Major-Siegerin und zweifache Mama: Dabei sein ist alles
Für Sophia Popov ist die AIG Womens Open mehr als nur das letzte Major des Jahres. Es ist das Turnier, bei dem sie ihren bislang größten sportlichen Triumph feierte. 2020 sorgte die Deutsche im schottischen Royal Troon für eine der größten Überraschungen der Golfgeschichte, als sie als Weltranglisten-304. den Titel gewann.
Sechs Jahre später kehrt die heute 33-Jährige auf die Major-Bühne zurück – mit einer völlig anderen Geschichte. Nur zehn Wochen nach der Geburt ihres zweiten Kindes, Sohn Julian, steht Popov wieder bei einem Profiturnier am Abschlag. Sportlich lief der Auftakt im englischen Royal Lytham & St. Annes Golf Club allerdings alles andere als nach Wunsch: Mit einer 85 (+14) belegt sie nach der ersten Runde den letzten Platz. Doch dieses Ergebnis dürfte in dieser Woche kaum ihre größte Sorge sein.
„Dieses Turnier musste ich einfach spielen“
Popov hatte sich schon früh ein klares Ziel gesetzt. Obwohl sie in diesem Jahr eigentlich pausieren wollte, gab es ein Turnier, für das sie unbedingt zurückkehren wollte. „Das ist das einzige Turnier, das ich dieses Jahr ernsthaft in Betracht gezogen habe. Ich liebe dieses Event so sehr. Ich liebe Linksgolf – und wenn ich dieses Jahr überhaupt ein Turnier spiele, dann dieses.“
Ihre besondere Verbindung zur AIG Womens Open ist offensichtlich. Auf Linksplätzen geht es weniger um den perfekten Schwung als um Kreativität und das Spiel mit Wind und Wetter. „Man kämpft hier mehr gegen das Wetter und den Platz als gegen den eigenen Schwung. Genau das liebe ich am Linksgolf.“
Erst vor rund zweieinhalb Wochen hat Popov überhaupt wieder einen Schläger in die Hand genommen. Die ersten neun Löcher spielte sie ebenfalls erst wenige Tage vor Turnierbeginn. Dazwischen bestimmte vor allem der Alltag als zweifache Mutter ihren Zeitplan. „Ich habe versucht, jeden zweiten Tag Bälle zu schlagen. Meine Mutter und mein Mann haben mir immer wieder zwei Stunden freigeschaufelt, damit ich schnell zum Golfplatz fahren konnte.“
Die Trainingseinheiten mussten sich nach den Stillzeiten richten. Gleichzeitig spürte Popov, dass ihr Körper noch längst nicht wieder vollständig belastbar war. „Solange die Energie reicht, ist alles gut. Aber meinen unteren Rücken habe ich definitiv gespürt. Zu meinem Caddie habe ich gesagt: ‚Du musst mich diese Woche einfach füttern und motivieren.‘“
Zweites Kind, entspannteres Comeback
Im Vergleich zur Geburt ihrer Tochter Maya vor drei Jahren war diesmal vieles einfacher. Deshalb fiel auch der Wiedereinstieg leichter. „Ich wäre nicht hier, wenn diesmal nicht alles deutlich unkomplizierter gelaufen wäre. Die Geburt war viel einfacher und auch die Erholung, weil ich wusste, was auf mich zukommt.“
Ihre Tochter müsse sich derzeit allerdings daran gewöhnen, die Aufmerksamkeit mit dem kleinen Bruder zu teilen. „Es war schwer, mich sieben Tage von Maya zu verabschieden. Aber jetzt hat sie ihren Papa ganz für sich. Überall, wo wir hingehen, dreht sich gerade alles um Julian. Ich versuche, das auszugleichen.“ Während Popovs Mutter mit Baby Julian nach England reiste, blieb Ehemann Max mit Tochter Maya zu Hause.
Inspiration aus der Familie
Anne van Dam motivierte Popov zusätzlich. Die Niederländerin ist Popovs Schwägerin und ist selbst erst vor wenigen Monaten nach der Geburt ihres ersten Kindes auf die Tour zurückgekehrt. „Es war unglaublich motivierend zu sehen, wie Anne zurückgekommen ist. Nach Maya ging es mir vier oder fünf Monate richtig schlecht, weil ich überhaupt nicht wusste, was auf mich zukommt. Anne hat mir gezeigt, dass man viel entspannter damit umgehen kann.“
Bereits die erste Runde zeigte, dass man von Popov nach einer so kurzen Vorbereitungszeit keine Wunderdinge erwarten durfte. Die 85 bedeutete den letzten Platz im Klassement. Doch wer ihre Geschichte kennt, weiß, dass es dieses Mal nicht um die Zahlen geht. Die Major-Siegerin von 2020 hat sich ihren größten Wunsch erfüllt. Nur zehn Wochen nach der Geburt ihres zweiten Kindes steht sie wieder auf dem Abschlag ihres Lieblingsturniers. Für Popov ist das in dieser Woche bereits ein Erfolg – unabhängig vom Ergebnis.








