Minimalziel Klassenerhalt geschafft
Tallinn/Estland – Nachdem Deutschland völlig überraschend in der Zählspielqualifikation nur Rang neun erreicht hat und damit in Flight B zunächst gegen den Abstieg spielen muss, haben es Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann und Kapitänin Antonia Eberhard sehr gut gemeistert, die Stimmung im Team schnell wieder auf eine kämpferische Grundhaltung zu drehen.
Dem ersten Duell in der Matchplayphase kam eine immense Bedeutung zu, denn von den vier Mannschaften, die an diesem dritten Wettkampftag in Flight B den Kürzeren ziehen, müssen am Ende drei den bitteren Gang in Division II antreten. Alleine der Gedanke daran durfte niemals aufkommen und so waren es tatsächlich die Bundesadler, die in dem jederzeit von beiden Seiten sehr fair geführten Duell gegen Polen mit guter Körpersprache und klarem Spiel die Akzente setzten. Polen war aber ebenfalls gut eingestellt und wollte sich nicht kampflos in die Außenseiterrolle fügen.
Sieg am Ende klar
Emil Riegger war im dritten Match gegen Jan Rybczynski jederzeit Herr der Lage und steuerte schnell auf einen klaren Sieg zu. Mit 7&5 machte der Hubbelrather früh den Sack zu und gab seinem Team damit viel Sicherheit, zumal auch Carl Siemens gegen Tristan Kolasinski ebenfalls immer in Führung lag und nach dem Kreuzen auf die Back Nine Loch auf Loch gewann. Mit 5&4 war der zweite von drei nötigen Punkten ebenfalls sehr früh in trockenen Tüchern.
Vierer
Der Vierer mit Tom Haberer und Tjelle Rieger war zwar auf Loch 1 in Rückstand geraten, glich aber schnell aus und lieferte sich dann mit Konrad Bargenda und Marcin Bogusz ein jederzeit enges Duell, bei dem mal Deutschland, mal Polen in Führung lag. Erst im letzten Drittel der Runde machten Haberer/Rieger klar, dass dieser Punkt bei den Bundesadlern bleiben würde. Mit 2&1 wurde dieses Match und damit auch das gesamte Duell auf dem 17. Grün für Deutschland entschieden.
Wolfgang Glawe hatte sich mit Kamil Sikora ebenfalls ein Duell geliefert, bei dem keiner der Kontrahenten sich absetzen konnte. Als die Partie insgesamt entschieden war, stand in diesem Match all square und so einigten sich die Parteien, dieses Match als geteilt zu werten.
Finn Kölle war gegen Konstanty Luczak als letzter Bundesadler gestartet. Als der Sieg Deutschlands schon fixiert war, lag der Spieler, der am letzten Wochenende auf der DP World Tour so überzeugend gespielt hatte, knapp zurück. Da der Rückweg ins Clubhaus ohnehin nicht abzukürzen war, spielten die beiden einfach weiter. Auf dem 17. Grün holte Luczak den Ehrenpunkt für Polen, sodass in den Büchern ein Endstand von 3,5:1,5 für Deutschland steht.
Startverzögerung
In der Nacht war es in Estland noch einmal zu sintflutartigen Regenfällen gekommen. Der Platz, der ohnehin schon völlig übersättigt war, konnte die erneut fallenden Wassermassen nicht aufnehmen und so entschied die Spielleitung, alle Startzeiten um eineinhalb Stunden zu verschieben, damit das Greenkeeping zumindest ein Mindestmaß an Arbeiten noch erledigen konnte.
Immerhin kam im Laufe des Vormittags die Sonne heraus, aber an der grundlegenden Problematik, dass flächendeckend auf dem Platz zeitweiliges Wasser war, ändert dies zunächst noch nichts.
Belgien nächster Gegner
Am Freitag, wenn in Flight A das Halbfinale ausgetragen wird, trifft Deutschland auf Belgien. Die Mannschaft aus dem Dreisprachenland setzte sich mehr als klar gegen Spanien durch. Die Belgier gewannen den Vierer und die beiden ersten Matches, wobei kein Duell über die volle Distanz ging. Für die große Golfnation Spanien ist das Ergebnis sicherlich eine herbe Enttäuschung, aber damit stehen die Iberer in diesem Jahr nicht alleine da. In den übrigen Partien zogen Schweden gegen Island und Dänemark gegen Wales den Kürzeren.
