club für den GC St. Leon-Rot spielen und in Singapur mit Stolz den Bundesadler auf dem Shirt tragen, legten die Abschläge fein säuberlich auf die hinreißend dichten Fairways. Semirough oder gar noch weiter neben der Ideallinie? Fehlanzeige!


Beste Voraussetzungen also, um auf den Grüns Birdie zu erzielen, denn auch die Schläge ins Grün verfehlten ihr Ziel fast nie. Der Wert für Grüns in Regulation war herausragend hoch. Mit der feinen Spitze, dass die Grüns fast alle recht groß sind und die Fahnen oft so positioniert waren, dass man auf den ondulierten Grüns schon besser auf dem richtigen Plateau liegen musste, um eine realistische Birdiechance zu kreieren. Hier war das ansonsten sehr gute Spiel der drei Deutschen zu oft nicht fein genug dosiert, sodass oft noch längere Putts übrig waren und anstatt eines Birdies mitunter sogar ein Bogey auf die Karte rutschte.
 

Paula Schulz-Hanßen startete mit zwei frühen Bogeys und lag nach drei Löchern bei zwei über Par. Danach zeigte „PSH“ aber, dass sie auch großen Herausforderungen gewachsen ist und hielt die Karte lange sauber, um dann plötzlich den Turbo zu zünden und mit vier Birdies in Serie ihren Score auf zwei unter Par zu drücken.
Wie gewonnen, so zerronnen war die Dose auf den Grüns der Bahnen 8 und 9, also der beiden letzten gespielten Löcher, wie vernagelt und mit dem Bogey-Bogey-Finish ging es für die Kurpfälzerin zurück auf Even Par, gleichbedeutend mit dem besten Score in Schwarz-Rot-Gold an diesem Tag.
 

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Charlotte Back lag nach einem frühen Doppelbogey auf Loch 12, gefolgt von einem Bogey auf Loch 13 schnell bei drei über Par, verbesserte sich mit einem sauberen Birdie auf der sechsten gespielten Bahn aber schon wieder. Anschließend wollten die Birdie-Putts einfach nicht ins Loch und so kam es auf dem vorletzten Grün, wie es kommen musste. Mit dem zweiten Bogey des Tages ging der Score letztlich auf 75 (+3) Schläge hoch.
 

Einen anderen Verlauf nahm die Runde von Chiara Horder. Auf dem Auftaktloch gelang der Bayerin, die 2025 mit dem GC St. Leon-Rot die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft gewinnen konnte, direkt ein Birdies. Damit war das Glückskontingent des Tages aber schon aufgebraucht. Was auch immer Horder machte, der Ball lag auf dem Grün selten nah genug am Stock, um eine realistische Birdiechance zu haben. Im Gegenteil, einige Dreiputts sorgten unter dem Strich dafür, dass der Score der routinierten Spielerin Punkt für Punkt kletterte und letztlich mit 77 (+5) Schlägen nicht in die Team-Wertung für diesen Tag kam.

Stimmen zum Tag

Charlotte Back spielte die Runde mit Athletinnen, die sie aus den US-Collegegolf kannte: „Bei mir im Flight war es heute sehr nett. Wir haben uns gut verstanden und hatten alle ein recht schnelles Spiel, was sehr entspannt war. Ich habe einigermaßen solide gespielt. Mein Driver war heute sehr gut, was geholfen hat mit den Längen ins Grün. Ich habe ein paar Fehler gemacht, die passieren, aber natürlich auch blöd waren. Später konnte ich mir Chancen erarbeiten, diese aber nicht nutzen. Der Putter war zu kalt um mit Birdies aufzuholen. Insgesamt habe ich viel liegen lassen, aber es sind ja noch drei Tage Golf zu spielen.“
 

Chiara Horder möchte am zweiten Wettkampftag vor allem ihre Schläge in die Grüns präziser platzieren: „Meine Schüsse vom Tee waren echt sehr gut. Die Schläge ins Grün konnte ich heute nicht so gut platzieren, was mir sehr schwere Putts gegeben hat. Morgen möchte ich meine Schläge ins Grüns besser platzieren und dann so geduldig bleiben wie ich es auch heute war.“
 

„Das war heute kein Traumstart und es ist ein bisschen schade, dass die Teams vorne am Nachmittag so marschiert sind, aber es war heute nur die erste Runde und wir haben noch drei Runden. Heute konnten nicht alle voll abrufen, was sie eigentlich können. Das ist im Golf aber auch völlig normal. Morgen gehen wir wieder konzentriert raus und schauen, dass wir unsere Taktik noch besser umsetzen. Wenn dann noch ein bisschen Glück dazu kommt, wird es sehr gut laufen“, ist Bundestrainerin Nicole Gögele ganz entspannt und weiß um die Stärken ihres Teams.


