Naturkunde auf dem Fairway
Kein Mathe, kein Deutsch, kein Musik. Stattdessen stand einen Vormittag lang eine ganz besondere Art des Heimat- und Sachunterrichts auf dem Stundenplan. Für 30 Mädchen und Buben der vierten Klassen der Grundschule Illerrieden im württembergischen Alb-Donau-Kreis ging es raus aus dem Schulhaus, gelernt wurde unter freiem Himmel. Im Golf Club Ulm wurde das „Grüne Klassenzimmer“ aufgebaut, ein Umweltbildungsprojekt des Deutschen Golf Verbandes (DGV).
Die Anlage im ehemaligen "Gräflich von Fugger'schen Hofgut Wochenau" ist hierfür ein nahezu idealer Gastgeber. Der Club engagiert sich seit Jahren intensiv für den Schutz und die Förderung der Artenvielfalt und zählt zu den besonders aktiven Teilnehmern des Projekts „GolfBiodivers“. Das hat die Aufwertung, das Monitoring und die Kommunikation der biologischen Vielfalt auf deutschen Golfplätzen zum Ziel, wird von mehreren universitären Partnern unterstützt und im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.
Auf den weitläufigen Flächen des Golf Clubs Ulm entstehen viele wertvolle Lebensräume für Pflanzen, Insekten und zahlreiche weitere Tierarten. Für die Kinder gab es demnach jede Menge zu entdecken. Die Viertklässler befinden sich dabei genau in jenem Alter, in dem das Konzept besonders gut funktioniert. „Einerseits sind sie motorisch bereits in der Lage, erste Erfahrungen mit dem Golfsport zu sammeln. Andererseits haben sie schon ein gewisses Verständnis für ökologische Zusammenhänge entwickelt. Für deutlich jüngere Kinder wäre das Programm oft noch etwas zu anspruchsvoll – sowohl in der Bewegung als auch in der Auffassungsgabe“, erklärt Thomas Ströbele. Er ist Head-Greenkeeper im Golf Club Ulm und macht sich für das Projekt stark.
Das Besondere: Viele der Schülerinnen und Schüler hatten zuvor keinerlei Berührungspunkte mit dem Golfsport. Umso wichtiger ist es den Verantwortlichen, Vorurteile abzubauen und neue Erfahrungen zu ermöglichen. „Wenn die Kinder später zuhause erzählen, dass sie einen Tag im Golfclub verbracht haben, gebastelt, gelacht, gemeinsam Spaghetti gegessen und sogar Golfbälle abgeschlagen haben, entsteht ein ganz anderes Bild vom Golfsport als jenes, das viele Menschen vielleicht im Kopf haben“, meint Ströbele weiter.
An drei Stationen waren die Mädchen und Buben unterwegs. Mit viel Eifer und Begeisterung. „Am liebsten würden sie natürlich den ganzen Tag mit unseren Carts über den Platz fahren“, erzählt Frank Steyer, seit 2020 Clubmanager in Ulm, lachend. Aber mehr als eine kurze Spritztour auf dem Beifahrersitz war für die jungen Gäste freilich nicht drin. Sie hatten anderes zu tun. Auf einer artenreichen Wiese lernten sie die Pflanzen- und Tierwelt ihrer Umgebung kennen. Ausgerüstet mit Becherlupen machten sie sich in kleinen Gruppen auf die Suche nach den Bewohnern, entdeckten unter anderem kleine Falter, Raupen, Käfer, Schnecken und Grashüpfer. Auch botanisch gab es einiges zu erkunden. Thomas Ströbele sagt: „Gerade dieser Teil des Projekts zeigt, wie wichtig Umweltbildung geworden ist. Viele Kinder verbringen heute deutlich weniger Zeit in der Natur als frühere Generationen.“
Kreativität war im Clubhaus gefragt
Die Schülerinnen und Schüler durften dort unter Anleitung kleine Insektenhotels bauen – und anschließend sogar für den eigenen Garten oder den Balkon mit nach Hause nehmen. Weil der sportliche Aspekt letztlich genauso zum Konzept gehört wie die Umweltbildung, hatten die Mädchen und Buben an der dritten Station die Möglichkeit, erstmals selbst zum Schläger zu greifen und Golf zu schnuppern. Am Ende wurden beim gemeinsamen Pasta-Essen Erfahrungen ausgetauscht, Entdeckungen verglichen und die Erlebnisse des Tages besprochen. Ströbele bringt es auf den Punkt: „Es war ein Tag, der gezeigt hat, dass Naturerlebnis, Lernen und Sport hervorragend zusammenpassen.“