Was im Fußball schon zur Binsenweisheit geworden ist, trifft zunehmend auch auf den Golfsport zu: Es gibt keine kleinen Mannschaften mehr. In der jetzigen Konstellation wird es mindestens zwei ganz große Namen mit dem Abstieg in Division II treffen.
Startzeiten
Am Freitag geht es um 9.34 Uhr für das deutsche Team weiter. Tom Haberer und Tjelle Rieger werden erneut gemeinsam als Vierer rausgehen. Um 9.44 Uhr steht Emil Riegger im ersten Einzel auf dem Abschlag. Es folgen Finn Kölle um 9.52 Uhr und Wolfgang Glawe um 10.00 Uhr. Für das vierte Einzel setzt Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann um 10.00 Uhr auf Carl Siemens.
Flight A
In Flight A unterlagen die Sieger der Zählspielqualifikation schon im Viertelfinale. Finnland zog gegen Italien in einem sehr engen Duell mit 2:3 den Kürzeren , wobei die Entscheidung im letzten noch laufenden Match erst auf dem 18. Grün fiel. Entsprechend groß war die Freude bei den Italienern, die am Vortag erst auf den letzten Löchern Deutschland von Rang acht verdrängt hatten.
Mit England ist einer der großen Favoriten früh gescheitert. Die Mannschaft mit den im World Amateur Golf Ranking am besten platzierten Spielern traf auf Irland. Dieses Duell ist immer besonders spannend. Den Vierer sicherten sich die Kleeblätter. Das erste Einzel ging klar an England. Danach zwang Irland die Drei-Löwen bis auf das 18. Grün, jeweils mit dem besseren Ende für die Athleten von der grünen Insel. Irland steigt damit ins Halbfinale auf, England spielt nur noch um die Plätze fünf bis acht.
Das Halbfinale komplettieren Frankreich und Gastgeber Estland. Die Franzosen setzten sich glatt gegen die Schweiz durch, während Estland zunächst klar in Führung ging, dann zwei Matches erst auf dem 18. Grün an die Niederländer abgeben musste, um im letzten Duell auf dem 18. Grün doch noch den Sieg einzutüten.
Stimmen zum Tag
Emil Riegger vom GC Hubbelrath hatte eine sehr entspannte Runde. Mit dem Polen Jan Rybczynski war er ständig im Gespräch und es wurde viel gelacht: „Das Match war sehr gut. Wir haben beide nicht so gut gespielt wie wir wollten. Ich lag nur knapp unter Par. Mein bester Schlag des Tages war auf Loch 13. Da habe ich ein 8er-Eisen aus 160 Yards auf drei Fuß an den Stock gehauen und damit das Loch gewonnen. Die polnischen Gegner waren sehr fair und nett.“
Carl Siemens hatte einen positiven Tag erlebt: „Wir alle haben uns ein bisschen im Vergleich zu den letzten zwei Tagen gesteigert und konnten deswegen gewinnen. Die Polen waren sehr faire Gegner. Das Match hat echt Spaß gemacht. Mein bester Schlag war mein Wedge auf Loch 14. Ich habe den auf etwa einen Fuß ans Loch gesetzt, um auf dem Grün schon das Match zu gewinnen.“
Finn Kölle hatte als besten Schlag des Tages seinen Schlag aus dem Fairwaybunker von Loch 11 in guter Erinnerung. Aus rund 130 Metern knallte der Ball trotz Gegenwinds nur 15 Zentimeter neben der Dose aufs Grün, spinnte dann aber noch etwas zurück. Der Birdieputt aus rund drei Metern Entfernung fiel.
„Mein Gegner waren nett, ich habe aber nicht so viel mit im gesprochen, weil ich heute sehr viel mein eigenes Ding gemacht habe. Toni Eberhard war viel bei mir. Ich habe viel mit ihr gesprochen und das war einfach eine lustige Zeit. Die Runde hat mir Spaß gemacht“, so der SLR-Athlet.