Die Spitze

An der Spitze des Feldes stehen nach Tag eins die erwarteten Favoriten. Im Team USA und Spanien waren alle drei Spielerinnen unter Par geblieben. Fast schon traditionell steht Südkorea auch ganz vorne, hat aber als Streichergebnis einen Score über Par. 
In Zahlen: Die USA stehen mit acht Schlägen unter Par nur einen Zähler vor dem Team aus Südkorea. Europameister Spanien folgt mit fünf unter Par auf Rang drei.

Erwartungsgemäß folgen darauf drei Teams aus Asien, die klimatisch an die extremen Bedingungen auf Äquatorhöhe angepasst sind und sich mit 100 Prozent Luftfeuchtigkeit auskennen. China, Thailand und Japan sind absolut in den erweiterten Kreis der Favoritinnen auf einen Podiumsplatz einzubeziehen.
 

In der Einzelwertung, die bei dieser Team-WM eigentlich keine Rolle spielt, hat sich zunächst Farah O´Keefe aus den USA an die Spitze gesetzt. Mit sieben Birdies bei zwei Bogeys war die 67 (-5) zunächst der tiefste Score. „Es war eine wirklich gute, geduldige, mentale Runde, in der ich einfach die Birdies zu mir kommen ließ, anstatt zu versuchen, etwas zu erzwingen“, kommentierte die aktuelle Nummer 7 im World Amateur Golf Ranking.
 

Hinter dem US-Girls folgen drei Athletinnen mit einem Schlag mehr in den Büchern, darunter die Spanierin Andrea Revuelta, die gewohnt fehlerfrei spielte und nach neunmal Par auf der Front Nine erst auf Loch 10 mit dem ersten Birdie dem Score einen Drall nach unten gab. Revuelta blieb ohne Bogey und hatte letztlich vier Birdies auf der Karte: „Es war eine sehr solide Runde. Ich habe 18 Grüns getroffen, also habe ich im Grunde genommen vom Abschlag bis zum Grün perfekt gespielt. Ich habe keinen einzigen Schlag verfehlt.“

Das Gastgeberland Singapur teilt sich am Ende des ersten Wettkampftages Platz 16 mit Deutschland. Xingtong Chen, die bei den diesjährigen U.S. Girls' Junior im Atlanta Athletic Club den zweiten Platz belegt hatte, brachte fünf Birdies unter und beendete die Runde als beste Athletin des Gastgebers mit 69 (-3) Schlägen.

Grummeln

Entgegen aller Vorhersagen blieb es den ganzen Tag über trocken – im Sinne von regenfrei. Bei Temperaturen weit über 30 Grad, kaum kühlendem Wind und der gefühlten Großraum-Sauna mit ständigen Aufgüssen war es schwierig, eine trockene Hand für den sicheren Griffe zu behalten. Zwischenzeitlich hatte sich ein beeindruckender Wolkenberg aufgetürmt und es grummelte aus einem Gewitter in der Ferne, aber letztlich konnte ohne Unterbrechung der erste Wettkampftag durchgespielt werden.
 

Ein ständig wiederkehrendes Grummeln mussten die Athletinnen im Minutentakt ertragen. Die landenden Flugzeuge flogen genau über den Platz und hatten teils nur noch 180 Meter Flughöhe, sodass es eine ganz besondere Herausforderung war, konzentriert am Ball zu bleiben, wenn gerade ein Großraumjet sein Landemanöver unmittelbar über den Köpfen der Spielerinnen vollführte.

Startzeiten

Am zweiten Wettkampftag geht Deutschland wieder gemeinsam mit Neuseeland und Malaysia raus. Chiara Horder wird von Tee 1 um 12.51 Uhr als erste Deutsche abschlagen, gefolgt von Paula Schulz-Hanßen. Um 13.13 Uhr steht Charlotte Back in der allerletzten Startzeit des Tages auf dem Tee. Nachdem das Wetter am ersten Wettkampftag bis in den Abend hinein stabil war, hoffen die Bundesadler, dass auch der zweite Tag solange ohne Regen oder Gewitter bleibt, bis die Runde komplettiert ist.

Funfact II

Seit 1992 ist der Verkauf von Kaugummi in Singapur stark eingeschränkt. Verklebte U-Bahn-Türen und verschmutzte Straßen waren der Auslöser für eine strenge Regelung, die Wirkung zeigt. Medizinischer Kaugummi darf in Apotheken auf Rezept verkauft werden, ansonsten ist der Handel verboten. Wer illegalen Handel betreibt, muss mit hohen Strafen rechnen. Saubere Straßen und Plätze stehen sinnbildlich für Singapurs strenge, aber von den Bürgern offenbar vollauf akzeptierte Ordnungspolitik.

 

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